Sächsisches Politbarometer

Die Leipziger Volkszeitung bringt heute das Ergebnis einer aktuellen Umfrage, wie aktuelle Wahlen zum sächsischen Landtag ausgehen würden (hier etwas kompakter in der SZ). Das Ergebnis kann man sicher eher ignorieren, denn die Wahl ist erst in zwei Jahren. Ob dann zum Beispiel unsere Liquid-Piracy-Partei noch auf 8 Prozent kommt, wagte ich zu bezweifeln, wenn sie auch weiterhin zu nichts eine Meinung hat.

Viel beeindruckender fand ich die ausgewerteten Beliebtheitsgrade unserer sächsischen Politiker. Auf Platz eins liegt dort Stanislaw Tillich. Das ist auch völlig logisch – er hat auf Plakaten und Pressefotos immer das zuversichtlichste Lächeln und beim eher konservativen sächsischen Wähler brachte es ihm sicher auch Bonuspunkte, als irgendwelche Linken ihm ans Bein pinkeln wollten, weil sein Lebenslauf angeblich nicht so perfekt war.

Was mich viel mehr beeindruckt hat: Auf Platz zwei liegt Matthias Rößler. Das wird viele sächsische Lehrer heute beim Zeitungslesen dazu veranlasst haben, den Kaffee über den Tisch zu prusten. „Der?“, werden sie gerufen haben. Anschließend werden sie ihren genervten Partnern einen Spontanvortrag gehalten haben über Rößlers Zeit als Kultusminister und seine großartigen Leistungen, über seine Kompetenz, die mit dazu geführt hat, dass wir heute in so einigen Fächern Lehrermangel haben. „Na, jetzt als Landtagspräsident kann er ja wenigstens nicht mehr sehr viel falsch machen!“, werden sie möglicherweise zum Schluss gesagt haben.

Wie kann bei einer Umfrage ein solches Ergebnis zustande kommen? Worüber sagt das etwas aus? Über

a) die Qualität dieser Umfrage?

b) den Bildungsgrad der Befragten oder deren generelle Bereitschaft, sich mit Politik auseinanderzusetzen?

Oder

c) die restlichen sächsischen Politiker?

Aber letzteres wäre unfair gegenüber einigen Politikern aus Sachsen. Um das wirklich beurteilen zu können, müsste man zunächst auch die in der Umfrage gestellten Fragen kennen.

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