Lars Lindemann (FDP) beseitigt Ärztemangel auf dem Land

Manchmal habe ich den Verdacht, in unseren jeweiligen Regierungsparteien geht jeden Monat ein Rundschreiben um: „Liebe Parteimitglieder! Denkt Euch mal bitte wieder irgendeine schwachsinnige Idee aus. Je unsinniger, desto besser. Es winken wie üblich tolle Preise!“

Warum? Na ganz einfach: Dann sind wir als Volk wieder schwer beschäftigt, uns darüber aufzuregen und zu diskutieren. Und man kann als Regierung in Ruhe andere Dinge durchwinken. Auf diese sollte man also stets achten, wenn wieder jemand mit einer neuen seltsamen Idee kommt. Vor diesem Hintergrund wird möglicherweise nachvollziehbar, warum Lars Lindemann (FDP) mit dem Vorschlag kam, Patienten sollen ihren Arzt in Regionen mit zu wenig Medizinern zunächst  selbst bezahlen. Das, so erklärte er, „soll es für Ärzte attraktiver machen, in die immer zahlreicheren Gebiete mit Ärztemangel zu gehen“. (1)

Eigentlich könnte man das an der Stelle abhaken und lieber erforschen, ob gleichzeitig wichtigere Dinge ablaufen? Aber gehen wir das Thema mal durch: Inwiefern es für einen Arzt attraktiver werden könnte, aufs Land umzusiedeln, nur weil das dort eingenommene Geld nun aus einer anderen Quelle stammt (Patient statt Krankenkasse), ist nicht ganz nachvollziehbar. Die Höhe des eingenommenen Betrages müsste ja gleich bleiben.

Aber Moment … Herr Lindemann erklärt es: „Die Ärzte in solchen Regionen könnten dann mehr verdienen, weil bestehende Obergrenzen für Behandlungen und Bezahlung durch die Kassen entfielen.“ Ach so! Diese lästigen Obergrenzen. Die würde man als Patient natürlich gern überschreiten, weil man – als normaler Bürger, der im sonstigen Leben immer überall Preise vergleicht – beim Arztbesuch selbstverständlich nach dem Motto „was kostet die Welt“ handelt.

„Für die Versicherten halte ich das für zumutbar. Die Patienten bekommen die Kosten dann zu 100 Prozent von ihrer Krankenkasse zurück.“ Wie jetzt? Der Patient bekommt das ausgelegte Geld von der Kasse 100%ig zurück? Auch wenn entsprechende Obergrenzen überschritten werden? Oder bekommt er nur den Betrag bis zu dieser Obergrenze? Selbst wenn es aufgrund einer Sonderregelung so wäre, dass die Kasse alles zurück zahlen müsste: Dann würden sich die Krankenkassen bald etwas Entgegenwirkendes einfallen lassen, wenn diese Methode flächendeckend eingeführt würde. Man legt ja schließlich nicht erst eine Sparmaßnahme „Kostenobergrenze“ fest, um sie sich nachher aushebeln zu lassen.

Dass die Einführung der Methode „Krankenkasse“ ein Fortschritt war, weil man dadurch nicht mehr vor jedem Arztbesuch nachdenken musste: „Kann ich mir das leisten?“, könnte Herrn Lindemann auch einmal jemand sagen. Seine Idee ist aus meiner Sicht totaler Unsinn! Als Patient würde man sich im Gegenteil bei jedem möglichen Arztbesuch und jeder Behandlungsmaßnahme überlegen, ob das wirklich sein muss. Die Folge könnten so sogar weniger Arztbesuche sein.

Was wäre denn wirklich der Nutzen einer solchen Idee? Ganz einfach: Bürokratieverlagerung vom Arzt auf den Patienten. Da fällt es schwer, nicht schon wieder Lobbyarbeit zu vermuten.

Quelle:

(1) SZ-online, 09.01.11: FDP-Experte will Selbstzahlpflicht für Patienten

7 Kommentare:

  1. Du hast vollkommen recht, es ist SCHWACHSINN. Man könnte jetzt eine recht lange Abhandlung darüber schreiben, warum das so ist und in der Form nicht geht und auch nicht gehen wird. Man ist ja von unseren Politikern gewöhnt, das sie sich zu Dingen äußern, von denen sie keine fachliche Ahnung haben. Manchmal ist es besser nach diesem Motte zu verfahren: „BEI DINGEN; VON DENEN MAN KEINE AHNUNG HAT – EINFACH MAL DIE KLAPPE HALTEN! „

  2. Ich hab’s noch nicht ganz verstanden, was der Herr Lindemann da will – vielleicht spricht er auch so in Rätsel wie der Rammstein-Lindemann 😉 …

    Oder ist es ein Übermittlungsproblem durch die Medien?

    Auch aus seiner Internetpräsenz zu diesem Thema bin ich nicht ganz schlau geworden: http://www.lars-lindemann.info/

  3. Ja, die Decodierung seines Textes ist tatsächlich eine Herausforderung! Aber man muss auch anerkennen, dass es eine Leistung ist, so viele bedeutungsschwangere Zeilen ohne jegliche Aussage verfassen zu können. Ich habe immerhin als Fazit verstanden, dass die Herren Sommer und Bsirske irgendwie doof sind …

  4. Es lohnt sich eigentlich nicht Ihnen auf Ihre wirklich zu bedauernden Artikel zu antworten, Sie sollten sich aber wenn Sie schon Dinge veröffentlichen um etwas mehr Sachkenntnis bemühen, jeder der das System ein wenig versteht hält Ihre Sätze für ziemlichen Dünnsinn.

  5. Ich habe lediglich versucht, Ihren Vorschlag mit etwas Logik anzugehen. Wenn mir dabei ein Denkfehler untergekommen wäre – warum erklären Sie Ihn nicht? Auf Ihrer Internetseite habe ich auch keine schlüssige Erklärung gefunden, wieso diese Lösung gegen Ärztemangel funktionieren könne …

    Ich habe vor dem Schreiben des Artikels sogar gesucht, ob es noch irgendwo anders besser erklärt wird. (Ich bin immer bereit, auch mal umzudenken). Gefunden habe ich allerdings ausschließlich Kritik.

  6. Die Leute auf dem Land warten wohl auf Ärzte, aber nicht auf Vorkasse und nach oben offene Obergrenze.

    Zudem fehlt Ihnen hier meist das nötige Geld.

    Es sollte eine Umverteilung von den hohen Einnahmen der Ärzte durch die Privaten in Ballungszentren an die Ärzte auf dem Land erfolgen (z.Bsp.)

  7. Jeder der das System kennt, weiss dass die FDP Klientelpolitik betreibt- das heisst den Ärzten vor der Wahl mehr Geld zu versprechen. So kam es zu Aufrufen in der Ärzteschaft von berufspolitischen Führern die FDP zu wählen. Die Enttäuschung ist groß, da die FDP diese Versprechen nicht einlösen kann.
    Höhere Einnahmen der Ärzte durch Wegfall der Begrenzung nach oben funktioniert auf dem LAnd nicht, ohne dass die Ärzte sich völlig unbeliebt machen und dieses politische Verwaltungsdefizit selber auslöffeln sollen.
    Auf Dauer wird die FDP somit dem PAtienten wie auch den Ärzten schaden!!!!

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