Fernsehtipp für heute Abend

Wer eine Fernsehzeitung aufschlägt, kennt den Effekt: Etwa 20* Programme des Öffentlich-Rechtlichen Fernsehens stehen täglich zur Auswahl. Man schaut nach, ob irgend etwas Sehenswertes kommt und stellt fest: Nein, auch heute wieder nichts. Wie jetzt – wirklich gar nichts? Hat man vielleicht irgendeine möglicherweise doch interessante Reportage übersehen? Nein, tatsächlich – auch beim zweiten Suchen ist einfach nichts zu finden. 20 Sender nehmen täglich ihren gesetzlichen Grundversorgungsauftrag wahr und senden … ja, was senden die eigentlich? Dinge, die zumindest kaum Wissenswertes vermitteln. Ein kompletter Ausfall aller Sender würde an den meisten Tagen kaum zur geistigen Verarmung der Bürger führen. Über die Privatsender muss man in der Beziehung nicht weiter reden.

Heute scheint mal wieder ein Ausnahme-Tag zu sein, denn es kommt eine Sendung mit Inhalt. Wie es sich gehört, natürlich zu einer Zeit, bei der normale Zuschauer schon im Bett liegen. Es sind sogar Wiederholungen geplant, aber auch diese kommen ordnungsgemäß zu Zeiten, bei denen man üblicherweise nicht fern sieht. Da ich nicht weiß, ob es nachher in der ARD-Mediathek erscheint, hier also der Hinweis:

„Frisch auf den Müll – Die globale Lebensmittelverschwendung“

Ein Film von Valentin Thurn

Sendetermine:

  • Erstsendung in der ARD am 20. Oktober 2010, 23.30 Uhr.
  • Die Kurzfassung (29 Minuten) läuft im WDR-Fernsehen unter dem Titel „Essen im Eimer“ am 25. Oktober 2010 um 7.50 Uhr und im NDR-Fernsehen in der Nacht vom 26. auf den 27. Oktober um 0.35 Uhr.

(* Ich gehe von digitalem SAT-Empfang aus)

24 Kommentare:

  1. Gut, dass Fernsehtipps offenbar auch telepathisch weitergeleitet werden 😉 … hab den Beitrag zu 90% gesehen und nach dem Film „We feed the World“ war es eine gute Zusammenfassung der ganzen Problematik, mit dem Zusatz, was man denn auch tun kann, z.B. „Containern“ – im Beitrag als „Containertaucher“ beschrieben.
    Das hat mich an ein Video eines Freundes erinnert – http://www.youtube.com/watch?v=4IjiZQ-Rqwk

    Der Protagonist dieses YouTube-Clips erzählte mir einige Monate später – ähnlich wie die Göttingerin im Fernsehbeitrag – von besonders starken Erlebnissen; bei ihm war das – nach einigen Container-Touren – das Finden von nagelneuen Jeanshosen bei PLUS (heute netto). Bei Lebensmittel tut’s schon sehr weh mitunter, doch wer wirft denn neue Hosen weg?

    Für mich war der Fall der französisch-kamerunischen (Ex-)Tafelmitarbeiterin am einprägendsten. Völlig nachvollziehbar konnte sie es jeden Tag kaum aushalten, was Menschen da an Lebensmittel wegschmeißen; aus eigener Erfahrung, von ihren Landsleuten usw. … und irgendwann hat offenbar die Einhaltung der Tafel-Richtlinie („Nichts für den Eigenbedarf mitnehmen“) beim Chef gesiegt.
    Naja, ist zwar traurig, doch ebenso gut zu sehen, dass Menschen solche Richtlinien hinterfragen und sich dennoch auf den gesunden Menschenverstand verlassen. Zumal die Tafelbewegung auch eine riesige Industrie, u.a. von Unternehmensberatern wie McKinsey „durchgestylt“, ist – http://www.heise.de/tp/r4/artikel/20/20576/1.html

    Ich wollt auch mal containern, doch in Dresden ist das eher ein Abenteuer und nicht wie im Fernsehbeitrag – mal eben so mit dem Handwagen am Supermarkt vorbeifahren … hier sind die Mülltonnen abgesperrt, teilweise mit Schlössern verriegelt und zudem – was ich nicht 100pro weiß – auch bewacht. Letzteres weiß ich nicht genau, da ich mich nicht erinnere, ob o.g. Containier aus Dresden von Passanten oder vom Wachschutz mal „erwischt“ wurde. Seine Erzählungen liegen zwei Jahre zurück …
    Hmm, im journalistischen Sinne könnte ich ihn ja mal fragen, ob er mich mal auf ne Container-Tour mitnimmt 🙂

  2. Lebensmittelverschwendung und GEZ

    Das können Sie natürlich mit Recht kritisieren. Es ist nun mal die Kehrseite der Medaille, welche gewolltes Überangebot und Lebensmittelgesetze bzgl. Verfallsdatum heißt. Ich habe 1946/47 Hunger kennengelernt und finde das alles auch nicht gut. Persönlich kann ich mich dem nur etwas entziehen durch sinnvolles Wirtschaften, und trotzdem landen auch bei mir bestimmt noch 5% der Lebensmittel im Müll.
    Schlimm finde ich noch etwas anderes. Sie erwähnten die ca. 20 öffentlich-rechtlichen Sender. Für die und eine Unzahl Radiosender zahle ich 17,98€/Monat. Bei ca. 40Mio Haushalten in D kommen da ca. 700Mio€/Monat zusammen. Damit werden u.a. sinnlos Krimiserien am Band produziert – ABM´s für mittelmäßige Schauspieler. Am Montag laufen zeitgleich zwei Serien auf ARD und ZDF. Und dieselben Schauspieler erklären mir dann noch in diversen Gesprächsrunden, wie die Welt nach ihren linken Vorstellungen zu funktionieren hat.
    Ich schätze die Arbeit der Dritten wie MDR, BR und NDR, aber irgendwie wäre es angebracht, die deutsche Welt der ö-r Sender mal zu lüften. Soviel zwangsbezahltes Senden braucht kein Mensch.

  3. Hallo Frank,
    bitte korrigieren Sie :
    Statt wandern muß es richtig heißen : Landen im Müll.

    Danke und Gruß

    M.

    PS : Können Sie mir bitte mal die Zitierfunktion erklären?

  4. Seitdem die Dritten nicht mehr nur regional, sondern per Sat in ganz Deutschland empfangbar sind, ist es schon fragwürdig, warum man immer noch so viele angeblich regionale Sender braucht. Zumal sie in den Abendstunden häufig genug dieselben (überflüssigen) Talkshows senden. Naja – es hängen Arbeitsplätze dran.

    Zitate kann man auf fast allen Blogs mit dem html-Tag „blockquote“ einfügen. Teilweise geht auch „cite“, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass ersteres fast überall funktioniert. In manchen Blogs wird die Möglichkeit der Nutzung von html auch mit angezeigt – bei dem von mir ausgewählten Design war es leider nicht mit enthalten. Konkret sähe das also folgendermaßen aus:

    Das musste ich als Grafik einfügen, damit es so zu sehen ist. Als Text eingefügt, sieht es dann (bei mir) so aus:

    zu zitierender Text

    Genauso kann man mit dem html-Tag „em“ etwas hervorheben, was dann je nach Gestaltung („Stylesheet“) des Blogs meist kursiven Text, manchmal aber auch Fettschrift ergibt.

  5. Ach, du meine Nase! Paul von der Brache, der das „Paradies-Experiment“ filmisch begleitet hat … nee, tut mir leid. Zehn Minuten Paul halte ich nicht aus. Bei mir hat sich schon bei so einigen Werken Pauls der Effekt des Fremdschämens eingestellt, aber lassen wir das …

    Diese Sache mit dem „Containern“ ist aber nicht die Lösung. Wichtig wäre ja bei allen Problemen, allgemein brauchbare Lösungen zu finden, die möglichst viele Menschen nutzen können. So gut wie das „Containern“ gemeint ist – es bleibt eine Sache für wenige Enthusiasten oder auch für Leute, die einen gewissen Kick brauchen. Ich will das damit aber nicht schlecht reden – es ist ja schon ein Irrsinn, was im Müll landet. Die Nahrungsmittel, die das Paar im Film da heraus geholt hatte, hätten wir früher in der DDR begeistert gekauft.

    Übrigens kam auch heute schon wieder ein wirklich wichtiger Film, diesmal (wie so häufig) auf ARTE: „Taxi zur Hölle“. Sollte ab morgen auch auf ARTE+7 zu sehen sein. Ich kann’s nur dringend empfehlen.

  6. Wir hatten das Thema des „Containerns“ gerade heiß und heftig mit unserer 19 jährigen Tochter ( sie macht gerade am Agrar-und Biotechnologiegymnasium ihr letztes Abijahr) am Frühstückstisch! Mal abgesehen, dass die Jugend immer revoluzzernd ist, aber wie soll dem Wahnsinn der vielen noch brauchbaren Lebensmittel auf dem Müll Abhilfe geschaffen werden? Soll man die Lebensmittelpreise erhöhen, damit die Menschen nur das kaufen was sie benötigen? Die Supermärkte würden trotzdem immer mehr bestellen, es muss ja immer das gesamte Sortiment bis möglichst 22 Uhr vorhanden sein. Aber bitte immer schön frisch, der deutsche Verbraucher möchte auch 22 Uhr frisches Gemüse kaufen! Und welcher Kunde kauft eine Tomate mit einem Fleckchen dran? So viel Genmanipulation kann man gar nicht betreiben, das dies funktioniert. Es ist eine Frage der Einstellung der Menschen zum Lebensmittel. Auch wir DDR Kinder haben inzwischen fast vergessen, dass wir für Bananen und Citrusfrüchte mal stundenlang angestanden und die so ergatterten Früchte auch aufgegessen haben – auch wenn sie schon evtl. etwas braun waren. Die Kriegskindergeneration ist inzwischen auch satt und so sorry – sie wählen am fleißigsten aus im Supermarkt, während man selbst im Zeitmangel schnell einlädt. Reichlich vorhandene Lebensmittel sind eine Selbstverständlichkeit und immer vorhanden. Macht sich etwa mal Jemand Gedanken wie, und unter welchen Umständen das MITTEL zum LEBEN erzeugt wird? Es gab auch eine gute Doku, ich habe den Titel leider vergessen, da die Sendung wie immer auch zur Unzeit (für mich jedenfalls) lag. Dort wurde der Wahnsinn der Massenerzeugung aufgezeigt. Von jedem Tier nur ein kleiner Teil verwertet- der der gerade ins Erzeugerspektrum passte, der Rest flog ebenfalls weg! Wenn man sich vor Augen hält, wieviel Mühe es macht eine Kuh großzuziehen und schließlich sind Tiere auch LEBEWESEN. Noch vor wenigen Jahrzehnten wurde von einer Kuh ALLES verarbeitet. Heute, wie gezeigt, nur das Filetstück, der Rest fliegt weg-bekommt man billiger aus dem Ausland. Globalisierung nennt man das wohl. Und man könnte noch endlos diskutieren, eine wirkliche Lösung wird es nicht geben – außer Not und Hunger. Und das kann Keiner wollen.
    PS:zu DDR Zeiten war das Brot z.B. unendlich billig und wurde wahrscheinlich gerade deshalb auch reichlich auf den Müll gekippt.

  7. Dass Jugendliche zum Revoluzzertum neigen, ist ja auch gut. Konservativ wird man später noch früh genug. Ich stelle mit Sorge erste solche Erscheinungen an mir fest 😉

    Wie man Abhilfe bei den weggeworfenen Lebensmitteln schaffen soll, weiß ich auch nicht so richtig. Ich denke aber, man könnte (völlig brauchbaren) „Abfall“ zumindest vermindern, indem wir uns gegenseitig darauf hinweisen, dass auch eine Tomate oder ein Apfel mit einem kleinen Fleck durchaus verwendbar ist (bei der Ernte im eigenen Garten findet man das ja auch normal) oder dass Bäcker kurz vor Ladenschluss durchaus nur noch halbvolle Regale haben können (bzw. sogar müssen). Ich weiß nicht, ob so etwas vielleicht in den Schulen im Ethik-Unterricht behandelt wird, ansonsten sollte es dort mit dran kommen. Ob die Supermärkte da allerdings mitspielen würden und z.B. Tomaten mit der falschen Rottönung in der Kiste liegen ließen, ist die andere Frage.

    Ich habe mich beim Film-Ansehen auch gefragt, warum die Supermärkte das leicht fleckige oder sonstwie geringfügig schlechtere Obst und Gemüse nicht einfach als zweite Wahl anbieten? Wahrscheinlich deshalb, weil
    1. die getrennte Sortierung, Auspreisung und Abrechnung mehr Arbeit macht (bei geringerer Einnahme) und weil
    2. einige sehr schlaue Kunden höchstwahrscheinlich Obst aus erster Wahl nehmen und behaupten würden, das sei aus der 2. Wahl-Kiste gewesen. Das würde sinnlose Diskussionen, also wieder Mehraufwand ergeben…

    Lebensmittelpreise erhöhen? In Deutschland sind diese Preise ja im europäischen Vergleich relativ gering, aber ich denke auch, dass das nichts grundsätzlich ändern würde. Denn auch in Ländern mit höheren Preisen wird in den Supermärkten aussortiert (und dieser Lebensmittelmüll scheint höher zu sein als der, den Leute zu Hause wegwerfen). Bei bestimmten Sachen, wie Fleisch könnten höhere Preise aber zu einem anderen Bewusstsein gegenüber dem Produkt führen. Übrigens könnte ich mir vorstellen, dass in der DDR noch viel mehr Brot weg geworfen wurde, als heute.

    Ich weiß nicht, ob diese Doku vielleicht „We feed the world“ war? Dort wird (wenn ich mich recht erinnere) u.a. gezeigt, wie wir so ganz nebenbei die afrikanische Landwirtschaft ruinieren, indem wir ihnen unsere (u.a. durch Subventionen) zu billigen Lebensmittel verkaufen. Meist sind das dann sogar nur die Abfälle davon, bzw. was aus europäischer Produzenten-Sicht so als Abfall einzustufen ist. Afrikanische Geflügelzüchter können nicht so billig produzieren, also werden sie arbeitslos und werden auch von unseren „Hilfs“lieferungen abhängig. Und wenn man einmal zu optimistisch gestimmt ist, kann man sich auch sehr gut mit dem Film „Darwins Albtraum“ in gepflegte Depressionen versetzen – der ist echt schlimm.

  8. Ja, das könnte es gewesen sein, ich war jedenfalls sehr entsetzt und traurig zugleich.

  9. Danke für den TV-Tipp – habe den Beitrag gerade noch rechtzeitig gelesen, um die Aufnahme zu starten.

    Schwierige Geschichte. Eine Problematik ist meiner Meinung nach, dass das Problem momentan in der Gesellschaft wenig „populär“ ist. Viele würden vielleicht anders handeln/konsumieren, wenn ihnen die doch recht komplexen Zusammenhänge nähergebracht würden. Ein „aufgeklärter Konsument“ wird dann auch vielleicht vom Handel anders wahrgenommen. Schon jetzt kann ja der Verbraucher auch durchaus wählen. Mit dem Wochenmarkt haben wir ja im Grunde auch so etwas ähnliches, wie diese im Film beschriebene Kooperation zwischen Bauern und Verbraucher. Und wenn man genau hinschaut, sind die Preise dann auch plötzlich gar nicht mehr so weit weg voneinander – die Bequemlichkeit ist dann eher das Hindernis, sich aktiv nach Alternativen umzuschauen.

    Da heutzutage immer mehr Verbraucher in Städten leben, ist die Gefahr auch groß, dass irgendwann tatsächlich niemand mehr weiß, dass es auch krumme Gurken gibt und diese verblüffenderweise genauso schmecken, wie die Geraden. In diesem Zusammenhang fällt mir ein – gibt es eigentlich noch flächendeckend Schulgärten, die sich um die Vermittlung dieses durchaus brauchbaren Wissens in unserer urbanen Umgebung kümmern?

    Grüße,
    Torsten

  10. Letztlich dürfte mangelnde Information auch auf die simple Tatsache zurückzuführen sein, dass man im täglichen Leben stets das Gefühl hat, sich um tausend andere Sachen kümmern zu müssen. Und dann will man einfach mal abschalten. Was ja bekanntlich am besten geht, indem man ein gewisses Haushaltsgerät einschaltet, allerdings nach Möglichkeit mit einer Sendung ohne Inhalt. Ich gebe zu, dass ich das auch schon so 2-3 (hundert) mal gemacht habe. Mein Favorit in der Hinsicht hirnschonender Berieselung sind übrigens die Rosenheimcops. So, jetzt isses raus!

    Das mit den Schulgärten – stimmt, das wäre eine Möglichkeit der entsprechenden Wissensvermittlung. Aber ich glaube, regulären Schulgartenunterricht gibt es nicht mehr. Es scheint nur in manchen Schulen überhaupt noch Gärten zu geben und der Betrieb wird anscheinend über Ganztagsprojekte oder ähnliches ausgeführt. Aber dafür kann ich mich nicht verbürgen.

  11. Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich für Verbrauchergemeinschaften werben:

    http://www.vg-dresden.de/

    🙂

    Im großen Stil und kurzfristig lässt sich das Ganze nur administrativ lösen, z.B. durch massive Steuern auf Abfall, wie richtig erwähnt schulische Bildung, Verbot bzw. Einschränkung von Massentierhaltung, Förderung alternativer „Produktionsmethjoden“ für Lebensmittel, Verbraucherinformationen und Kontrolle, Kontrolle, Kontrolle.

    Dazu müsste aber ein Staat existieren, der nicht bei jedem Huster der Industrie in die Knie geht…

  12. Wenn du schon für die VG wirbst, randOM, dann kannst du ja auch erwähnen, dass es dort auch diverse Strömungen gibt; z.B. solche die sich fragen, inwieweit man das ganze Jahr über diverse Südfrüchte auch in der VG haben „muss“ 😉
    Oder wo die Regionalität aufhört bzw. anfängt?

    Ist keine Kritik an der VG, sondern ich bin eher ein Freund von „Erwähnen“ statt „Werben“ … die VG selbst macht sicherlich nicht umsonst wenig bis keine Werbung. Eine gewisse selbst auch verstandene Einstellung zum Essen und zu Lebensmitteln kann man nun mal nicht per Werbung erlangen. Werbung für Bio-Essen treibt mich z.B. regelmäßig erst mal zu LIDL oder zu netto 🙂 … ist allerdings kein Witz, sondern wirklich so.

    Ich bin selbst auch seit 3 Jahren Mitglied, kaufe dort auch gern ein, weil es auch besser schmeckt – habe zwischendrin mal 3 Monate „Pause“ gemacht und den Unterschied doch bemerkt. Zudem ist die Atmosphäre meist eine andere und man trifft Leute, die man auch kennt … naja, passiert mir im Konsum auch häufig 😉

    Die VG Dresden ist in jedem Fall eine „Erfolgsgeschichte“, die größte ihrer Art – soweit ich weiß – in Deutschland, mit über 5000 Mitgliedern, wenn ich da (noch) richtig informiert bin. Doch es gibt auch dort Bewusstseins“lücken“ bei den Kunden und ein Supermarkt (die VG ist ja ne Art Bio-Supermarkt) ist eben auch von den Kunden enorm abhängig. Da spielt das „feeling“ ne Rolle mit, nenn’s meinetwegen auch „Flair“.
    Und umso mehr Besserverdienende in die VG kommen, desto größer ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Sortiment verändert. Was für mich völlig okay ist, denn ein Supermarkt ist schließlich für alle da 🙂

    Gut finde ich z.B. den Stand mit „Brot vom Vortag zum 1/2 Preis“.

    Witzig finde ich deinen „Kontrolle, Kontrolle, Kontrolle“-Ruf und deinen Ruf nach einem stärkeren Staat. Mit Verlaub, nein danke 🙂
    Ich bin auch kein Freund von Profitgier und es ist mir auch nicht egal, wie wir leben (will’s mal bei dieser Kurzbeschreibung belassen), doch ein stärkerer Staat löst gar nichts … maximal noch stärkere Umgehungsvarianten durch die Industrie.
    Nenne mir eine einzige Vorschrift, irgendein Gesetz, irgendeine Regelung, die nicht in mehr oder minder auffälligem Stil umgangen worden wäre.
    Ich bin gespannt 🙂

  13. Das mit dem Paule kann ich schon verstehen, Frank … doch ich habe ihn auf der Brache-Oase kennengelernt und das war ein prägendes Ereignis für mich. Seine unkonventionelle Art hat in der Tat etwas bei mir bewirkt. Dafür war ich ihm sehr dankbar.

    Zugegebenermaßen waren einige spätere Aktionen etwas schräg, u.a. sein Piraten-Poster zur Landtagswahl 😉 Ich hatte auch ein, zwei Erlebnisse nach denen ich ihn angeschaut habe und dachte ‚Okay, das ist eben Paul .. so isser eben.‘

    Der Containern-Film ist m.E. ganz gut gelungen, zumal Paul ja gelernter Koch ist und wirklich gut bis hervorragend kochen kann … hat er 2008 auch mal für eine befreundete indische Tänzerin und deren Gruppe getan … sie waren jedenfalls begeistert 🙂

    Naja, wenn du mal ne „Fremdschämen“-Pause hast, dann schau einfach mal rein 😉

  14. Ich habe gar nichts gegen mehr Fernsehsender … gern auch mehr 🙂
    Ist eben nur ne Frage der Bezahlung und die GEZ ist eben auch ein Arbeitsplatzgeber 😉 …
    Für mich ist im Grunde auch kaum ein Unterschied zwischen Privaten und Ö-R mehr zu erkennen. Bei ARD und ZDF wird mittlerweile offenbar jede einzelne Sendung von irgendeiner Firma gesponsert.
    Mich würden mal die Werbeeinnahmen aller Sender interessieren.
    Ah, hab was gefunden – http://www.ard.de/intern/basisdaten/medienwirtschaft/-/id=54970/1ry1ukb/index.html

    Die Frage ist ja dennoch, was ein Ö-R erreichen möchte. WIll er Staatsfernsehen sein? Will er den Bürger bilden oder informieren? Was will er? Was ist Sinn und Zweck der Ö-R und wodurch unterscheidet er sich von den Privaten? Rein vom Programm kann ich da wenig entdecken … alles, was die Privaten haben, haben die Ö-Rs ja irgendwie auch, finde ich. Okay, außer Handy-Sex-Werbung 🙂

  15. Inhaltlich unterscheiden sich die Private und ÖR zwar zu manchen Tageszeiten überhaupt nicht (wenn man mal von ARTE absieht), aber ein paar Unterschiede gibt es schon. Hauptsächlich, was die Produktion von Filmen und aufwändigeren Produktionen betrifft. Man wird bei den Privaten sehr selten einen selbstproduzierten Spielfilm finden, dafür aber Comedy (was ja ok ist). Mir fällt gerade ein, dass ich die letzte Switch-Folge noch ansehen wollte. Das ist neben gelegentlichen eingekauften Spielfilmen das Einzige, was ich mir bei Privaten halbwegs regelmäßig ansehe (allerdings war Switch auch schon mal besser). Aber jedenfalls hast Du Recht – man muss tatsächlich auch die Funktion der ÖR als Arbeitsplatzgeber sehen – aus meiner Sicht vor allem auch in der Filmproduktion. Ich frage mich nur, ob dann unbedingt immer nur Krimis und Schnulzen entstehen müssen? Andererseits verlange ich da vielleicht auch zu viel, wenn ich überall ansprechende Inhalte verlange. Wenn man in den ARD- und ZDF-Mediatheken sieht, dass „Sturm der Liebe“, „Verbotene Liebe“ und ähnliche Dinge unter den meistgesehenen Videos sehr weit vorn liegen, dann scheint es ja Leute zu geben, die es interessiert. Und dann sage ich mir wieder: Na gut, dann sollen sie es halt sehen. Auch auf die Gefahr, hier kulturelle Fettnäpfchen zu betreten: Das ist für mich ähnlich wie die Operette in Dresden. Die läuft für mich auch unter „seichter Unterhaltung“. Aber wenn es Leute gibt, die da gern hingehen, dann meinetwegen gern. Wenn ich einerseits feststelle, dass die ÖR zu viel Zeug senden, was mich nicht interessiert, sehe ich andererseits auch, dass ich beim Lesen einer Zeitung (SZ wie DNN) auch geschätzte 80% nicht lese. Teils, weil es mich nicht interessiert oder weil ich das Thema schon kenne.

    Die ÖR haben auch eine Antriebsfunktion im technischen Bereich – deutlichstes Beispiel ist der Übergang auf HD. Das hat Auswirkungen auf die Industrie (nicht nur auf die japanische) und auf Zulieferer. Die Privaten würden wahrscheinlich noch ewig weiter in SD und analog senden, wenn die ÖR da nicht vorangehen würden.

    Interessanter link!

  16. Hmm, ich habe mal „kurz“ – in ’ner Zigarettenpause 🙂 – nachgedacht.
    Ich glaube, das „Schlagwort“, worauf ich hinaus wollte ist: Anspruch.

    Welchen Anspruch hat ein Ö-R-Sender?

    Bei ARTE sehe ich ne Art DFF – Deutsch-Französische Freundschaft, die wohl als eine Art mediale Form der EU bezeichnet werden könnte. Zeitlich etwas versetzt, doch letztlich entstand die EU aus der Montan-Union (http://de.wikipedia.org/wiki/Montan-Union). Okay, außer Italien und den Niederlanden sind sprachlich alle anderen ganz gut bedient 😉 … jedenfalls alles Länder, in denen zumindest entweder Deutsch oder Französisch verstanden wird, wenn auch nicht von allen Bewohnern.
    3sat ist eher auf die deutsche Sprache beschränkt: D, Ö, CH … evtl. noch LUX, LIE (?)

    Während bei den Privaten der Anspruch klar ist: Profitmaximierung durch mehr oder minder kundengerechte Programmgestaltung, sind die Ö-R m.E. in einer Misch-Masch-Situation.

    Einerseits müssen sie kundengerechter werden und ziehen deshalb eben nach (Soaps, Fußball … und alles, was „das Volk“ nunmal häufig konsumiert – ganz wertungsfrei) und andererseits geht es ja doch irgendwie um eine Art Staatsdenken.

    Vielleicht auch nicht? Vielleicht sind die Ö-R auch einfach in einer Sinnkrise? Die europäischen Staaten werden „irgendwie“ zur EU, wozu braucht man da noch Einzelstaaten, wenn sowieso alles vereinigt werden soll (auch wenn vieles eher „vereinheitlicht“ zu werden scheint ;))
    Und wenn Staaten so nach und nach „abhanden“ kommen, wozu braucht’s dann noch staatlich-finanzierte Ö-R-Sender?

    Und letztlich leben wir in einer kapitalistischen Welt und es geht ums Geld. Auch ein Staat und auch ein Ö-R-Sender sind Wirtschaftssubjekte.

    Hmm, spontan habe ich einfach mal wieder Wikipedia „bemüht“ 🙂 … http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96ffentlich-rechtlicher_Rundfunk
    Also, das amerikanische Modell erscheint mir da immer sympathischer, auch wenn es natürlich dort sog. Auswüchse gibt, die man zu Recht mit einem Stirnrunzeln betrachten darf/kann/“sollte“/“müsste“.

    Doch mir ist die Staatsnähe wohl doch etwas ferner als mir mitunter selbst lieb ist … zumal ich ja bei coloRadio gesehen habe, wozu es in anderen Fällen führen kann 🙂
    Es geht bei Konkurrenz ja wohl nicht darum, andere auszuschalten (hoppla, doppeldeutig bei diesem Thema :)), sondern darum, einfach ein besseres Programm als die anderen zu machen.

    Und in dieser Hinsicht komme ich wieder beim Kunden raus: letztlich ist der das Maß aller Dinge. Die Inhalte kann ich als Sender wählen, doch dass es beim Kunden auch ankommt, dafür kann ich mich nur „anpassen“.
    Und was wenig gesehen wird, kommt eben auf hintere Sendeplätze oder entfällt.

    Naja, war etwas „holderdipolder“ – größeres Thema als ich bei Beginn dachte, doch letztlich drehte es sich immer um das Schlagwort „Anspruch“, sowohl in inhaltlicher als auch finanzieller Hinsicht 🙂
    Und um die Verbindung zum Einstiegsthema „Essen“ zu bekommen. Fernsehen bringt geistige Nahrung sozusagen, doch brauchen wir eigentlich staatliche Lebensmittelproduzenten???

  17. ich habe mal „kurz“ … nachgedacht.

    Gut so. Nachdenken, meine ich.

    – in ’ner Zigarettenpause –

    Noch besser. Rauchen nutzt der Wirtschaft. 😉

    Ich lese mir Deinen Kommentar morgen in Ruhe durch. Ich war nur kurz am Notebook und sah, dass hier ein Kommentar entsteht. Momentan muss ich erstmal fernsehen (Phönix Runde, Thema Stuttgart 21).

  18. Klar, letztlich geht es um „Anspruch“ (was man aber auch erst einmal definieren sollte). Wenn alle ÖR-Sender rund um die Uhr Sendungen mit lehrreichem Inhalt bringen würden, ergäbe das zwei Probleme: 1. Menschen, die so etwas gut fänden, würden noch mehr Zeit vor dem Fernseher verbringen. (Ich bin oft ganz froh, wenn nichts Wichtiges kommt, weil ich dann beruhigt Strom sparen kann). 2. Leute, die sich nur mal unterhalten lassen wollen (und es wäre gelogen, wenn ich mich da ausklammern wollte), würden diesem permanenten Anspruch regelrecht entfliehen und die Privaten gucken. Insofern muss also auch etwas seichte Unterhaltung erlaubt sein. Die Frage ist aber, welche Wichtung zwischen Anspruch und Seichtheit für Sender mit einem angeblichen „Grundversorgungsauftrag“ angesetzt werden sollte. Und ob ich so viele ÖR-Sender brauche, wenn zu viel Unterhaltung gebracht wird.

    Weiterhin frage ich mich auch, was eigentlich konkret unter „gesetzlicher Grundversorgunsgauftrag“ zu verstehen ist? Woraus sollte diese Grundversorgung bestehen? Wie ist man bei der Gründung der ersten ÖR-Sender damals auf die Idee gekommen, dass man eine solche benötige und was hat man sich damals darunter vorgestellt? Und: Ist diese Grundversorgung inzwischen nicht längst auf andere Weise durch das Internet gegeben?

    Gar nicht so einfach, das Thema.

    Übrigens muss ich unsere schöne Theorie etwas relativieren, viele ÖR Sender würden Arbeitsplätze schaffen: Gestern besuchte uns eine ehemalige PROfeel-Redakteurin, die ihre Ausbildung im Bereich Medien vor einer Weile abgeschlossen hat und nun im Bereich Fernsehen Arbeit gesucht hatte. Das bestand aus Durchwursteln bei einem kleinen Lokalsender, Abklappern aller Produktionsfirmen im MDR-Umfeld und in der Medienstadt Köln … logischerweise ergebnislos. Als (unbezahlte) Praktikantin kann man überall anfangen, gern wird man auch auf 400€-Basis genommen, aber das war’s. Natürlich war mir das alles nicht unbekannt, aber es ist stets deprimierend, so etwas dann wieder mal von Betroffenen erzählt zu bekommen. Aber das passt eher wieder zum Thema „Fachkräftemangel“ und irgendwie ging es hier ja tatsächlich ursprünglich um Lebensmittel.

    Hm, brauchen wir staatliche Lebensmittelproduzenten … da bin ich ja übers Wochenende wieder geistig schwer beschäftigt 😉

    Abschließend noch ein Bild, was ich zufällig heute früh in einem meiner alten Tagebücher fand. Passt irgendwie zum Thema:

  19. Netter Comic … schick den doch mal wahlweise an einen Ö-R oder Privaten, Frank 😉

    Kurz zum Rauchen … ich rauche „natürlich“ natürlich, bio sozusagen. Das ist „gesünder“ 😉

    Doch im Ernst: selbst gedreht, Tabak ohne Zusatzstoffe (soweit man dem Hersteller/Produzenten Glauben schenken darf), ohne Filter … ist wie fair gehandelter Bio-Kaffee nur mit kochendem Wasser aufgegossen, sozusagen. Also, mehr oder minder pur.

    Insofern unterstütze ich die Wirtschaft durchaus – allerdings habe ich mein „Marktverhalten“ auch stark verändert 🙂 … , und ich unterstütze sie auch gern, solange ich eben noch ne Schwäche für Tabak und Kaffee habe. Und wenn ich die nicht mehr habe, ist’s auch gut …

    Was das Thema „Essen“ und Fernsehen anbetrifft, so geht es für mich eigentlich nur über die Bewusstseinserweiterung, allgemein gesprochen 😉
    Im SAEK würde man einerseits wohl Medienkompetenz sagen und dazu gehört sicher auch irgendwie die Frage nach Sinn und Unsinn von Ö-R-Sendern – ist ne interessante Fragestellung, die ich mir bisher noch nie so gestellt habe, obwohl es wohl dazu gehört, wenn man bspw. über die GEZ spricht.
    Und beim Essen bzw. der Nahrung kann man eben nur eine gewisse „Nahrungsmittelkompetenz“ erlernen. Ich finde einige Strategien von Foodwatch auch grenzwertig. Information gern, doch wenn’s um Kontrolle und neue Gesetze geht, hört’s bei mir auf.
    Soll das Fernsehen doch drüber berichten, was Firma A oder B tut … bei Negativ-PR sind Firmen wesentlich empfindlicher als bei der Umgehung neuer Gesetze.

    Die Politik ist m.E. ein großes Stück auch selbst Verursacher. Wer beschließt denn Agrarsubventionen in Milliardenhöhe? Und die bekommen meist nicht Kleinbauern 😉
    Ich finde eine Einstellung à la „die Politik muss da einschreiten/was machen“ mittlerweile immer lächerlicher – da sollte man besser selbst bei sich anfangen und zum Bauern fahren (oder Markt) und den direkt – durch Kaufen – unterstützen, als auf die Politik zu hoffen, irgendein Gesetz zu verabschieden, welches dann eventuell vielleicht möglicherweise wahrscheinlich usw.

  20. Du darfst meinetwegen gern rauchen. Ich bin zwar Nichtraucher, aber ein nicht-militanter. Ich habe mir 2 Jahre lang das Büro mit einem Pfeife-Raucher geteilt, was mich nicht störte. Ich wurde nur häufig nachher zu Hause gefragt, ob ich in der Kneipe gewesen sei?

    Jedenfalls:

    Ich finde eine Einstellung à la „die Politik muss da einschreiten/was machen“ mittlerweile immer lächerlicher – da sollte man besser selbst bei sich anfangen und zum Bauern fahren

    Okay – einerseits ist es falsch, immer nur Lösungen von „denen da oben“ zu verlangen, wenn man auch selbst etwas beeinflussen könnte. Andererseits können aber falsch funktionierende Subventionen nur von Politikern geändert werden. Und wenn jeder Käufer zum Bauern fahren würde, bekämen wir ein uneffektiver funktionierendes Transportsystem (jeder einzelne Kunde müsste viel mehr fahren). Außerdem wären bestimmte Produkte so nicht erhältlich (welcher Bauer produziert Joghurt?). Wenige zentrale Anlaufstellen (also Großmärkte) haben zumindest im Sinne des Kraftstoffverbrauchs auch ihre Vorteile.

  21. Zu Deinem Vergleich mit staatlichen Lebensmittelproduzenten: Letztlich hinkt der Vergleich ein wenig, aber klar braucht man das. Wenn in einem Staat Demokratie* herrscht, sollte der Staat auch dafür sorgen, dass seine Bewohner überhaupt geistig geschult sind, diese Demokratie vernünftig anzuwenden. Da Fernsehen ein gern genutztes Medium ist und sehr effektiv bei der Informationsvermittlung wirken kann, sollte der Staat schon Fernsehkanäle nutzen, um Informationen zu verbreiten**. Meinetwegen eingebettet in etwas Unterhaltung, damit die Leute nicht überfordert werden.

    (* Ich bin nicht der Meinung, dass wir eine echte Demokratie haben, aber das ist ein anderes Thema und würde hier zu weit führen.)
    (** Und ob das Medium wirklich in der Hinsicht genutzt wird, darüber kann man sich auch so seine Gedanken machen. Ansatzweise allerdings durchaus.)

  22. Das mit dem „zum Bauern fahren“ war eher sinnbildlich gemeint, Frank; bin ja selbst nicht motorisiert.
    Mir ging’s eher um Groß- und Kleinproduzenten … wenn ich beim „Milchstreik“ 2009 (oder war’s 2008) zehnmal ne (weitergeleitete) e-Mail von diversen „Scheinaktivisten“ bekomme, man solle bei LIDL oder ALDI die Milchpaletten leerkaufen, damit diese dann irgendwie die Preise zahlen, die die Milchbauern fordern usw. usf. … habe ich mich schon gefragt „Geht’s noch?“ 🙂

    Ich bin dann hinterher mal zu regionalen Anbietern bzw. habe diese in der VG getroffen. Da kostet – z.B. aus Mahlitzsch oder Taubenheim – der Liter Milch eben um einen Euro herum. In manchen Läden 1,20 … kostet die Landliebe oder die Thüringer Milch auch; ist jedoch nur 30 Kilometer weit gefahren (bei Mahl. & Taubh.) und mir schmeckt die Milch – wenn ich mal welche brauche.
    Joghurt gibt’s in/von Taubenheim übrigens auch. Mahlitzsch auch, glaube ich.

    Und hatten diese DD-reg. Bauern damals irgendein Problem mit dem Milchpreis? Nein, wurde mir gesagt, nicht mehr oder anders als früher … Milch für unter 70 Cent der Liter wird nunmal nur in Großbetrieben möglich. Die Qualität kennt man ja … wem’s schmeckt, bitte.

    Worauf ich hinaus wollte, ist der ewige Ruf nach dem Staat, der da irgendwie eingreifen sollte. Erstens sind die Rollen klar verteilt (Lobbys, Macht usw.) und bevor man das ändert, gehen noch Jahre ins Land. Zweitens kann ich anhand von Informationen selbst entscheiden, was ich esse/trinke oder nicht. Und warum den undurchschaubaren indirekten Weg über die Politik nehmen, wenn’s direkt nicht schneller geht?
    Wem Geschmacksverstärker und diese und jene Aromata schmecken, bitte? Ich bin der letzte, der jemandem das verbieten würde … genausowenig wie ich Fleischessern sagen würde, dass sie weniger Fleisch essen sollen. Und Rauchern usw. 😉

    Ich denke, beim Thema „Essen“ kann man nur mit eigenem Beispiel vorangehen. Und um von konventionellen Lebensmitteln etwas leichter loszukommen, kann man sich informieren … alles weitere mag eine Frage des Geldbeutels sein, doch aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass man sich selbst mit Hartz IV 100% bio & regional ernähren kann, selbst für 4-5 Euro am Tag.
    Ich selbst hab ne 80-10-10-Streuung – 80 % bio, 10 % regional und wahrsch. nicht bio und 10% konventionell, gern auch mal’n paar Billigschokoriegel, wenn mir danach ist.

    Auch was Abfälle anbetrifft, gibt’s nen ganz einfachen „Trick“. Einmal den gesamten Schrank leermachen und ggf. Dinge dazukaufen, die sich nicht halten, die man jedoch verwenden möchte (Obst, Gemüse, Brot etc.). und wenn der Schrank leer ist, nur noch auf maximal 14 Tage Vorrat kaufen. Also, wenn ich einmal im Monat etwas wegschmeiße, dann ist das schon viel bei mir.
    Auch der Trick mit dem „mit vollem Magen einkaufen“ gehen funktioniert in gewisser Weise. Ich kenne eher das Gegenteil, da ich häufig mit leerem Magen einkaufe 🙂

    Was ich sagen möchte ist, dass die Beschäftigung mit der Aufgabe des Staates auch sehr ambivalent ist. Einerseits will man ihn möglichst draußen haben aus diversen Angelegenheiten, weil viel Bürokratie usw. usf. (alles nachvollziehbar, von beider Seiten Sicht) und andererseits will man bei einfachsten Dingen (Essen) plötzlich, dass er einem hilft. Aber hallo 🙂
    Erinnert mich fast schon an einige Piraten & Hrn. Lichdi, was das Thema Datenschutz anbetrifft 😉

    Kurz zum Thema Ö-R-Fernsehen – mal etwas ketzerisch, Frank:
    Wenn ein Staat seine Bürger geistig schulen will/möchte, warum sollte man dafür – verpflichtend, nicht freiwillig (!) – Geld bezahlen?

    Warum zahle ich bei Privatschulen, doch seltener oder gar nicht bei staatlichen Schulen?
    Warum ist es beim Fernsehen offenbar umgekehrt?

    Weil Kinder noch nicht selbst zahlen können? Weil Erwachsene plötzlich Geld haben und man deshalb für Bildung Geld verlangen kann? Hmm, wie viel Geld ist mir – als Staat – Demokratiebildung wert??

    Mal ganz à la Sarrazin würde ich behaupten:
    Was die Integration der Demokratie in die Gesellschaft anbetrifft, handelte es sich um ein völliges Verlustgeschäft. 🙂
    „Bestes“ Gegenbeispiel: China
    Offenbar kostet Demokratie nun mal Geld. Und wer Demokratie verkaufen will (im Sinne von „anbieten“ ;)), der sollte das doch bitte schön freiwillig machen. Ansonsten nenne ich das „Kundenbindung der weniger netten Art“ 🙂

    Letztlich muss sich ein Staat auch immer die Frage gefallen lassen „Braucht man dich überhaupt?“ … und wenn ja, wofür und wieviel ist uns das wert? Sowohl ideell als auch finanziell.
    Wenn ein Staat gewisse Teile seiner Bevölkerung nicht haben möchte, dann soll er sie doch loswerden oder ruhig sein. Mal bspw. die ganz nüchterne Frage aufgeworfen, die sich schon vor Jahren einige im Internet gestellt haben – warum sollte ein Staat Arbeitslose nicht einfach erschießen? 😉
    Keine Kosten mehr, keiner meckert mehr, AQ bei 0 % … wäre doch alles wunderbar. Wo ist das Problem? 🙂

    Im Übrigen – Tipp von mir … „Zapping international“ bei ARTE – http://videos.arte.tv/de/videos/zapping_international-3499338.html
    In Mao’s Heimat – Hunan – gibt es mehrere Sender, auch Satelittensender, stellenweise mit bis zu 50% Werbung, allein die Nachrichten sind bei allen gleich – vom Staatsfernsehen.

  23. Ich versuche mal, mich kurz zu halten (muss gleich zur Arbeit):

    … Scheinaktivisten“ bekomme, man solle bei LIDL oder ALDI die Milchpaletten leerkaufen …

    Ist das wirklich passiert? Klingt ja sehr durchdacht 😀

    Ich denke, beim Thema „Essen“ kann man nur mit eigenem Beispiel vorangehen.

    Das Thema „mit gutem Beispiel selbst vorangehen“ sehe ich anders, seitdem ich kurz nach der Wende in einem Laden arbeitete, wo alle Kollegen jeden Meter mit dem Auto fuhren. Ich dachte damals, mit gutem Beispiel vorangehen zu können, indem ich ihnen vorlebe, dass man auch mit Fahrrad vorwärts kommt. Obwohl ich das noch nicht einmal mit dem berühmten erhobenen Zeigefinger, sondern nur einfach so tat, führte es lediglich dazu, dass ich bei Einigen als wichtigtuerischer Sonderling oder wahrscheinlich auch „Grüner Spinner“ eingestuft wurde. Die gefahrenen Autokilometer verringerten sich jedenfalls nicht. Heinz Rudolf Kunze hat mal gesagt: „Weh denen, die vor leeren Rängen ein gutes Beispiel geben wollen!“

    Auch was Abfälle anbetrifft, gibt’s nen ganz einfachen „Trick“.

    Wir machen es so: Sobald eine Sache im Haushalt alle ist, oder sichtlich in den nächsten Tagen alle sein wird, kommt eine Notiz auf den Einkaufszettel. Und gekauft wird nur, was darauf steht. Außer Obst- und Gemüseschalen und ähnlichen unvermeidlichen Dingen haben wir keine Lebensmittelabfälle.

    Wenn ein Staat seine Bürger geistig schulen will/möchte, warum sollte man dafür – verpflichtend, nicht freiwillig (!) – Geld bezahlen?

    Na, irgendwoher muss es ja bezahlt werden. Ob man es nun über (ebenfalls erzwungene) Steuern macht oder über Fernsehgebühren, ist doch egal. Die ÖR über Steuern zu bezahlen, wäre sowieso konsequent, wobei die momentane Methode eine bessere Kontrolle ermöglicht. Die Privaten leben ja letztlich indirekt auch von von Steuermitteln: Wenn Werbekosten nicht mehr von der Steuer absetzbar wären (warum sind sie das eigentlich?), würde das gesamte Privatfernsehen und viele andere Medien schnell zusammenbrechen.

    Offenbar kostet Demokratie nun mal Geld. Und wer Demokratie verkaufen will (im Sinne von „anbieten“), der sollte das doch bitte schön freiwillig machen.

    Na, das ist nicht logisch (würde mein Vorbild Mr Spock sagen 😉 ). Hier ist ja nicht irgend eine fremde Macht gekommen, die uns Bürgern die Demokratie aufgezwungen hat und nun verkaufen will, sondern das wollten Bürger selbst, wenn man mal die jüngere Geschichte Europas betrachtet.

    Den ARTE-Beitrag werde ich mir heute Abend mal „reinziehen“ (sagt man ja so).

  24. @Vorleben
    Völlig d’accord, Frank … „Außenseiter“ sind immer irgendwie anders und nicht selten müssen andere das auch kundtun. Der Herdentrieb steckt in jedem 😉 … Quatschen lassen, weiter sein eigenes Ding machen, wenn man daran Freude hat 🙂
    Da kann man nur sich selbst immer wieder die Vorteile des Andersseins bewusstmachen – z.B. Fahrradfahren bringt frische Luft & „körperliche Ertüchtigung“ :), ist preiswerter und schadet der Umwelt kaum, abgesehen vom Gummiabrieb der Reifen 😉
    Und wenn’s regnet oder schneit, kann man ja Bus & Bahn oder Auto fahren.
    Ich glaube, viele sehen das sehr schwarz-weiß – einmal Fahrradfahren und schon ist du ein „Öko-Spinner“ – mal etwas überspitzt ausgedrückt.
    Dabei geht’s nur um reine Pragmatik, im Sinne von „gesünder, schneller, preiswerter, naturschonender“.

    Die Frage stellt sich ja auch andersherum:
    „Warum fahren andere – trotz Stau, trotz steigenden Kosten für Sprit, Parken, usw., trotz etc.etc. – immer ständig mit dem Auto?“
    Der einzige Grund ist doch meist „geht schneller“ … aha, und nach 15-30 Minuten durch Dresden brauchen die meisten doch dann erstmal 15 Minuten Abschaltphase vom Fahrstress 😉 … das war’s dann meist mit dem „Schnellersein“

    Zudem, welche Nebenwirkung hat Autofahren. Da gibt’s kaum Studien, vermutlich. Ich habe mich mal gefragt, um wie viel sich der tagtägliche Gereiztsein-Level eines Autofahrers erhöht, der am Tag an 10 roten Ampeln halten muss 😉

    Kurzum: ich habe kein Auto, also brauche ich auch keine Gründe, warum ich nicht Auto fahre, suchen, doch prinzipiell habe ich mehr durch Fahrradfahren erlebt und noch mehr durch Laufen. Die Zeit mehr (die es meist gar nicht ist) habe ich an Lebensqualität gewonnen … mal ganz abgesehen vom Geld sparen.

    Ich bin kürzlich mal – nicht in Dresden – 25 Minuten zum Flughafen gelaufen, weil es sich einfach anbot. War echt Klasse. Einziger Nachteil … ich habe leicht geschwitzt 🙂 Doch da kam mir die Idee, die offenen Parfümspender im Duty-Free-Shop zu nutzen. Also, bin ich mal nen Tag mit Hugo-Boss-Duft rumgelaufen 😉

    @Demokratie
    Also nach 1945 kann man schon von einem „Aufoktruieren“ der Demokratie in Deutschland sprechen, zumindest in den Alliierten Bereichen. Es gab damals auch kaum eine andere Alternative und manche mögen es „Siegerjustiz“ genannt haben.

    Was ich damit sagen will, weil ich weiß, dass eine Sichtweise „Aufokturieren der Demokratie“ in falsche Hälse kommen kann ;), ist, dass man politisch dem Volk auch klar machen musste/wollte, dass es die einzige Alternative ist … König & Kaiser haben zum 1. WK geführt, eine Diktatur zum 2. WK … da gab’s keine andere Alternative.
    Insofern war der 2. WK auch ein Sieg der Demokratie über Diktatoren (Dtl., I. … Spanien eigentlich auch irgendwie, wenn auch nicht 100%, würde ich sagen) und Kaiser (Japan).
    Was wäre passiert, wenn man dem Volk dies zur Wahl gestellt haben würde, z.B. per demokratischer Wahl ?;)
    Warum gibt es auch nach 60-70 Jahren noch eine nicht geringe Zahl von Menschen in Dtl. (und überall auf der Welt), die sich einen „starken Mann“ oder eine „starke Hand“ wünschen oder zumindest vorstellen können?
    Folglich – zumindest für mich – muss ein Staat, der sich Demokratie nennt sich auch verkaufen, im Sinne von zeigen, wie er Demokratie versteht und sich das vorstellt.
    Nun kann man einerseits dem „demokratiemüden“ Volk die Schuld geben, oder andererseits den „korrupten, nur auf Eigennutz bedachten“ Politikern. Beides greift zu kurz, weil es – natürlich 🙂 – immer der andere ist.

    Mir hat da Max Webers „Politik als Beruf“ (kleines Büchlein für unter 3 Euro – Überblick – http://de.wikipedia.org/wiki/Politik_als_Beruf) ganz gut getan. Er beleuchtet auch politische Systeme über die Demokratie hinaus.

    Und neben der mehr oder minder großen Freiheit hat Demokratie natürlich auch einen Nachteil. Die Mehrheit muss nicht immer im Sinne der Gesamtentwicklung denken und abstimmen 😉 … in solchen Fällen entscheidet sich die Politik dann lieber für „am Volk vorbei“, was wiederum zu Missstimmungen führen kann usw. usf.
    Der Nachteil der Masse ist auch jener, dass neue Entwicklungen nie sofort von vielen, sondern von wenigen gefördert werden. Darüber hinaus – was vielleicht weniger Demokratieimmanent ist – kommt hinzu, dass manche Dinge scheinbar alle wollen, doch es passiert praktisch nichts, weil diverse Interesse darüberstehen, z.B. in Dtl. ein einfacheres, effizientes Steuersystem.

    @Demokratie im Osten
    Hmm, freilich wollten die DDR-Bürger etwas anderes, doch ich bezweifle, dass viele da wirklich Ahnung hatten, was für eine Demokratie sie erwarten würde.
    Die westdeutsche Demokratie war in jedem Fall ein Fortschritt, doch auch sie wurde mehr oder minder am Volk vorbei „installiert“. Es gab eine Wahl (18.3.1990) und alles weitere lief automatisch ab. Der DDR-Bürger hatte lediglich die Wahl, wer die Demokratie einführen sollte. Und man entschied sich für einen Mann, dessen Ast im Westen längst am Abknicken war … oder habe ich da etwas vergessen. Okay, die „Runden Tische“ vielleicht, doch hatten die einen Einfluss auf die Wirtschaft und das Bankwesen? 😉

    Im Grunde sollte sich jeder Politiker und jeder Bürger fragen, in welcher Demokratie, in welcher Gesellschaft er eigentlich lebt und er (oder sie) leben möchte. Vieles der Problemewälzen und des Meckerns löst sich bei erweiterter Kenntnis der Zusammenhänge wahrscheinlich auf, und bei dem, was übrig bleibt, könnte man selbst anfangen.

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