Streit um den Dresdner Neumarkt? Dabei hätte alles so einfach sein können …

Man sieht als Dresdner allmählich nicht mehr durch, wenn wieder einmal „Diskussion um Dresdner Neumarkt“ in der Zeitung steht: Gibt es zu einem alten Thema immer noch oder etwa schon wieder Streit? Oder haben wir bereits wieder ein völlig neues Detail, über das man sich aufregen darf? Beim jüngsten Fall fiel mir wieder ein, welche wunderbar einfache Lösung bereits vor über 10 Jahren von unserer Jugendredaktion vorgeschlagen wurde. Hätte man doch damals nur den in ihrem Video vorgestellten Verein „Potjemkin e.V.“ machen lassen! Dann hätten wir heute komplett nach historischem Vorbild neu errichtete Fassaden auf dem Neumarkt stehen, die Touristen hätten also etwas zu knipsen, aber für Mieter wäre es trotzdem billig geworden:

(Das Video stammt aus dem Jahr 2000)

4 Kommentare:

  1. Michael Winkler

    Nette Sache, Frank.
    Zugegebenermaßen hatte ich auch anfangs Probleme mit dem Fassaden-Image, doch im Grunde … warum eigentlich nicht?
    Naja, kam ja alles etwas anders und die „Wir machen das richtig“-Fraktion hat sich letztlich durchgesetzt – irgendwie. Tja, Touristen will man eben richtig anziehen, Mieten jetzt mal hin oder her. Dafür hat man jetzt wieder einen Bereich, in dem sich wahrscheinlich 90% Touristen tummeln. Der Neumarkt wurde wahrscheinlich mit Pflaster aus China, vermutlich Kinderarbeit (wenn man diversen Zeitungsmeldungen Glauben schenken kann), bestückt. ‚Hmm, will ich eigentlich meckern??‘, frage ich mich gerade 😉
    Nee, ich glaube nicht … bei solchen Themen fühle ich mich plötzlich wieder als Wahl-Dresdner und denke, dass das eben so ist in der Residenzhauptstadt 🙂

    Der Name des Vereins war wahrscheinlich auch etwas „anstößig“, weil die Anspielung auf Potjemkinsche Dörfer wohl eher als Veralberung statt als Ernst mit Augenzwinkern verstanden wurde. Wenn der Architekt jedoch Norman Foster geheißen hätte und die Vereinsvorsitzende Lady Gaga (okay, war vor deren Zeit), wäre das Ding sicher durchgegangen … auch gegen den Widerstand von 80% Dresdner Bevölkerung 🙂

  2. Letztlich haben wir am Neumarkt nun so oder so unser barockes Disneyland für die Touristen – ich hätte durchaus mit einigen moderneren Elementen an diesem Platz leben können, aber egal.

    Die Sache mit den Steinen aus Kinderarbeit ist so eine Sache. Der hätte ich damals beinahe einen Artikel gewidmet. Denn ich wäre etwas vorsichtig mit der Behauptung, der Platz sei wahrscheinlich mit Steinen aus Kinderarbeit gepflastert worden. Richtig ist wohl eher: Man kann nicht ausschließen, dass vielleicht auch Kinderarbeit mit beteiligt war. Auch wenn beide Formulierungen dieselbe Möglichkeit enthalten, ist die letztere schon etwas anderes.

    Man hat (übrigens nicht auf dem Neumarkt, sondern an der Kreuzkirche) bei einer Steinladung ein Etikett aus China gefunden. China importiert Natursteine aus Indien, wo sie teilweise auch von Kindern hergestellt werden. Fassen wir mal zusammen: Es könnten Steine aus Indien sein (muss aber nicht), es könnten weiterhin Steine aus Indischer Kinderarbeit sein (muss aber auch nicht) und es war (möglicherweise) gerade mal ein Steinhaufen.

    Selbstverständlich kann ich nicht ausschließen, dass vorher unentdeckt noch weitere solche Steine verbaut wurden. Ich kann nicht ausschließen, dass möglicherweise der gesamt Platz damit gepflastert wurde und es ist durchaus wichtig, darauf hinzuweisen. Es ist schlimm genug, dass es derart ausbeuterische und gesundheitsschädliche Arbeiten weltweit gibt. Es ist auch schlimm genug, dass wir diesen Energieverschwendungswahnsinn betreiben, Steine (die schwer sind und die wir ja nun wirklich selbst haben) um den halben Globus zu fahren.

    Aber mich stört es immer, wenn wieder gleich so in Panikmache verfallen wird. Denn eigentlich klingt die Antwort von Jörn Marx durchaus nachvollziehbar. Und immerhin ist es doch gut, dass es inzwischen überhaupt einen Stdatratsbeschluss gibt, mit dem so etwas verhindert werden soll. Außerdem kann man sich auch mal fragen, was auf allen anderen (nichtstädtischen) Grundstücken weiterhin zum Pflastern verwendet wird? Dafür wird mit Sicherheit das jeweils Preisgünstigste aus dem Baumarkt gekauft (und das kommt aus …). Vielleicht wäre auch einmal zu überdenken, ob man bei städtischen Projekten immer die preisgünstigste Ausführung nehmen muss oder ob man nicht besser die Angebote favorisieren sollte, bei denen die meisten tätigen Arbeiter und verwendeten Materialien aus der Region stammen? So würde das Geld immerhin in der Region bleiben – auch wenn man so mehr ausgibt: Es bleibt dann auch mehr hier. Und man vermeidet 100%ig Kinderarbeit.

    Falls nicht gerade irgend ein Schülerpraktikant im Steinbruch das Dynamit gesteckt hat 🙂

  3. Michael Winkler

    Ich verstehe deine Bedenken zwecks Verdacht, „wahrscheinlich war es so.“ und „es war so“. Sehe ich nicht anders, auch wenn meine obige Formulierung etwas tendenziös erscheinen mag 😉
    Prinzipiell wäre ja die Alternative – Steine aus der Region zu nehmen – die vermutlich bessere, auch wenn’s paar Tausend Euro mehr kostet. Steuermäßig kommt’s dann wieder auf’s selbe raus, auch wenn vermutlich eher eine Gemeinde statt Dresden davon profitieren würde.
    Ich weiß, dass ich da bei diversen Produkten selbst im Glashaus sitze und darüber hinaus, sehe ich mich immer häufiger nur als Beobachter. Naja, sei’s wie’s sei … „barockes Disneyland“ passt ganz gut. Vielleicht ist es ja das, was Dresden braucht?
    Ich weiß es nicht … fällt wohl unter’s Schlagwort „Mythos Dresden“ 🙂

  4. Der Bezeichnung mit dem Disneyland stammt übrigens nicht von mir

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