Herausforderung „Nachdenken“ – Teil 1: Facebook-Viren

like-Button, sächsische Version

Als Facebook-Nutzer wird man seit einiger Zeit täglich mit neuen Viren-Warnungen überschüttet. Anscheinend haben dort alle Menschen schwer mit Viren und Ähnlichem zu kämpfen. Warum gehöre ich aber zu den Ausgeschlossenen? Warum erwischt mich nicht auch einmal einer dieser schrecklichen Viren? Was mache ich falsch? Denn seltsamerweise sind alle meine verwendeten Rechner sauber. Das waren sie schon jahrelang und das sind sie auch noch immer, trotz Facebook-Nutzung seit etwas mehr als einem Jahr. Liegt es daran, dass ich lediglich einige alte UNIX-Weisheiten beachte? Die sollten sich ja nun allmählich einmal herumgesprochen haben, denn sie gelten bei Windows ganz genauso:

  • arbeite nicht als Administrator
  • sichere das Admin-Konto trotzdem mit einem sicheren Passwort
  • installiere neue Sicherheitsupdates möglichst schnell

Ich habe keine Ahnung, was mein Fehler ist. Um den geplagten FB-Nutzern jedenfalls zu helfen, haben ein paar engagierte Leute auf FB eine „Veranstaltung“ erstellt (also letztlich eine Seite eingerichtet):

Das AntiSpam-Event: Schluss mit Facebook-Spam, -Würmern und Viren!

Nun hat FB tatsächlich zu einigen neuen Methoden der Verbreitung von Schadsoftware geführt und logischerweise probieren findige Leute dort auch neue Tricks aus, mit denen Anwender zum Aufrufen dubioser Internetseiten veranlasst werden sollen. Auf der AntiSpam-Event-Seite finden sich nun Tipps, mit denen man sich gegen Schadsoftware schützen kann. Diese Ratschläge sind alle richtig, geben mir aber trotzdem sehr zu denken. Z. B. findet sich der Ratschlag, man solle sich einen Virenscanner zu installieren. Wie jetzt? Gibt es heute immer noch Leute, die sich hartnäckig ohne Virenscanner durchs Netz klicken? Muss man so etwas nach den vielen Jahren wirklich immer wieder neu erklären? (Wenn man obige drei Punkte einhalten würde, bräuchte man zwar tatsächlich keinen, aber egal …). Windows fordert eigentlich längst selbst zur Verwendung entsprechender Software auf liefert sogar Vorschläge – da scheinen manche Anwender wirklich sehr beratungsresistent zu sein.

Die meisten weiteren Tipps lassen sich – abgesehen von „Installiere Dir nicht jeden Mist“ – so zusammenfassen: Klicke nicht wahllos alles an, was Dir so zugesandt wird, und schon gar nicht, wenn es aus Dir unbekannten Quellen stammt!

Und das hat mich noch mehr beeindruckt. Denn eigentlich dachte ich, dass diese Verfahrensweise nun wirklich längst Grundlagenwissen sei. Noch so aus der Zeit, als man gelegentlich E-Mails mit seltsamen Anhängen erhielt … Aber anscheinend vergisst die Menschheit wirklich immer wieder alles in einem beeindruckenden Tempo und dann muss alle paar Jahre wieder einer kommen und alles noch einmal neu sagen. (Aber bitte nur kurz, mit nicht allzu viel Text! Mehr als eine Überschrift liest heute sowieso kein Mensch mehr, bevor er dann trotzdem auf FB Kommentare dazu abgibt.

Das alles und auch der letzte Tipp hinterlässt einen mit dem Gefühl, dass die Evolution bei uns die Fähigkeit zum logischen Mitdenken leider etwas stiefmütterlich behandelt. Die Ratgeber der Seite schließen mit

22. Und der ultimative Bonus-Tipp: Vor dem Klicken Hirn einschalten.

Ob die Community für solche bahnbrechend neuen Methoden schon reif ist?

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