Warum ich kein Problem mit unserem amtierenden OB habe

Dresden muss bekanntlich seit mehr als einem Monat schon wieder ohne seinen gewählten Oberbürgermeister zurechtkommen. Als ich zuerst von Frau Orosz‘ Pause erfuhr, dachte ich spontan: Kein Problem – wir sind ja aus der Rossberg-Epoche daran gewöhnt, dass eine Stadt auch ohne OB prima weiter funktioniert. Da der Anlass diesmal allerdings eine Krankheit ist, verbieten sich hier blöde Bemerkungen und Vergleiche.

Angenehm überrascht war ich jedenfalls, als mir klar wurde, wer die Vertretung ist: Dirk Hilbert von der FDP! Vor der letzten Wahl hätte ich nicht gedacht, dass ich mal so gegenüber einem FDP-Mitglied reagiere, zumal alles ganz anders anfing: Damals widmete ich unseren OB-Kandidaten einen Artikel und hatte darin für Hilbert nur Sarkasmus übrig: „Hat früher schon als Risiko-Manager bei der berühmten Cargolifter AG gearbeitet, was ihn so für mich schon einmal zum kompetentesten Kandidaten macht.“

Nebenbei: In diesem Text folgt als Nächstes eine – auch nicht ganz ironiefreie – Widmung für Michael Winkler. Hätte ich geahnt, dass der hier eines Tages mit liest und wir häufig tiefschürfende Diskussionen führen, dann wäre die Passage freilich viel lobhudelnder ausgefallen …

Dresden Fernsehen und die SZ produzierten dann gemeinsam eine Sendung „Kandidaten im Kreuzverhör“. In ihr wurden alle OB-Kandidaten in einer Diskussion vorgestellt (Michael fehlte als Einziger). Ich schrieb anschließend in einem Forum: „Ich habe mir jetzt wirklich alle 4 Teile komplett angesehen. Gott, war das deprimierend! Unsere kommende OBin glänzte durch Farblosigkeit und Unauffälligkeit, der einzige, der – aus meiner Sicht – einigermaßen kompetent wirkt, war ausgerechnet Hilbert (über den ich mich bisher gern lustig machte) und der einzige, der ehrlich wirkt ist Boltz. Vielleicht sollte man den wählen. Was die Jähnigen an manchen Stellen für eine Sch… erzählte! Und noch schlimmer: Lahmes. Will den Auswirkungen von Armut durch musikalische Früherziehung begegnen. Statt der Armut selbst entgegen wirken zu wollen. Sowas sagt einer von der (Ex?)Arbeiterpartei SPD. Sühl wirkt an einigen Stellen etwas überheblich, vor allem bei seiner Bemerkung zum Spitzensport. Ich muss dazu sagen, dass ich früher meist Grün gewählt habe, deshalb finde ich das alles so deprimierend.“

Hilbert war wirklich der Einzige, der damals irgendwie akzeptabel wirkte. Erstmalig im Leben FDP zu wählen – dazu konnte ich mich aber doch nicht durchringen, weshalb es auf Nichtwahl hinauslief (aber nur im ersten Wahlgang). Aber nun ist Hilbert stellvertretender OB und ich finde das ganz okay. Und selbst „auf der linken Seite des Stadtrates ruft das eine Art positives Erstaunen hervor“, wie man heute in der SZ lesen konnte.

Nachtrag, 30.3.11: Das geht zu weit! Jetzt beendet der Mann auch noch unseren schönen alten Streit: Hilbert stoppt vierspurige Königsbrücker

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