Sprachliche Entgleisungen: Etwas „andenken“

Mit der Bemerkung, er hätte etwas angedacht, sorgte in meinem Tagesverlauf jemand für missbilligende Blicke bei den Umstehenden. Denn diese hatten irgendwann von jemandem aufgeschnappt, man könne nichts andenken. Entweder man denkt oder man denkt nicht, aber man denkt jedenfalls nicht an – so in der Art muss die Beweisführung gehen.

Und das halte ich für Unfug. Selbstverständlich kann man etwas andenken! Nämlich dann, wenn man sich nur einige erste grobe Gedanken zu einem Thema macht. Wenn man es dann gedanklich weiter ausarbeitet, also weiterdenkt, dann denkt man es möglicherweise eines Tages sogar zu Ende. Dazwischen gibt es einen großen Unterschied. Warum sollte man den nicht sprachlich unterscheiden dürfen? Immerhin sagt man ja gelegentlich auch, eine Sache sei nicht zu Ende gedacht –  da wird ja auch ein Denkfortschritts-Zustand beschrieben.

Genauso unterscheidet man übrigens auch, wenn man über etwas spricht: Man kann ein Thema ansprechen. Über das Wort regt sich auch niemand auf. Wenn jemand ein Thema nur grundsätzlich erwähnt oder nur erste Überlegungen dazu äußert, spricht er es nur an. Am Ende der Kette steht dann ausdiskutiert*.

Ich hatte keine Zeit, mit denjenigen darüber zu diskutieren. Aber bei künftigen Gesprächen mit ihnen werde ich – schon aus Spaß – demnächst öfter mal erwähnen werde, ich hätte da eine Sache angedacht …

 

(* In Parlamenten bekanntlich ein Fremdwort!)

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