Blödes Orchester: Das ganze Konzert in drei Minuten

Das „Blöde Orchester“ bzw. „stupid orchestra“ kann man momentan in den Technischen Sammlungen Dresden bewundern. Schön wäre, wenn die Technischen Sammlungen auch selbst etwas mehr darauf hin weisen würden, denn auf ihrer Internetseite findet man weder auf der Startseite noch über die Suchfunktion einen Hinweis. Erst wenn man sich beharrlich durchklickt, wird man fündig und erfährt so, zu welchen Uhrzeiten dieses Orchester aus rund 200 historischen Staubsaugern, Mixern, Waschmaschinen, Rasierapparaten, Fönen, Wäscheschleudern und anderen Haushaltsgeräten täglich mehrfach spielt. Das Konzert geht eine halbe Stunde. Der Konstrukteur des „Blöden Orchesters“ Michael Petermann entdeckte irgendwann, dass manche Haushaltsgeräte Töne erzeugen, die halbwegs auf der Tonleiter liegen. So kam er auf den Gedanken, sie als Tonquelle einzusetzen und von einem MIDI-Steuergerät aus zu spielen. In den Technischen Sammlungen wird allerdings nicht jeden Tag mehrfach live gespielt, sondern eine feste Abfolge vom Computer aus abgespielt.

Als Besucher sollte man allerdings nicht erwarten, hier Adaptionen für Rasierapparat und Waschmaschine von „Yellow submarine“ oder der „Kunst der Fuge“ zu hören. Michael Petermann hat eigene Stücke komponiert. Wie sich das ungefähr anhört, kann man hier in einer auf drei Minuten verkürzten Fassung hören (und sogar sehen). Falls nach dem Anschauen jemand sagt: „Ach nun habe ich es ja gesehen. Da muss ich nicht erst noch dahin gehen“ – dem kann ich  nur sagen: In der vollständigen Fassung passiert durchaus noch einiges mehr! Hingehen lohnt sich durchaus. Ich fand es stellenweise recht witzig und hätte beispielsweise nicht gedacht, dass man Staubsauger nur durch schnelles Ein/Ausschalten als Rhythmus-Instrument einsetzen kann.


Gestern nach den Aufnahmen war  Herr Petermann noch anwesend, weshalb ich glücklicherweise mit ihm klären konnte, ob ich das hier überhaupt veröffentlichen dürfte? Ich darf*. Falls er mein Werk entdeckt, wird ihm sofort auffallen, dass hier gnadenlos Bildmaterial an völlig falsche Stellen geschoben wurde und Geräte bei gar nicht dazugehörigen Klängen zu sehen sind. Ja, das gebe ich sogar zu. Aber anders ging es nicht. Wenn man das korrekt filmen will – wie zum Beispiel in dieser Video-Hörprobe – muss man mehrere Kameras aufstellen, jede auf ein „Instrument“ gerichtet und das dann zusammenschneiden. Oder man nimmt nur eine Kamera, lässt das Stück 10 Mal laufen, filmt jedes Mal ein anderes Gerät und schneidet diese Aufnahmen dann genauso. Ich hatte nur eine Kamera, konnte mit der auch nicht permanent durch die Gegend laufen und sie woanders aufbauen, denn es war ja auch noch Publikum anwesend. Außerdem kannte ich das Werk noch nicht und wusste also gar nicht, wo als nächstes etwas optisch interessantes passieren würde. Und manche Geräusche kamen aus Geräten, bei denen mechanisch nichts zu sehen war. Also muss man mit dem wenigen gewonnenen Material anschließend ein wenig improvisieren.

(* Den unprofessionellen Namen „Video1 hat der Film deshalb, weil ich ihn nicht hier direkt speichern kann und ihn deshalb auf Youtube abgelegt habe. Da wir über eine dortige Veröffentlichung aber nicht geredet hatten, habe ich den Film bei Youtube ohne Beschreibung und mit neutralem Titel abgelegt) 

4 Kommentare:

  1. Einmal Reinhören reicht.
    Wer meint, so „Musik“ zu machen, zieht sich wohl auch die Hose mit der Kneifzange an.

  2. Nun ja – Geschmack ist halt verschieden (was auch gut ist, sonst wär’s ja langweilig). Da ich meine Musikalische Früherziehung u.a. durch Yello erhielt, bin ich solchen Geräuschbasteleien gegenüber immer erst einmal recht aufgeschlossen.

  3. Da muss ich unbedingt hin. Werde mir demnächst in Gent ein Roboter-Orchester anhören, aber das hier ist ja noch eine ganz andere Dimension. Sehr unterhaltsam!

  4. Für einen Besuch in Dresden ist es aber bereits zu spät: In den Technischen Sammlungen war das „Blöde Orchester“ nur vom 08. Juli bis zum 11. Sept. 2011 aufgebaut.

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