Kulturelle Tiefpunkte

Was musste ich da gerade lesen? Cindy aus Marzahn begeistert den ausverkauften Kulturpalast? Au weia! Ich finde es ja okay, dass die Dame etwas gefunden hat, wovon sie leben kann, aber dass dann der gesamte Kulturpalast bei „Cindy aus Marzahn“ gleich ausverkauft ist und sogar lange Schlangen davor standen …

Tut mir leid, aber irgendwo endet jede Toleranz: Tiefer kann Dresden nicht sinken. Was an dieser Niveaulosigkeit wie Cindy aus Marzahn lustig sein soll, ist mir nicht ganz klar. Oder hat die Dame neben ihrer „Alzheimerbulimie“ neuerdings noch einen Zeitgag mit im Programm?

20 Kommentare:

  1. Warum über die Gebotene schinpfen wenn man doch die meint, die sich das ansehen? Warum hier ein Blogpost und nicht die Publikumsbeschinpfung vor Ort? Enfach hingehen und der Schlange klar machen, was für schämenswerte Subjekte sie sind!
    Irgendwann müssen die doch in der Demokratie ankommen…

  2. Publikumsbeschimpfung vor Ort wäre natürlich mal was. Da das früher die Künstler noch selbst gemacht haben, wäre das auch mal eine neue Form, wenn es diesmal von Nicht-Publikum erledigt würde. Allerdings gehen Beschimpfungen sicher eher nach hinten los, denn dadurch würden sich viele der Cindy-Fans garantiert sagen: Schon um es diesen blöden Feingeistern zu zeigen, rufe ich jetzt noch ein paar Kumpels an, die dann auch noch mit hineingehen!

    Eigentlich müsste man den Leuten erklären, warum das nicht lustig, sondern nur blöd ist. Aber ich glaube, sie würden es nicht verstehen.

    Letztlich spricht ja auch noch nicht einmal etwas dagegen, dass es auch Erzähler schlechter, dummer oder peinlicher Witze gibt – nur durch solche Kenntnisse können Kinder und Jugendliche erst die Vergleiche ziehen und das bessere bewerten lernen. Aber dass dann auch noch Erwachsene freiwillig zu so etwas gehen, und dann auch noch in solchen Massen, ist schon deprimierend.

  3. Ich war dort!

    Kannst mich gern beschimpfen 🙂 habe die Karte zu Weihnachten bekommen (nicht gewünscht, nur bekommen) – war erst ein klein wenig skeptisch, kannte Cindy schließlich auch nur aus ein paar Fernsehauftritten und habe nicht mit einem derart guten Programm vor Ort gerechnet.

    Sie ist eine sehr natürliche, durchaus angenehme und vor allem großzügige Person, die sich von vielen Ihrer Kollegen abhebt. Ich habe mich auf ein unteres Niveau eingelassen und konnte herzlich lachen. Nicht alles war Bombe, aber das Gefühl hatte ich selbst bei meinem so sehr geschätzten Olaf Schubert – welcher ebenfalls oft mit Ihr zusammen arbeitet. Bei dem war ich zwei Monate zuvor. Kein Vergleich, wirklich nicht, aber so dermaßen schlecht und schlimm war sie nicht, wirklich!! Ihre Kunstfigur ist schon grandios ausgedacht und liebevoll veredelt. Schöne Improvisationen – aus dem Volk, für das Volk…

  4. Hm … na gut. Lassen wir es mal durchgehen, weil Du es bist … ich bin ja sowieso unglaublich tolerant. Mein Vater sagte gestern auch schon, diese Cindy aus Marzahn sei ja einfach Klasse!

    Aber indiskutabel bleiben bitte Besuche bei DJ Ötzi, DJ Bobo und Florian Silbereisen!

  5. Jeder bekommt die Kultur, die er verdient. Wenn so viele diese „Dame“ sehen wollen, na dann….Mit „Kultur“ hat das soviel zu tun wie McDonald´s mit Haute cuisine.

  6. Ich bin sehr froh doch nicht beschimpft worden zu sein und begrüße eine derartige Toleranz. Zumal ich ja bis vor kurzem noch genauso gedacht habe: „diese komische Cindy… die is doch gar nicht witzig…“

    Außerdem stimme ich dir bei den indiskutablen Besuchen dieser drei (wenn nicht sogar noch mehr) Leuten zu!! Falls es je eintreffen sollte, dass ich mich plötzlich über diese Banausen positiv äußere, dann könnt ihr mir getrost Freundschaften kündigen, oder mich, noch besser, einweisen lassen. Das darf einfach nicht passieren!

  7. Wer entscheidet denn was (gute) Kultur ist? Ich muss ehrlich sagen, dass ich diese Überheblichkeit gegenüber anderen weniger „kulturell gebildeten“ Menschen problematisch finde.

    Mich kannst du mit dem Zeug der meisten sogenannten Comedians jagen (Cindy ganz speziell) aber ich würde niemals in Abrede stellen, dass die auch einen Beitrag zur Kultur leisten. Es ist halt eher eine Massenkultur. Die muss aber nicht per se schlechter sein.

    So, jetzt zieh ich mir meine 1962er bolivischen S/W-Filme (mit französischen Untertiteln) rein und siniere darüber ob Mamani oder Quispe den besseren Blick für das strukturelle Elend der Potosí-Region hatte. 😉

  8. @ googlehupf: Na, Olaf Schubert und Spongebob sind beispielsweise gute Kultur.

    Aber gut – mal im Ernst: Das darf natürlich jeder für sich entscheiden. Und um das beurteilen zu können, muss man auch erst einmal etwas … na, sagen wir mal „einfacheres“ kennen gelernt haben. Wenn man seine Humor- und Satire-Schulung nur mit Robert Gernhardt und Wiglaf Droste absolvierte, kann man nicht wissen, warum das gut ist. Insofern muss man auch mal Fips Asmussen zum Vergleich gesehen haben. Und um dann beurteilen zu können, dass der wiederum in seinem seichten Metier auch wieder ganz gut ist, ist es auch gerechtfertigt, einmal Mario Barth oder (noch schlimmer!) Matze Knop gesehen zu haben.

    Ich habe einfach mal irgendwann Cindy a.M. in irgendeiner Comedyshow gesehen, als sie noch Newcomer war. Das könnte aus diesem Programm gewesen sein:

    http://www.youtube.com/watch?v=sEaa0uU7rAE&w=560&h=349

    Ich fand das nicht witzig, sondern nur doof. Gut – ich gebe zu, dass es auch wieder okay ist, wenn sie blöde Witze wenigstens über sich selbst macht. Aber das hatte alles so das Niveau von Witzen, die einem in der Kneipe einfallen, die man dann aber doch nicht ausspricht, weil sie einem selbst dann doch als zu albern erscheinen. Es sei denn, man trinkt noch ein Bier mehr.

    Und als ich gestern diese Info las, brach sozusagen mein Unmut darob aus mir heraus … man muss in seinem eigenen Blog auch mal gegen irgend etwas hetzen dürfen!

  9. @Frank
    Spongebob ist auf jeden Fall Höchstkultur der obersten Liga. Da sind sich alle Fachmänner (also ich) einig. 😉

  10. Micha(el) Winkler

    Also, ich kann Cindy auch nicht allzu viel abgewinnen … mitunter schmunzel‘ ich mal … sie nimmt sich selbst locker, das ist ihr größter Trumpf, wenn ich das mal so sagen kann … kurzum Selbsthumor.
    Und lieber dreimal Cindy also einmal Mario, Ingo und Atze zusammen 😉

    Achja, noch’n Hamma 😉

    http://www.youtube.com/watch?v=vXyMGwPkzHI

  11. was eine einzelne Frau doch für einen Wirbel erzeugen kann ?!

    s kann sich doch jeder seins anguggen,ich mag „die schrecklich nette Familie“aus dem Fernsehen….

    gibt es ja nüschd neues mehr –> nur doch Dose,abba da auch ab und an mal was unbekanntes..

    grussi….

  12. Micha(el) Winkler

    Hey, ejnsi, geili, dass du wieder auf Sendung bist … 🙂

    „was eine einzelne Frau doch für einen Wirbel erzeugen kann ?!

    s kann sich doch jeder seins anguggen“
    Meintest du „seine“, die Frau ist doch weiblich, oder?
    Oder was meinst du mit „seins“?

    Bin nich auf’m selben Dampfer wie du … hilf mir doch mal bitte. Danke i.V. … der Michi 🙂

  13. Na gut, dann stufe ich Frau Cindys Fans hiermit eben eine kulturelle Stufe hoch. Von „tiefer kann man nicht sinken“ auf „mitunter können Manche mal darüber schmunzeln und immer noch besser als Geld für Mario Barth auszugeben“.

  14. an Micha: Das Video ist ohne Ton. Ich dachte erst an einen Fehler bei mir, aber auf Youtube steht „Dieses Video enthält einen Audiotrack, dessen Verwendung nicht von allen Urheberrechtsinhabern genehmigt wurde. Der Audiotrack wurde deaktiviert“

    Aber ich hab ja Google installiert und so alles Fehlende schnell gefunden (auf videosurf.com). Ich denke gerade über die kulturelle Einstufung dieser doch nur halbwegs krassen Reime nach.

  15. Micha(el) Winkler

    Noch was, wegen „krasse Reime“ un so 😉

    (leicht geändert von Frank: Ein wichtiges Meisterwerk von Lady Bitch Ray über das Thema der Peniszustände von Rappern.)

  16. Micha: Ich habe den vorletzten Kommentar entfernt, da in dem Video nur angezeigt wird „Dieses Video enthält Content von UMG. Es ist in deinem Land nicht verfügbar.“ Prüf doch bitte das nächste Mal, ob die Sachen überhaupt laufen.

    Und ich muss sagen, dass ich jetzt auch eine Weile überlegt habe, ob ich Lady Bitch Ray hier wieder entfernen sollte. Nur weil der Artikel „Kulturelle Tiefpunkte“ heißt, müssen wir hier keine Sammlung solcher anlegen. Man kann mir gern sexuelle Verklemmtheit unterstellen, aber diese gesamte Porno-Rap-Szene ist aus meiner Sicht eine Entwicklung in die tiefste Niveaulosigkeit. Das will ich hier nicht haben. Selbst wenn man Reyhan Şahin wohlmeinend unterstellt, sie wolle ja nur ein Gegengewicht zu Leuten wie Frauenarzt darstellen, halte ich das trotzdem für Quatsch, denn sie bedient nur genauso dieselbe Marktlücke. Nur andersherum. Ihre Texte enthalten nur genauso geistlose Plattitüden wie die der entsprechenden Männer. Und ein Gegengewicht im Sinne der Korrektur oder Aufklärung ist das ja auch absolut nicht. Männliche Blödheit wird nicht durch weibliche neutralisiert, sondern nur bekräftigt. Das Wikipedia-Zitat über diese Dame stimmt wohl, dass sie „unter einem penetranten Selbstdarstellungsdrang [leide] und […] dringend Karriere machen [wolle], egal um welchen Preis.“

    Ich habe übrigens gar nichts gegen klare Aussagen in Texten. Wenn ich für freies Denken bin, kann ich nicht Verbote für bestimmte Musiktexte fordern, zumindest nicht wenn es um Themen geht, die uns im Leben doch irgendwie alle beschäftigen. In einem Schlagertext „bleib bei mir heut‘ Nacht“ ist ja auch klar, was da anschließend heut‘ Nacht ablaufen wird. Warum dann nicht konkret darüber singen? Frank Zappa hat es mehrfach gemacht (z.B. auf den sehr guten Alben Baby Snakes und Joes Garage), dort aber mit viel besserer Musik. Und schön wäre eben immer die Einhaltung eines gewissen Mindestniveaus.

    Na gut – die Entwicklung zum Pornorap war absehbar. Ich will nicht sagen, dass es keine guten Rap gibt, aber die meisten Rap-Titel entstehen eher nach dem Prinzip: Wer nicht singen kann und kein Instrument beherrscht, kann immer noch rappen. Und wer dann weiterhin nicht in der Lage ist, wenigstens über interessante Texte bekannt zu werden, dem bleibt immer noch die Flucht in drastische Themen. Und da diese durch Kunst und Rockmusik schon alle abgearbeitet waren, war nur noch Pornografie übrig. Da diese aber eigentlich gar nicht so viele erwähnenswerte Aspekte bietet, hoffe ich mal, dass wir diese Phase bald überstanden haben. Mal sehen, ob nachher doch noch ein Schockier-Thema gefunden wird.

    (Das wäre jetzt fast schon wieder genug Text für einen nächsten Artikel gewesen …)

  17. Micha(el) Winkler

    Kurz zum Link, der nicht funktioniert … ich schreibe aus Portugal, deshalb konnte ich das nicht wissen, dass es in Dtl. nicht funktioniert 😉

    Zu LBR später mehr … Micha

  18. Daran kann man mal wieder deutlich erkennen, dass die Globalisierung auch Nachteile hat!

  19. Micha(el) Winkler

    @ weiblicher „Klartext-Rap“ mit vulgären, obzönen, geschmacklosen, pornographischen (pornösen ? ;)) Texten …

    Nun, was Lady Bitch Ray anbetrifft, so fand ich den Text recht heftig, doch ich sag’s mal so: er ist gut gemacht und besser als die Pussy-Texte von Rapper A, B & C …

    Natürlich spielt es eine Rolle, dass sie Türkin ist und deutsche Rapperinnen (Reyhan Şahin ist auch Deutsche, klar, wurde in Bremen geboren – ich meine „so richtige arische deutsche Frauen“ ;), wie z.B. die Mädels vom „Ring natioanler Frauen“ :)), also deutsche Rapperinnen – sofern es die denn gibt – tja, singen, rappen so etwas eben (scheinbar?) nicht. Insofern fand ich’s (schon wieder) gut …

    Bislang fand ich auch nur etwas derartiges von Ex-MTV-Moderatorin Palina – doch die wurde in Leningrad geboren, also auch kein „gutes deutsches Mädel“ 😉

    Hmm, also solange es in Deutschland keine Hardcore-Rapperinnen gibt, machen das eben andere … was und wie ist deren Sache. Die sexuelle Aufarbeitung in einem Land ist nicht immer ein Zuckerschlecken (autsch, was für ein Satz ;)) … mich spricht das Tabu-Brechen im sexuellen Bereich nicht wirklich an, doch ich find’s nicht abstoßend oder so. Ich würd’s auch etwas sanfter machen (wenn ich ’ne Frau wäre 🙂 ), die selben Texte mit der Musik von Annett Louisan oder so … doch das macht dann eben jede(r) auf seine Weise.

    Reyhan Şahin a.k.a. „Lady Bitch Ray“ litt seit 2008 offenbar auch an einem Burn-Out … Zitat aus der Welt-Online vom 25.05.2011
    „Die Bremer Künstlerin, die eigentlich Reyhan Sahin heißt, sagte, sie sei schon im Sommer 2008 erkrankt: „Mein Burnout hat sehr direkt mit meiner künstlerischen Identität als Lady Bitch Ray zu tun: Als freigeistige Einzelkämpferin habe ich ein Jahrzehnt lang an einer Philosophie gefeilt, die ich im Endeffekt als ‚Vagina Style‘ vollendete.“ Ihre Depression habe auch private Gründe, die sie „irgendwann nach meiner Genesung künstlerisch zum Ausdruck bringen“ werde.“
    Insofern hat halt jede(r) auch seine eigenen Erfahrungen mit all dem ganzen Drumherum … unabhängig vom Thema „Vagina-Style“ etc.

  20. „Aber indiskutabel bleiben bitte Besuche bei DJ Ötzi, DJ Bobo und Florian Silbereisen!“

    Da hast Du völlig Recht.

    Cindy würde ich mir zwar nie anschauen, wenn ich Geld dafür bezahlen soll aber so schlimm ist es nun auch wieder nicht…

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