Busfahren 2.0

Heute wieder erlebt: Der Bus steht an der Haltestelle, ein letzter Fahrgast kommt noch angerannt, Busfahrer wartet, der Fahrgast schafft es noch, Türen schließen sich. „Danke sagen können die heute auch nicht mehr“, murmelt eine in meiner Nähe sitzende Frau vorwurfsvoll, während der Fahrgast wortlos zum nächsten Sitz geht und sein Handy zückt.

Da hat die Frau aber lediglich keine Ahnung! Denn das ist heute nicht mehr notwendig, es wird längst anders erledigt: In allen Bussen wurde die Elektronik entsprechend angepasst, so dass die Fahrer permanent bei Facebook angemeldet sind. Und sobald eine der Türen länger offen bleibt als die anderen, wird dort automatisch unter

eine entsprechende Meldung abgesetzt. Da man weiterhin allmählich voraussetzen kann, dass inzwischen jeder normale Mensch ein Smartphone mit Facebook-App besitzt, braucht der noch mitgenommene Fahrgast einfach nur noch bei

auf „gefällt mir“ zu klicken. Leute, die immer noch ein antiquiertes „Dankäh!“ durch den Bus brüllen, outen sich ewig-gestrige Technik-Analphabeten. Nachvollziehbar ist insofern, wenn Menschen ohne Handy trotzdem auf Dankesrufe verzichten: Einfach um sich peinlich berührte Blicke der Mitfahrenden zu ersparen. (Ich klicke deshalb jeden Abend pauschal bei irgendwelchen Fahrern auf „Gefällt mir“).

Besonders begeisterte Fahrgäste gingen übrigens bald nach Einführung dieses Systems dazu über, dem Fahrer sogar mit Freundschaftsanfragen zu danken. Das erklärt sicher auch den aktuellen – für Außenstehende unverständlichen – Run junger Menschen auf eine Ausbildung zum Busfahrer: Seitdem nicht mehr der Autotyp über den sozialen Status entscheidet, sondern die Anzahl der Facebook-Freunde … ein klares Entscheidungskriterium!

Wer jetzt spitzfindig fragt, „Und wie soll man herausfinden, wer der richtige Fahrer ist?“, outet sich übrigens ebenfalls als technischer Versager: Dank Facebook Places weiß man doch immer, wo sich Andere befinden und wer gerade in der Nähe ist!

7 Kommentare:

  1. Interessante Idee. Dem Vernehmen nach betreiben die Verkehrsbetriebe ja schon eine Facebook-Seite. Also müsste man die Busse nur noch mit Smartphones ausrüsten. Die Position der Busse an den einzelnen Haltestellen kann automatisch abgefragt werden. Aber das muss nicht auf Facebook beschränkt bleiben. Die Fahrer könnten dann z.B. auch interessante Beobachtungen aus dem Stau twittern.

  2. Ich sehe, die Idee ist ausbaufähig. Irgendetwas mit der Facebook-Gesichtserkennung lässt sich bestimmt auch noch anwenden (Schwarzfahrer-Erkennung?).

  3. über was redet ihr da……frage ich mal als ewig gestriger ?!

    grussi…..

  4. Und dann bauen wir das System auf die Klofrauen aus… 🙂

    Wietere interessante Berufsgruppen: Prostituierte, Polizisten Fahrkartenkontrolleure…

  5. Da habe ich ja wieder eine Lawine an Ideenfindung losgetreten …

  6. @jensi: Das ist so’n neumodisches Zeug, was irgendwie mit diesem sogenannten elektrischen Strom funktioniert!

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