Dresden regt sich wieder über eine Brücke auf

„Könntst’e Dich da auch so aufregen? Gerade Du als Radfahrer“, fragte mich eine Kollegin bereits am Dienstag. „Worum geht’s denn?“, erkundigte ich mich zunächst erst einmal. „Na, die haben doch neben der Albertbrücke diese Behelfsbrücke aufgemacht und die ist mit Holzbohlen belegt! Holz! Dabei weiß doch jeder, dass sich darauf bei Kälte Raureif bildet. Dort rutscht doch nun jeder aus! Sowas bescheuertes! Regt Dich das nicht auch auf?“ „Nö, eigentlich nicht.“ Das ergab einen verwunderten Blick und ich musste erklären: „Ich kann mich doch nicht über alles aufregen. Da wäre ich ja den ganzen Tag nur mit so etwas beschäftigt. Man muss auch mal lernen, dabei ein wenig zu filtern!“

Dabei scheinen auf dieser Brücke wirklich schreckliche Bedingungen zu herrschen. BILD hatte zuerst darüber berichtet. Reihenweise legte es alle Radfahrer flach, wie man auf den Fotos zum Artikel sieht (zufälligerweise stand immer der Fotograf von BILD bereit*). Okay – im Hintergrund sind auch immer Radler und Fußgänger zu sehen, die es schafften, aufrecht zu stehen, aber das soll uns mal nicht weiter stören. Nach diesem Artikel wusste immerhin jeder (und zwar rückwirkend schon immer), dass sich auf Holz Raureif bildet. Inzwischen hat nun auch die Sächsische Zeitung diese Gefahr entdeckt und erklärt, dass dort dringend nachgebessert werden müsse. Mit Gummimatten zum Beispiel.

Zufälligerweise musste ich gestern früh selbst dort hinüber. Mit Fahrrad. Und wir kamen völlig problemlos auf die andere Seite. Beim Überqueren dieser Strecke fiel mir ein: Auf dem Blauen Wunder besteht der Fußweg – zumindest teilweise – auch aus Holz. Dort finden das alle normal. Im Gegensatz zu den recht glatt getretenen Brettern auf dem Blauen Wunder waren die hier sogar geriffelt. Und selbstverständlich werden auch die Bretter am Blauen Wunder in jedem Winter von Reif und Eis glatt. Trotzdem rutschen auf dem Blauen Wunder weder Fußgänger noch Radfahrer (die diesen Fußweg auch gern benutzen) pausenlos aus. Das liegt möglicherweise daran, dass die Leute dort einfach mal hinschauen und mitdenken: „Oh, die Bretter sind weiß, das könnte auf Glätte hindeuten, ich sollte vorsichtig sein …“ So erreichen manche Leute das andere Brückenende sogar ohne Knochenbruch!

Ist das in anderen Gegenden der Stadt für Radler und Fußgänger wirklich solch ein unerwartetes Problem? Dass man eigentlich immer mit auf die Bodenbeschaffenheit achten und sein Fahr- bzw. Gehverhalten entsprechend anpassen sollte – wird diese alte Erkenntnis in manchen Stadtteilen von den Omas und Opas nicht an die Enkel weiter gegeben? Dabei könnte ja überall auch mal eine überfrorene Pfütze auftauchen, denkbar sind auch Schlaglöcher oder Tretminen …

Darüber könnte ich mich aufregen … doch ich sage ausdrücklich: „Könnte“! Denn das wäre die falsche Aufregungsrichtung. Immerhin bin ich ja einer dieser ganz normalen Bürger und als solcher hat man sich gefälligst immer über die da oben aufzuregen. Deshalb auch hier kurz meine korrekte Mitaufregung: „Die da oben wieder … hör mir off … wenn de ni‘ alles alleene machst … kannste nur mit’m Kopp schütteln …“

Gut. Haben wir das auch abgehakt. Nächstes Thema.

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* Finde ich in jedem Winter immer wieder sehr niveauvoll von Fotografen und Kamerateams, wenn sie sich an ihnen bekannten Glatteisstellen notfalls lange Zeit in die Kälte stellen, um andere Leute beim Hinfallen aufzunehmen. Hätten diese Bildbeschaffer in derselben Zeit stattdessen bei der Stadtverwaltung angerufen und um Beseitigung der Gefahr gebeten, wäre das zwar sinnvoller gewesen, aber so würden ja die anklagenden Bilder nicht zustande kommen, mit denen man darauf hinweist, wie untätig die Verwaltung bleibt.

9 Kommentare:

  1. Unglaublich* – die Politik handelt nicht:

    Twitter

    *Oder eher: Typisch! Ich könnte mich schon wieder aufregen …

  2. Danke für den Link zu dem Twitter-Account staDDrat … erspart mir den Gang in die Stadt 😉

    Mal ’ne Frage an dich, der sich etwas besser mit Twitter auskennt.

    Ist das ein allgemeiner Stadtrats-Twitter-Account, der von sagen wir einer Person X allgemein eingerichtet worden ist und an den dann diverse Stadträte twittern können? Mich verwunderte die Beteiligung sowohl von CDU, SPD und B-Grünen „unter einem Dach“ – was ich ja löblich finde 😉
    Oder ist es der Account eines „Externen“, der einen guten Draht zu den jeweiligen Mitgliedern hat?
    Oder kann man ausgewählte Kommentare diverser Leute, denen man „followed“ in einer bestimmten Zeit auf seinen eigene Account umleiten, so nach der Art „if time=stadtratszeit then begin select account (member_stadtrat); post; repeat end“
    (semantisch falsche Pascal-Zeile, ich weiß, doch du weißt vielleicht, worauf ich hinauswollte, oder?)

    Zur Brücke, die LINKE soll sich nicht so ham … bis zum Ende der Stadtratssitzung haben CDU-FDP-&-BF sowohl die WSB als auch die „neue“ Brücke an der Erfurter Straße fertig 🙂

    Hmm, jetzt habe ich deinen Artikel hier mal durchgelesen … da passt meine letzte Bemerkung gar nicht mehr so richtig … oder naja, eigentlich doch 🙂

  3. Diese von # gefolgten Begriffe sind sogenannte Hashtags. Wenn man die bei Twitter eingibt oder dort in einem „Tweet“ anklickt oder bei Google „Twitter #staDDrat“ eingibt (worauf man hier landet http://twitter.com/#!/staDDrat), dann kann man alles verfolgen, was zu dem Thema getwittert wird. Irgendwer hat einfach mal diesen Hashtag gewählt und der wurde von allen Interessierten akzeptiert, zumal man dieses Kunstwort wohl auch für nichts anderes verwenden konnte – da ist also kein spezieller Twitteraccount für den Dresdner Stadtrat festgelegt worden.

  4. So, und nun der zweite Teil (ich wollte nur fix das Wichtigste mitteilen):

    Es ist so, dass jeder, der einen Twitter-Account hat, dort nur etwas zu schreiben braucht und wenn er dann #staDDrat mit in den Text einfügt, kommt das automatisch mit in diesem sogenannten Twitter-Channel. Also angenommen, Du verfolgst mit der von mir soeben beschriebenen Methode dieses Thema und ich twittere „Jim Knopf for #staDDrat“, dann kannst Du das mit nur kurzer Verzögerung lesen. Alle, die das auch mitlesen und selbst bei Twitter angemeldet sind, können mir darauf antworten, z.B. „@frankinformiert Was soll der Quatsch? Lukas der Lokomotivführer kann es besser!“. Wenn sie in ihre Antwort ebenfalls #staddrat mit eintippen (was sich auch automatisieren lässt), dann kannst Du als Mitleser das ebenfalls sehen – wenn sie den Hashtag weg lassen, dann siehst Du es nicht.

    Bei solchen Angelegenheiten ist Twitter regelrecht mal sinnvoll. Es hängt aber immer davon ab, ob auch irgendwer von den Abgeordneten wirklich etwas relevantes schreibt. Am meisten veröffentlichen in der Hinsicht momentan zwei von den GRÜNEN etwas. Dafür an dieser Stelle mal ein kleines Danke!

    P.S. Ich habe irgendwie den Link im letzten Artikel verhunzt. Richtig ist: http://twitter.com/#!/search/%23staDDrat

  5. Wie immer hast Du Recht, Frank. §1 der StVO und so. Vorsicht und gegenseitige Rücksichtnahme. Ich habe die Linken-PM aber eigentlich nur eingestellt, weil mich das Ganze amüsiert hat und es mal wieder nach „Brückenstreit“ aussieht. Andererseits muss man konstatieren: Die Konstrukteuere sind sicher Autofahrer, die von den spezifischen Problemen anderer Verkehrsteilnehmer mal wieder keine Ahnung haben.
    Am Ende wird ein Schild an die Brücke gehängt: Radfahrer absteigen! Oder „Benutzen auf eigene Gefahr“ 🙂

  6. Zwischen Blauem Wunder und Behelfsbrücke gibt es schon Unterschiede:
    Am Blauen Wunder ist es ein Fußweg, auf dem Radfahrer gar nicht fahren dürfen. Auf der Behelfsbrücke müssen durchschnittlich 9.000 Radfahrer pro Tag fahren. Dazu kommt, dass auf dem rutschigen Holz 90-Grad-Kurven gefahren werden müssen.
    Wenn sich durch eine Änderung der Verkehrssituation die Unfallzahlen vervielfachen, ist es natürlich einfach zu sagen, die Verkehrsteilnehmer sind selber schuld. Aber meiner Meinung nach ist es naheliegend, dass an der Brücke etwas faul ist. Wenn Holz so gut geeignet ist, kann man zukünfig alle Brücken, mit Holzbohlen belegen. Ist bestimmt billiger, als komplizierte Aufbauten mit Asphalt etc.

  7. Am Blauen Wunder ist es ein Fußweg, auf dem Radfahrer gar nicht fahren dürfen.

    Machen aber trotzdem sehr viele. Mir ging es um die täglich stattfindende Praxis.

    Dazu kommt, dass auf dem rutschigen Holz 90-Grad-Kurven gefahren werden müssen.

    90°-Kurven? Wieso muss man das machen?

    Wenn sich durch eine Änderung der Verkehrssituation die Unfallzahlen vervielfachen …

    Wie viele Knochenbrüche und Tote gibt es denn inzwischen? Abgesehen davon wissen ja nun alle Dresdner, dass die Brücke so irre gefährlich ist, also werden nun alle entsprechend vorsichtig sein. Ich könnte wetten, dass seit den erschütternden Fotos in BILD dort kein Einziger mehr hingefallen ist.

    Wenn Holz so gut geeignet ist, kann man zukünfig alle Brücken, mit Holzbohlen belegen. Ist bestimmt billiger, als komplizierte Aufbauten mit Asphalt etc.

    Es geht hier um eine Übergangslösung, die auch absehbar wieder abgebaut werden muss. Und da ist Holz keine schlechte Sache, was die Entsorgung betrifft, denn Holzabfall kann man in Biokraftwerken noch zur Energieerzeugung verwenden. Kann man ja auch mal mit bedenken.

  8. und wenn so viele gestürzt sind ,wieso landete dann keiner in der Elbe oder auf den Radweg untendrunter wo der ganze Split hinrieselt ?!

    grussi……..

    (toller Beitrag–> Danke )

  9. Weil man genau wegen dieser Gefahr dort inzwischen aller 5 Meter 1-Euro-Jobber aufgestellt hat, die das (auf rutschfesten Sohlen) verhindern sollen.

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