Lese-Empfehlung: Anleitung zum Geld-Drucken

Wer es schafft, solche Dinge wie „Ethik“ und „Skrupel“ hinter sich zu lassen, der kann in Deutschland wirklich verblüffend einfach reich werden – dank staatlicher Maßnahmen. Auszug aus dem Spiegel-Artikel „Die Hartz-Fabrik“:

„Im vergangenen April verurteilte das Amtsgericht Freiburg vier Mitglieder einer Betrügerbande zu Freiheits- und Geldstrafen. Die mehrfach vorbestraften Männer hatten vom Staat mehr als 20 000 Euro Provision für die angeblich erfolgreiche Arbeitsvermittlung von Hartz-IV-Empfängern kassiert, obwohl sie in Wahrheit keinem einzigen Langzeitarbeitslosen zu einer Stelle verholfen hatten.

Der Trick bestand darin, dass die Bande neben ihrer Vermittlungsfirma auch eine angebliche Leiharbeitsfirma betrieb. Das erste Scheinunternehmen vermittelte an das zweite und kassierte dafür eine Prämie von der Arbeitsagentur. Sobald das Geld da war, wurden die Betroffenen gefeuert.

Bemerkenswert an dem Fall war, dass die Behörden die Masche der Bande durchschaut hatten, aber wenig dagegen tun konnten. Formal war alles in Ordnung. Die vier Männer hatten ihre Frauen zu Geschäftsführerinnen ernannt, um die Wechselbeziehung zwischen ihren Unternehmen zu verschleiern.

Der Chef der Arbeitsagentur schäumte vor Wut, wenn ein frisch vermittelter Hartz-IV-Empfänger nach kurzer Zeit wieder bei ihm stand. Trotzdem war er jedes Mal verpflichtet, den selbsternannten Vermittlern eine Erfolgsprämie auszuzahlen. (…)“

Der Artikel beschreibt noch viele weitere Möglichkeiten, wie man bestens an Arbeitslosen reich werden kann (außer den Arbeitslosen selbst natürlich!). Einiges ist seit Jahren bekannt, einiges kann man sich selbst denken, vieles ist sehr verblüffend  – eine deprimierend gute Zusammenfassung. Interessant ist auch, welche unserer Parteien so etwas noch forciert. Es ist eine Partei, die offiziell gegen zu viele staatliche Reglementierungen ist …

(Gefunden über die Dresdner Initiative Grundeinkommen)

Ein Kommentar:

  1. Danke für den Artikel, Frank und den Link …

    Alles in allem kann ich das aus eigener Erfahrung bestätigen. Es ist ähnlich wie mit der Entwicklungshilfe in sog. Entwicklungsländer 🙂
    Und man kann sich des EIndrucks nicht erwehren, dass dies alles – wenn schon nicht beabsichtigt – zumindest geduldet wird, weil es vielen nützt. Dem helfenden, sich aufopfernden Staat, der ebenso handelnden Industrie, den Armen und Ärmsten … und die restlichen Bürger können sich glücklich schätzen, etwas für die soziale Gerechtigkeit im Lande zu tun … was für ein Possenspiel 🙂

    Nun, was tun?

    Die Regierungen – ganz gleich welcher Partei – stehen vor einem selbst geschaffenen Problem: sie „müssen“ etwas tun.
    Dabei wäre mitunter gar nichts tun und die Leute einfach in Ruhe lassen, die einfachste Methode. Vom ALG-II-Satz wird niemand reich und wie er oder sie sich damit durchs Leben schlägt, ist eine Frage, die dann genau so steht, wie jetzt auch … nur ohne Druck von außen.
    Die Allermeisten wollen gar nicht auf ALG-II-Niveau bleiben. Der „Druck von innen“ reicht vollkommen aus, um sich zu bewegen.
    Diese ewige Mär von der sog. „sozialen Hängematte“, die benutzt wird um das Stigmata zu erschaffen bzw. aufrecht zu erhalten, trifft letztlich die 90%, die durchaus vom ALG wegwollen. Ich habe das immer wieder gehört und gesehen … und selbst erlebt.

    Letztlich wird es natürlich auch benutzt, um in manchen Branchen die Löhne weiter zu drücken bzw. niedrig zu halten – wenn auch vielleicht unbewusst. Ich nehme das keinem AN übel, so lange sich Leute finden lassen, die es mitmachen … was soll er da machen? 😉
    Alles in allem wird die Gesellschaft umgebaut 🙂

    Ich sagte gestern erst zu einem Bekannten, dass man vielleicht in fünf oder zehn Jahren mal auf diesen ganzen Zirkus zurückschauen wird und nur noch mit dem Kopf schütteln kann 🙂 … naja, vielleicht war’s ne „wishful-thinking“-Schätzung mit den fünf bis zehn Jahren 😉

    Zum Tafel-System – die u.a. von McKinsey beraten wurden/werden 😉 – gibt es übrigens einige interessante Artikel bei Heise/Telepolis, u.a.
    Es ist angerichtet: Tafeln in Deutschland, 2009
    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/30/30562/1.html

    …die im Dunkeln sieht man nicht, 2005
    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/20/20576/1.html
    (insbesondere letzterer war für mich sehr lesenswert)

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