Wem nutzt Wikileaks?

„Wikileaks hat eine Liste mit Objekten weltweit ins Netz gestellt, die als wichtig für die nationale Sicherheit der USA erachtet werden“ (1) – bei dieser gestrigen Meldung fragte ich mich, ob an der Meinung Andreas von Rétyis (2) nicht doch etwas dran sein könne*? Sein Grundgedanke: Letztlich nutzen diese Wikileaks-Veröffentlichungen der US-Regierung selbst am meisten. Kürzlich kam z.B. erst über Wikileaks heraus, dass der Iran angeblich tatsächlich an Massenvernichtungswaffen arbeitet, was bislang von Vielen angezweifelt wurde. Nun steht es aber sogar bei Wikileaks, die ja bekanntlich die Seite des Guten verkörpern. Also scheint wohl doch etwas an dem Verdacht gegenüber dem Iran zu sein? Wem nutzt eine solche Information, die so ganz nebenbei, versteckt unter vielen Belanglosigkeiten daherkam? Und wem nutzt nun eine Information über mögliche Terrorziele? Uns Normalbürgern vermittelt das: Die künstlich verbreitete Terror-Hysterie und der viel kritisierte Anti-Terrorkampf der USA in Afghanistan, im Irak und in weiteren möglichen Ländern sind offensichtlich berechtigt.

Da stellt sich wieder die berühmte Frage: Qui bono?

(* Es wurde beim Kopp-Verlag veröffentlicht, wo auch jede Menge Schwachsinn geäußert wird. Was aber nicht ausschließt, dass nicht doch mal einer der Autoren Recht haben könnte. Auf jeden Fall muss man dort immer etwas mitdenken, aber das sollte man anderswo auch.)

Quellen:

1 – SZ-online: „Eine Liste mit möglichen Terrorzielen“

2 – KOPP online: Andreas von Rétyi – „WikiLeaks: Neueste Enthüllungen zu einem doppelt, dreifach und mehrfach falschen Spiel?“

Ebenfalls interessant:

Spiegelfechter: Willkommen im Informationskrieg (Nachtrag 2014: nicht mehr online)

Telepolis: US-Regierung listet die für das nationale Interesse kritische Infrastruktur im Ausland auf

4 Kommentare:

  1. Da ich prinzipiell für Transparenz bin, finde ich Wiki-Leaks gut. Weitweniger was darüber alles veröffentlicht wurde und wird, sondern die Reaktionen darauf.
    Die meisten Dinge erahnte man ja bereits, dass Krieg schmutzig ist, Folter an der Tagesordnung usw. usf. … das Politiker auch nur Menschen sind und sich gegenseitig nicht immer so mögen wie es das Fernsehbild vielleicht vermittelt.

    Ich meine letztlich holt Wiki-Leaks die Sache wieder auf eine „ganz normale Ebene“.

    Wiki-Leaks ist doch letztlich nichts anderes als eine globale BILD-Zeitung, nur mit mehr Politik und etwas weniger T***en 🙂
    Ansonsten haste doch auch alles dabei … ob es nun wahr ist oder nicht, weißt du genausowenig wie vorher. Einiges ist jedoch wahrscheinlicher.

    Ich glaube auch nicht, dass es unbedingt darum geht, wem WikiLeaks mehr nützt, da gibt es viele Profiteure, sondern darum wer Angst vor WikiLeaks hat … daran erkenne ich – im Umkehrschlsus – wer am meisten zu verbergen hat.

    Und Iran … na klar, arbeitet der Iran an Nuklearwaffen … so wie das Pakistan und Indien und Frankreich und Israel usw. auch getan haben 🙂 … warum denn auch nicht?
    Wäre genauso absurd zu verlangen, dass die Inder oder Iraner – pro Kopf – nicht so viel Autos haben sollen wie die Amerikaner oder Deutschen.
    Dass ich in der globalen Aufrüstung keine Lösung der Probleme sehe, ist eine andere Frage … läuft eben letzten Endes wieder auf ein „Totrüsten“ hinaus.

  2. An dem Vergleich mit der globalen BILD ist schon was dran. Möglicherweise gibt’s auch gar keine geheime Verschwörung hinter WL, sondern alles ist tatsächlich derart banal. Vielleicht sollte man WL nur als Geschäftsmodell betrachten, von dem man über Spenden ganz gut leben kann. Angenommen, das ist so – dann bleibt immer noch folgender Kritikpunkt:

    Es gibt das Sprichwort: „Der Dumme sagt, was er weiß. Der Kluge weiß, was er sagt.“ An das Verhalten des Dummen erinnert mich das Verhalten von WL (also letztlich wahrscheinlich Assanges). Intelligent wäre meines Erachtens, sich aus vorliegenden Informationen die wirklich wichtigen Dinge herauszupicken und in den Vordergrund zu stellen (so wie das Video mit dem Hubschrauberangriff auf Zivilisten). WL wirft aber komplette Info-Pakete raus – egal was darin eigentlich enthalten ist. Und dann findet sich unterhaltsames Merkel- & Westerwelle-Bashing neben Dingen, die Einfluss auf die Weltpolitik nehmen können (siehe Iran). Leider nicht unbedingt positiven Einfluss.

    Übrigens finde ich es gar nicht so klar, dass der Iran an A-Waffen arbeitet*. Es gibt keinen einzigen Beweis dafür. Und insofern sind diese WL-Behauptungen unter dieser „Wem nutzt es?“-Betrachtung schon interessant.

    (* Das Gegenteil kann ich freilich ebenfalls nicht beweisen.)

  3. @ WL

    Ich sehe primär den Transparenz-Aspekt, weniger das Geschäftsmodell. Mag naiv sein … wenn ja, dann ist es eben eine weitere Illusion für mich 🙂

    Wikileaks sagt ja nichts, siondern veröffentlicht nur.

    Letztlich ist Wikileaks keine Zeitung, die puntkuell Dinge veröffentlicht (ist auch möglich, kann ich nicht 100% einschätzen, ob da Dinge auch zurückgehalten werden), sondern eine Art Presseagentur … so wie die DPA, nur das hier Daten zur Verfügung stehen, die offenbar ohne Bewertung und Korrektur etc. veröffentlicht werden. Also ne Art Statistisches Bundesamt vermischt mit Presseagentur. Ob die Daten stimmen oder nicht, weiß keiner.

    Ich meine, clevere Strategen würden eine Meldung verögffentlichen, dass einige Daten auf Wikileaks scheinbar nicht stimmen können. Man lässt offen welche und „die Masse“ stellt vermutlich alles in Frage …
    Doch offenbar haben einige Dinge ins Mark getroffen und das werte ich als fortschrittlich.
    Es ist nix Neues im Prinzip, sondern nur Dinge, die schon Jahre lang so liefen.

    Transparenz ist nunmal nicht immer schön oder sinnvoll, sondern kann viel sein … und wie gesagt, die meisten Dinge ahnten viele Menschen wahrscheinlich schon.

    @ Iran & Atomwaffen
    Ähm, naja, also ich würd’s mal so sehen bzw. andersherum fragen: Wenn die Iraner teilweise gute Beziehungen zu Russland haben, warum sollte man sich da nicht beim Bau einer Atomwaffe unter die Arme greifen? Zudem: was Nordkorea scheinbar kann, kann Iran auch.

    Und selbst wenn es nicht stimmen sollte … die USA haben in jedem Fall Atomwaffen und ich halte Atomwaffen in US-Händen für nicht weniger schwierig als (auch) in iranischen Händen.

    Insofern läuft’s für mich auf’s selbe hinaus … Atomwaffen dienen der Abschreckung, nicht primär dem Einsatz … und bisher gab es nur einen Staat, der das anders sah 😉 … okay, war natürlich auch eine Art Ersterfahrung, zugegebenermaßen.

  4. Ich sehe primär den Transparenz-Aspekt … Wikileaks sagt ja nichts, sondern veröffentlicht nur. … Ob die Daten stimmen oder nicht, weiß keiner.

    Grundsätzlich finde ich Transparenz auch gut. Und wenn einige Leute nun ins Schwitzen kommen, ist das auch gut. Ich finde den Ansatz von WL auch nicht falsch. Aber – wie schon gesagt – ich halte es nicht gerade für überlegtes Handeln im Sinne von Transparenz, einfach ungefiltert alles, was einem so in die Hände fällt, zu veröffentlichen. Es könnten ja auch die eigenen Kontodaten mit dabei sein 😉

    Übrigens, hier mal noch ein paar Argumente pro Assange: Die »vergewaltigte« Ana A. und ihre Kontakte zur CIA und Kontra, was meine Ansicht stützt »WikiLeaks« – eine gefährliche Schwindeloperation der US-Regierung (jaja … die Seriosität dieser website …)

    @ Iran & Atomwaffen … Wenn die Iraner teilweise gute Beziehungen zu Russland haben, warum sollte man sich da nicht beim Bau einer Atomwaffe unter die Arme greifen? … die USA haben in jedem Fall Atomwaffen und ich halte Atomwaffen in US-Händen für nicht weniger schwierig als (auch) in iranischen Händen.

    Selbstverständlich darf (und sollte) man bei allen Staaten den Verdacht hegen, dass auch sie A-Waffen entwickeln könnten. Beim Iran haben zwar US-Geheimdienste diese Gefahr selbst vor Jahren schon relativiert (klick
    ), aber selbstverständlich ist das keine Garantie, dass der Iran nicht doch etwas entwickeln könnte. Aber es gibt momentan einfach keine Beweise dafür. Das Szenario ähnelt einfach zu sehr den angeblichen Massenvernichtungswaffen im Irak, wo man ja bis heute auch nicht allzu viele gefunden hat (nämlich keine).

    Paradoxerweise sind ausgerechnet die USA mit ihrer Kriegstreiberei selbst schuld, wenn andere Staaten die Entwicklung von A-Waffen forcieren. Das wurde ja beim Kriegsbeginn im Irak deutlich. Begründung war: Dort gibt es einen Diktator, der Massenvernichtungswaffen entwickelt. Manche Kritiker fragten, warum man dann nicht Nordkorea angreift, wo es ebenfalls einen Diktator gibt, der sogar zugibt, solche Waffen bereits entwickelt zu haben? Eine Antwort auf die Frage war: Weil Nordkorea eben (zumindest angeblich) A-Waffen hat. Dieses Land könnte sich wehren. Aus dieser Logik heraus könnte der Iran durch die Anti-Iran-Politik der USA nun regelrecht dazu gezwungen sein, tatsächlich A-Waffen zu entwickeln. Weil das das einzige Schutzmittel gegen einen Angriff wäre.

    Übrigens gebe ich Dir Recht: A-Waffen in den USA sind nicht ungefährlicher als beispielsweise solche in Pakistan oder anderswo.

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