Hochwasser-Video

Zwei Dinge konnte ich heute miteinander verbinden:

1. Seit Wochen wollte ich schon eine Canon EOS 500D, die mir beruflich zur Verfügung steht, auf ihre Videotauglichkeit testen.

2. Seit Tagen kommen hier wieder Suchanfragen wie „Bilder Hochwasser“ – ich hatte aber wenig Lust, schon wieder zu fotografieren.

Deshalb gibt es heute zur Abwechslung ein kurzes Filmchen (2 min). Es ist keine ausgetüftelte filmische Meisterleistung, sondern nur ein relativ schnell erstellter Zusammenschnitt von kurzen Sequenzen rings um das Blaue Wunder.

So sahen die Dreharbeiten aus:

(Klick vergrößert)

Und – bin ich durch diesen Test nun auch ein Verfechter der Methode geworden, alles nur noch mit Fotoapparaten zu filmen? Manche Kameraleute sollen ja tatsächlich bereits dazu übergegangen sein.

Nein, meine Begeisterung hält sich in Grenzen (wobei es natürlich sein kann, dass ein aktuelleres Kamera-Modell doch zum aha-Effekt geführt hätte). Einerseits hat so eine DSLR schon Vorteile. Der aus meiner Sicht wichtigste: Man kann so verschiedenste Objektive nehmen und z.B. richtige Weitwinkelaufnahmen erhalten. Das gibt es bei bezahlbaren Videokameras praktisch nicht. Man kann besser mit Unschärfe arbeiten, die großen Pixelflächen bringen mehr Empfindlichkeit und Dynamik (was man bei den vorliegenden Aufnahmen aber nicht sieht) …

Aber die Handhabung fand ich ziemlich umständlich. Im Filmmodus kann man den optischen Sucher nicht nutzen (weil der Spiegel hoch geklappt ist). Man müsste also immer vorher fokussieren oder (da man die Schärfe auf dem Display nicht so gut beurteilen kann) den Autofokus zum Scharfstellen nehmen. Der wiederum brauchte manchmal ewig (selbst bei kontrastreichen anvisierten Details), ehe er fertig wurde. Und sämtliche Funktionen (ISO, Blende, Belichtungszeit) werden bei dieser Kamera im Filmmodus nur automatisch gewählt. Die unkontrollierbare Belichtungszeit dürfte wohl der Grund sein, warum die Schwenks teilweise so ruckelig* aussehen: Dort war sie garantiert zu kurz. Was auch völlig fehlt, ist die Möglichkeit einer sauberen Zoomfahrt. Freilich soll man nicht dauernd zoomen, aber gelegentlich passt eine solche durchaus. Und das ist mit Foto-Optiken grundsätzlich nicht möglich. Außerdem ist die Bildrate bei fast allen DSLRs nicht fernsehkompatibel: Die Canon EOS 500D macht nur 30f/s (bei 720p Auflösung) und völlig unbrauchbare 20f/s (bei 1080p). Da ich privat mit Nikon fotografiere, sah ich mir kürzlich die Daten der aktuellen D7000 an, die videomäßig momentan das beste Modell dieser Firma ist: Diese filmt anscheinend ausschließlich mit 24f/s, was eigentlich nur Sinn hat, wenn man Aufnahmen für Kinofilme benötigt. In unserem Fernsehsystem sind aber 25 Bilder pro Sekunde üblich. Gut – wenn man es nur bei Youtube oder Vimeo einstellt, ist es ohnehin egal – dort wird alles genommen. Und neu berechnet.

(* Kann aber auch daran liegen, dass ich einen neuen Stativkopf verwendete, an dessen Handhabung ich mich noch nicht gewöhnt hatte)

Eine Videokamera führt man einfach anders. Es gibt schon Gründe, warum professionelle Video- und Filmkameras ganz anders gebaut sind als Fotoapparate. Als Kompromiss finde ich solche Fotoapparate sehr interessant, für bestimmte Spezialaufgaben auch. Aber einen richtigen Ersatz für echte Videokameras sehe ich in videofähigen DSLRs momentan nicht.

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