Die Ärzte 2012 in Dresden – und sogar CO2-Neutral!

Vor kurzem kam die Meldung, dass die beste Band der Welt nächstes Jahr wieder auf Tour geht. Auf der Internetseite konnte man bei den Informationen zu den Tickets ein hübsches Detail lesen, welches inzwischen leider nicht mehr online zu sehen ist, mich aber zu folgender Mail an die OPM Merchandising GmbH veranlasste:

„Sehr geehrte Damen und Herren,

für das Konzert der Ärzte in Dresden am 11.8.2012 findet man auf Ihrer Internetseite die Angabe:

Preis 38,00 € (inkl. CO2 Kompensation und aller Gebühren)

Ich dachte erst, das mit der CO2-Kompensation solle ein Scherz sein, aber anscheinend ist das wohl ernst gemeint. Deshalb folgende Fragen:

  • Wie hoch ist der konkret dafür verwendete Geld-Anteil im Kartenpreis?
  • Wie wollen Sie CO2 durch Geld kompensieren?
  • Welches CO2 soll da eigentlich kompensiert werden? Also wobei wird es am 11.8. 2012 konkret entstehen?

Mit freundlichen Grüßen (usw.)“

Eine Antwort kam freilich nicht, aber auf den inzwischen gekauften Karten steht hinten drauf:

„CO2-freundlich: Auf diesem Konzert entstehen unvermeidbare CO2-Emissionen, die wir über atmosfair mit UN-zertifizierten Klimaschutzprojekten in Entwicklungsländern kompensieren.“

Ich bin ja ein großer Fan von unserer allgemeinen Kreativität, Klimaschutz herbei zu rechnen. Dass so etwas nun auch schon bei Rock-Konzerten eine Rolle spielen kann, war mir neu.

Das Prinzip beim Testsieger atmosfair ist übrigens dasselbe, wie auch bei der Konkurrenz: Man fährt oder fliegt durch die Gegend und erzeugt dabei dieselben Abgase und denselben Dreck wie schon immer (und auch weiterhin). Aber man erkauft sich durch einen Geldbetrag ein gutes Gewissen. Früher nannte man das Ablasshandel. Heute wird es in Klimaschutzprojekte in Entwicklungsländern gesteckt. Hat das wirklich Sinn? Und wieso finanzieren wir damit Klimaschutzprojekte auf der Südhalbkugel, während wir die Abgase weiter hier oben erzeugen?

Egal. Es ist eine geniale Sache – man muss seine Verhaltensweise absolut nicht ändern und trotzdem wird die Welt gerettet! Darauf noch ein Glas CO2-neutralen Rotwein!

13 Kommentare:

  1. Das ist ganz einfach: Klimaschutzprojekte auf der Südhalbkugel kann man von hier aus nicht sehen.

    Niklas Luhmann sagte über die nutzlosen Bemühungen der Politiker, Wachstum und Arbeitsplätze zu »schaffen«:

    Die Situation gleicht derjenigen der Hopi-Indianer beim Ausbleiben von Regen. Was dann hilft, ist ein Regentanz in dem Glauben, daß das hilft.

    Ich denke, das passt hier auch sehr gut.

  2. Micha(el) Winkler

    @ Stefan
    Hopi-Indianer waren durch ihre Friedenspfeifen sicher die größten CO2-Sünder ever 🙂
    Und die waren alle ganz nah am Krebstod dran – jeden Tag 😉

    Etwas ernster … die Sache klingt nach „Saufen für den Regenwald“ oder dem sog. Flächenhandel.

    Es gibt eben einen kleine, aber feinen Unterschied zwischen Naturschutz und Umweltschutz 🙂

  3. Ich denke, wir können als Fazit festhalten: Die Hopi-Indianer sind schuld am Klimawandel 😉

    Es gibt eben einen kleine, aber feinen Unterschied zwischen Naturschutz und Umweltschutz

    Genau so ist es

  4. Micha(el) Winkler

    @ Hopi-Indianer
    Kann ich dein Fazit erweitern, Frank?
    Die Hopi-Indianer waren die „Klimasünder der ersten Stunde“, sozusagen die Adolf Henneckes des Klima-GAU 🙂

    @ Natur- & Umweltschutz
    Hab ihn mal überflogen, hatte in den letzten Jahren ähnliche Gedanken … insbesondere als ich beschloss, den Restmüll nicht mehr zu trennen. Ausgangspunkt war für mich die Frage: was wäre, wenn 100% der Bevölkerung ihren Müll zu 100% ordentlich trennen würden?

    Meine bisherigen Antworten: erstens gäbe es keinen Grund, weniger Verpackungen zu produzieren, sprich nachteilig für den Naturschutz. Und zweitens würde man keine Maschinen mehr erfinden brauchen, die Abfall von Müll trennen, sprich nachteilig für den Forschergeist im Menschen und zudem mehr Arbeit für die Bevölkerung allgemein.
    Abgesehen davon versuche ich natürlich bei mir selbst anzufangen und möglichst „verpackungsarm“ einzukaufen.

  5. Adolf Hennecke war der Urvater des Klima-GAU, denn er hat massenweise fossilen Brennstoff gefördert. Mehr als alle anderen Arbeiter. Dass er dafür auch mit Sonderrationen in Form gebracht wurde, hat das »Neue Deutschland« damals diskret unter den Tisch fallen lassen.

  6. Also können wir zusammenfassen, Adolf Hennecke setzte fort, was die Hopi-Indianer einst begannen?
    Und warum hat Gojko Mitic nichts unternommen? 😉
    Udn welche Rolle spielte Alexej Stachanow dabei? 😉

  7. Ich werde umgehend einen aufklärerischen und -rüttelnden Artikel zu dem Thema schreiben! Dass Gojko Mitic sich so aus der Verantwortung gestohlen hat, ist einfach unglaublich!

  8. Wohl an, Frank 😉
    Apropos „unglaublich“ & Gojko Mitic (wir haben übrigens am selben Tag Geburtstag 😉 – oops, Micha, geh im Internet vorsichtig mit deinen Daten um :)) … noch unglaublicher ist, dass Pierre Brice da offenbar nicht mal mitmachen will … „Unschöne Töne …“
    Also, wenn Stachanov und Hennecke noch leben würden, würden die sich vielleicht mit den Hopi-Indianern um den Titel des/der „Ersten wahren Klimasünders“ streiten 🙂

  9. Um nochmal drauf zurück zu kommen, wenn ich das richtig verstehe entsteht CO² ja wohl vor allem bei der Herstellung von Gütern, die wir konsumieren. So ein Event ist natürlich auch ein großes Konsumfest. Sinnvoll konsumieren, wäre da schon freundlich. Zusätzlich kann man natürlich statt Strom aus Kohle auch Ökostrom benutzen. In Entwicklungsländern was tun zu wollen, um CO² welches wir hier produzieren auszugleichen ist natürlich extremst sinnvoll.

  10. Um nochmal drauf zurück zu kommen, wenn ich das richtig verstehe entsteht CO² ja wohl vor allem bei der Herstellung von Gütern, die wir konsumieren. So ein Event ist natürlich auch ein großes Konsumfest.

    Ich wage zu behaupten, dass ein Rock-Konzert kein großes Konsumfest ist, wenn man mal von den verkauften Getränken absieht. Die paar ansonsten noch verkauften T-Shirts sind eher nebensächlich.

    Sinnvoll konsumieren, wäre da schon freundlich.

    Grundsätzlich richtig, aber wie soll man bei einem Rockkonzert sinnvoll konsumieren? Ein Bier mehr kaufen? Oder eins weniger? Darauf achten, dass das Eibauer aus ökologischer Bodenhaltung stammt?

    Zusätzlich kann man natürlich statt Strom aus Kohle auch Ökostrom benutzen.

    Ach – Ökostrom. Eines meiner Lieblingsthemen. Woher kommt der Ökostrom? Hauptsächlich aus Windkraft, wenn zufälligerweise gerade mal Wind bläst. Wenn Wind bläst, können die ansonsten aktiven Kohlekraftwerke leider nicht so schnell gedrosselt werden und laufen deshalb mit Volldampf weiter, verbrauchen sinnlos Kohle und erzeugen weiter CO2, was wir ja eigentlich vermeiden wollen. Wenn Windkraft andererseits in Windpausen gepuffert werden muss, geschieht das hauptsächlich mit Gasturbinenkraftwerken. Die werden betrieben mit? Genau: Mit Erdgas. Das besteht hauptsächlich aus Methan, was ein viel schlimmeres Treibhausgas ist, als CO2. Bei den Längen, die die Erdgaspipelines haben, summieren sich die nicht völlig vermeidbaren Lecks so, dass durchaus ein wenig Methan in die Luft gelangt. Sehr ökologisch!

    Die zweitwichtigste Ökostromquelle sind Biomasse-Kraftwerke. Dort wird hauptsächlich Holz verbrannt. Was setzt dieser Vorgang frei? Genau: CO2. Übrigens wird als regenerative Energiequelle auch Müllverbrennung mit verrechnet (kein Scherz!). Und wenn Holzanteile mit in diesem Müll sind, gilt das als Biomasse.

    In Entwicklungsländern was tun zu wollen, um CO² welches wir hier produzieren auszugleichen ist natürlich extremst sinnvoll.

    Aha. Warum? Oder war das eher ironisch im Sinne von „ist unsinnig“ gemeint? Übrigens hat mir die Rechtschreibkontrolle „extremst“ soeben extremst markiert 😉

  11. Michael Winkler

    Übrigens, es ist mitunter immer mal wieder gut, bei Google einfach mal „Co²-Lüge“ (die ² steht natürlich tief- nicht hochgestellt ;)) einzugeben. Viele Argumente finde ich genauso nachvollziehbar wie jene der Klimawandel-„Fans“ … ich denke, man sollte „beide“ Seiten kennen(lernen) und seine eigenen Schlüsse für den Alltag ziehen.
    Empfehlen kann ich auch Maxeiner&Miersch’s „Lexikon der Öko-Irrtümer“.

  12. Ich finde es auch wichtig, sich immer über die Argumente der Gegenseite zu informieren. Allerdings sollte man denen gegenüber dann auch wieder kritisch bleiben. Ich gebe zu, dass das auf die Dauer etwas anstrengend werden kann, wenn man versucht, Kritik über die Kritiker (und letztlich auch deren Kritiker usw…) durchdenken zu wollen. M&M und ihre „Achse des Guten“ sind insofern zwar immer ein guter Ansatz, wenn man sich über Klimaschutz-Gegen-Argumente informieren will. Allerdings schießen M&M aus meiner Sicht gern etwas über das Ziel hinaus, da sie eigentlich nur vermitteln: „Von wegen Klimaveränderung – alles Lüge! Macht ruhig weiter wie bisher! Dieser Planet hält noch ’ne Menge aus!“

    Eine solche Herangehensweise ist genauso verantwortungslos wie angeblicher Klimaschutz, der nur auf Statistik basiert.

    M&M reicht es als Beweis für angeblichen Klimaschwindel schon mal, wenn irgendwo in Norwegen ein Gletscher wieder einige Meter gewachsen ist. Ein gern verwendeter Beweis für angebliche Öko-Lügen ist auch, dass das Waldsterben gar nicht eingetreten ist, obwohl es doch jahrelang schwarz an die Wand gemalt wurde. Dass es aber vielleicht gerade deshalb ausblieb, weil ein paar Leute davor gewarnt haben, wird dabei gern übersehen. Insofern: Auch bei M&M ist Mitdenken angesagt!

  13. Michael Winkler

    M&M als Abkürzung gefällt mir, Frank 😉

    Kritisches Hinterfragen jeglicher Argumente ist vollkommen richtig, hatte ich stillschweigend vorausgesetzt 😉 … ich erwähnte die „Gegenseite“ nur, weil ich denke, dass man dort auch den Gegenpol zu den „Ökofetischisten“ findet – wobei M&M noch nicht mal zu den Extremen der „Gegenseite“ gehören, finde ich.

    Alles in allem finde ich vielleicht „Klimawandel-Leugner“ sogar noch etwas sympathischer als selbst ernannte Klimaschützer, die Wasser predigen und Wein trinken. Vielleicht fand ich auch das irgendwann mal gehörte Argument „Umso eher das Öl alle ist, desto eher kommt der Energiewechsel“ (sinngemäß) ganz nett 🙂

    Sei’s drum … im Alltag entscheidet sowieso jeder selbst, wie er oder sie leben möchte. Und da kann man nur seinen eigenen Weg gehen

Schreibe einen Kommentar

Name und E-Mail-Adresse erforderlich (E-Mail-Adr. wird nicht veröffentlicht).
Siehe auch Kommentar-Regeln, Spamschutz und Hinweise zu Textformatierung