18!

Nun hat der alte FDP-Slogan ja doch noch funktioniert, wenn auch anders als ursprünglich gedacht. 18 Monate nach seiner Ernennung zum Außenminister tritt Westerwelle zurück (wenn auch noch nicht vom Posten des Außenministers). Aber immerhin hat nun die langerstrebte 18 doch noch irgendwie  Einzug in die FDP-Realität gefunden.

Sehr niveauvoll ist auf jeden Fall das Verhalten seiner Parteifreunde: Erst wählten sie ihn mit standing ovations zum Parteivorsitzenden, nun lassen sie ihn fallen wie eine heiße Kartoffel. Obwohl die letzten Wahlverluste kaum etwas mit ihm zu tun haben dürften. Das Wort „Parteifreund“ ist ein Widerspruch in sich. In einer Partei hat man anscheinend wirklich keine Freunde, zumindest nicht ab einer gewissen Stufe der Hierarchie.

8 Kommentare:

  1. Johannes Lohmeyer

    Volle Zustimmung! Der Umgang einiger in der Partei mit GW ist ein menschlicher Nullpunkt.

  2. Aber in einer etablierten Partei gelten nun mal bestimmte Regeln und (ungeschriebene) Gesetze. Dazu gehört auch: Wenn es bei Wahlen schlecht läuft, wird die Frage nach den Verantwortlichen gestellt.

    Guido Westerwelle hat beim Dreikönigstreffen der FDP ein Vierteljahr Bewährungszeit bekommen. In dieser Zeit ist die FDP zwei Mal an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert. Rheinland-Pfalz kann man mit einiger Berechtigung als ein Bundesland bezeichnen, in dem so etwas nicht passieren /darf/. Und in Baden-Württemberg war das Ergebnis trotz übersprungener Fünf-Prozent-Hürde auch ein Desaster. Hamburg mag aus personellen und strukturellen Gründen eine Ausnahme gewesen sein, aber so ein kleines Bundesland zählt in der Bundespolitik nicht viel.

    Ehrlich eingeschätzt: Guido Westerwelle ist ein Politiker für die Opposition. Er hat in der Regierungsarbeit ganz klar die Grenzen aufgezeigt bekommen. Er ist auch am Umfang seiner Aufgaben gescheitert: Parteivorsitzender einer Regierungspartei und Außenminister war einfach zu viel für ihn. Jetzt muss man abwarten, ob er in der Rolle des Außenministers noch etwas bewegen kann.

  3. Ich bin ja nun wahrlich kein Westerwelle-Fan, aber mich hat die Stillosigkeit des Umgangs mit ihm innerhalb seiner Partei doch etwas erstaunt. Allen Parteimitgliedern müsste doch klar sein, dass Guido nicht an dem Erdbeben und dem Tsunami in Japan schuld ist. Und deren Folgen (Kernkraft usw.) dürften die letzten beiden Landtagswahlen deutlich beeinflusst haben. Das sagt letztlich auch wieder nur etwas über die Unüberlegtheit von Wählern aus (das ist aber ein anderes Thema) und es zeigt, dass dieser vermeintliche Erfolg der Grünen auf derselben Grundlage basiert, also sehr mit Vorsicht zu genießen ist. Einen dauerhaften Trend würde ich da noch nicht sehen (das ist aber auch ein anderes Thema).

    Das Prinzip „Eine Wahl ist schlecht gelaufen, also muss ein Verantwortlicher her, der angeblich daran schuld ist und der anschließend abgesägt wird“ ist auch nicht besonders intelligent. Solche eigenartigen „Spielregeln“ sollte man vielleicht einmal hinterfragen. Übrigens empfand ich diesen Artikel auf Spiegelfechter als ganz gute Zusammenfassung zu dem Thema.

  4. Micha(el) Winkler

    Im Gegensatz zum Erstkommentator dürfte ich wohl schon recht wenig für die FDP übrig haben ;), für Westerwelle noch ein bisschen weniger … doch ich stimme dem Grundtenor hier zu: der Umgang mit dem Abgang Westerwelles war erbärmlich.
    Keine Ahnung, wer damit zuerst in der Öffentlichkeit war, doch plötzlich schienen sich die Mitläufer aus ihren Löchern zu trauen. Entweder die FDP ist ein großer Haufen Duckmäuser, oder da hat sich monate- bzw jahrelang schon etwas angestaut und der Guido wollte „nicht im Guten“ gehen. Dann könnte ich das alles einigermaßen nachvollziehen …

    Elegant und würdevoll geht anders … die FDP-Revolution frisst eben ihre Kinder .. oder Eltern ? 😉

    Naja, andererseits haben sich die Deutschen schon gebessert … vor 80 Jahren wär’s wohl so abgelaufen wie beim Röhm-Putsch 😉

    Phillip Rößler ist mir – trotz FDP – ja ganz sympathisch … allerdings erst seit gestern, als ich einen Redebeitrag auf irgendeinem FDP-Dorffest bei Phoenix gesehen habe:
    Hier ist m.E. nur ein Teil davon …
    http://www.youtube.com/watch?v=AiAuvXU210A

    Also, da bin ich eher englisch eingestellt … wer Humor hat, kann nicht ganz so verkehrt sein 😉 … auch wenn ich die FDP wohl kaum in meinem Leben wählen werde.

    Zudem dürfte Rößler wohl zu den gehören, die Westerwelle in der Öffentlichkeit nicht so stark oder gar nicht attackiert haben – ich vermute, dass das mit seiner asiatischen Herkunft irgendwie zusammenhängen könnte – kann so sein, muss nicht …

    PS: Es hat übrigens einige Zeit gedauert, bis ich Rößler als Kabarettisten akzeptieren konnte (liegt sicher am für mich ungewohnten Rollenwechsel) …. doch er macht seine Sache ganz gut, wie ich finde.

  5. Micha(el) Winkler

    Okay, zunächst war ich auch etwas „peinlich berührt“ als ich Rößler beim Humormachen zusah, doch mit der Zeit fand ich es ganz gut … insbesondere weil er eine Portion Selbsthumor hat.
    Westerwelle hat(te) nicht mal Humor, der war einfach so komisch, weil er die Dinge auch noch ernst meinte, die er da sagte … ich hab’s mehrmals versucht ihm eine Chance zu geben 😉
    Bei meiner ersten Berührung mit der FDP – 2005 im „Hotel Bellevue“, noch mit Wolfgang Gerhardt, war ich drauf und dran zu denken ‚Na, schau mal an, eigentlich bist du gar nicht so weit weg von der FDP …‘ – als damaliger eher Links-Grün-Wähler. Bis dann Sätze fielen wie – sinngemäß „Deutschland ist transatlantisch und keine Achse Paris-Berlin-Moskau“ … erinnere mich nicht mehr genau. Dieser Satz vom Guido ließ mich stutzen, wie gesagt genau bekomme ich es nicht mehr zusammen.
    Zudem kam das Thema Umwelt & Natur in einer Stunde Reden gar nicht vor … ergo: netter Abend, gut gelacht und viel gelernt – wenn auch eher, was ich keinesfalls wöllte 😉

    Im Übrigen bin ich der FDP immer noch sauer, dass sie meine, also Michel Michelsen’s Wünsche von vor zwei Jahren nicht einmal ansatzweise umgesetzt hat 🙂

  6. „FDP-Revolution“ – ist das nicht auch schon wieder so ein Widerspruch in sich? Und Rößlers Entertainer-Versuche … falls Priol man ausfällt, kann er ja einspringen 😉

    Aber im Ernst: Findest Du das wirklich lustig? Wenn dieselben Sätze von einem unbekannten Nachwuchs-Unterhaltungskünstler aufgesagt würden, würde ich wieder peinlich berührt vorm Fernseher sitzen und hoffen, dass bald der Nächste auf die Bühne kommt. Das sind doch alles nur Versatzstücke aus ollen Kamellen. Das dämlichste ist der Gag mit Merkel als Barbie. Den brachte er schon einmal irgendwo. Der Witz ist auch noch ist geklaut (ich weiß nur nicht mehr von wem). Beim Original war es noch halbwegs lustig, bei Rößler wirkt es doch nur albern.

    Aber falls er wirklich Westerwelles Nachfolger wird, kann ich nur feststellen: Erst wählte diese Partei einen unmöglichen Typen (Guidomobil, Big Brother, „Hier steht die Freiheitsstatue…“ usw.) zum Vorsitzenden, nun greift sie panikartig zum erstbesten nächsten Scherzkeks …

    Naja – jede Partei demontiert sich eben selbst, so gut sie kann. Soll’n se ma machen!

  7. ernst gemeinter Teil: Klar, es gibt schon Unterschiede zw. GW und PR – da hast Du Recht. Aber mir fällt es schwer, eine Partei ernst zu nehmen, die von einem unfreiwilligen Humorerzeuger nun auf einen Bauchredner umsteigt. Bisher habe ich die FDP immerhin ernst genommen – wegen dem neoliberalen Bedrohungspotential, welches von einigen ihrer Mitglieder ausging. Und – das kann man ja auch mal zugeben – seltsamerweise hatte ich mit der Dresdner FDP manchmal mehr Übereinstimmungen als mit den Dresdner Grünen (und ich habe ja meine Wählerkarriere auch so links-grün begonnen).

    unernst gemeinter Teil: Deine Wünsche waren ganz einfach unrealistisch. Das sieht man schon bei Punkt 1:

    Bitte stellt die Energieversorgung auf 100% Atom um. Das Öl ist bald alle…

    Okay, das Öl ist bald alle. Aber Atom auch. Atome reichen nur noch für ca. 40 Jahre, dann sind alle Vorräte aufgebraucht.

  8. Micha(el) Winkler

    Witzige Abkürzung für Herrn Rößler … PR 🙂

    Naja, die FDP hat auch ein PR-Problem … das Krisenmanagement im Fall(en) von GW war mehr als katastrophal … jede Firma hätte da Jahre lang gebraucht, um da wieder auf die Beine zu kommen 😉

    Ansonsten ist die FDP natürlich wegen ihres Freiheitsgedanken immer irgendwie beliebt, das hat mich ja auch angesprochen. Doch letztlich läuft’s häufig auf „meine Freiheit“ und nicht Freiheit für alle hinaus. Das ist kein individualistisches Freiheitsbild, sondern ein egoistisches …
    Und wenn’s Geld vor den Werten kommt, wird’s eben neoliberal, obwohl das im Grunde weder „neo“ noch „liberal“ ist 😉 … naja, anderes Thema

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