Libyen: Die Propagandamaschine entdeckt Minen

In den ZDF-Nachrichten wurde heute berichtet, dass die Bevölkerung in Libyen eine gefährliche Hinterlassenschaft ertragen muss: Explosive Munitionsreste und sogar Minen. Bei den Bildern von Munitionsresten wurde zwar nicht hinterfragt, von welcher Seite die überhaupt stammen, wie klein diese Haufen ohne NATO-Einsatz geblieben wären oder wie stark die von der NATO eingesetzte Uran-Munition eigentlich die Gegend kontaminiert … Aber man kann auch nicht immer so viel hinterfragen – Sendezeit ist teuer! Ab heute hat der böse Gaddafi jedenfalls sogar Landminen verlegt! Leider, so sagt man uns, gibt es aber gar nicht genug Experten für die Bergung. Aber die guten Rebellen versuchen immerhin, trotz ihrer nur beschränkten Möglichkeiten, diese Minen zu bergen.

Nun will ich nicht behaupten, dass Gaddafi zur Abwehr der Rebellen auf gar keinen Fall selbst Minen eingesetzt haben kann*. Interessant ist aber, was die Bilder von minenräumenden Rebellen uns möglicherweise zeigen: Vielleicht räumen sie da lediglich ihre eigenen Minen weg? Oder viel ältere aus deutscher Produktion?

(* In (1) wird auch „der Gebrauch von Landminen im März 2011 durch libysche Streitkräfte vor den Toren der Stadt Ajdabiya“ erwähnt.)

Am 28. April 2011 erklärte der libysche Übergangsrat, mit ihm würde es in Libyen keinen Einsatz von Landminen mehr geben. (1) Was zunächst sehr edel und nach einem Beweis für die Schuld Gaddafis klingt, kam aber nur zustande, nachdem BBC Videomaterial veröffentlichte, „auf dem Rebellen zu sehen sind, die selbst Anti-Fahrzeug-Minen bei der Stadt Ajdabiya verlegten. Human Rights Watch erhielt außerdem Informationen über Minen, die von Benghazi nach Misrata verschifft wurden. Die Führung der Rebellen hatte in einem Treffen am 20. April gegenüber den ICBL Mitgliedsorganisationen Handicap International, Human Rights Watch und Mines Advisory Group und dem Mine Action Service der Vereinten Nationen (UNMAS) verkündet, dass ihre Kräfte keine Landminen einsetzen würden. Dennoch wurde diese Selbstverpflichtung von einigen Rebellenkräften nicht respektiert.“ (1)

Wir halten fest: Die Rebellen verlegten selbst Minen und verpflichteten sich anschließend zu deren Räumung: „Laut den Verordnungen des Minen-Verbotsvertrags dürfen Staaten keine Anti-Personen-Minen mehr verwenden und müssen ihre Lagerbestände zerstören, kontaminierte Gebiete räumen und umfassende Hilfe für die Opfer von diesen Minen bereitstellen.“ (1)

Und deshalb könnte es durchaus sein, dass die Fernsehbilder uns Rebellen zeigen, die gerade wieder ihre zuvor selbst verlegten Minen ausgraben. Abgesehen davon dürfte es nicht nur in Libyen, sondern in ganz Nordafrika kein Problem sein, Bilder von Räumarbeiten auf Minenfeldern zu erhalten: Dort liegen überall noch massenhaft Minen und explosive Munitionsreste aus dem zweiten Weltkrieg herum, hauptsächlich aus deutscher und britischer Produktion.

(1)    Handicap International e.V.: „Die libyschen Rebellen sagen zu, keine Landminen mehr einzusetzen“, Mai 2011

Ein Kommentar:

  1. Mir ist ein (unbestätigter) Bericht bekannt, demzufolge die Tuareg eine ganze Wagenkolonne von Rebellen mit Minen außer Gefecht gesetzt haben sollen. Vermutlich haben beide Parteien sie eingesetzt. Die Rebellen in bewohntem Gebiet und die Resistance auf Verbindungsstraßen zwischen den großen Orten. Letztlich werden die Kinder es sein, die es ausbaden müssen, wenn die Dinger nicht wieder vollständig eingesammelt werden, da sie dazu neigen, ihre Umgebung beim Spielen kapilar zu erkunden.

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