Freude in der muslimischen Welt

In Pakistan und Afghanistan scheint das Fernsehprogramm nicht sehr fesselnd zu sein. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass unsere muslimischen Brüder und Schwestern* zu Tausenden freudig auf die Straßen liefen, um die Belanglosigkeit einer abgesagten Koranverbrennung zu feiern. Endlich war einmal wieder etwas los im tristen Alltag! Irgendwas mit Koran und dem Westen … na, egal. Hauptsache, Partylaune!

(*ach nein –  die Schwestern blieben wie üblich zu Hause)

Wenn man sich die Bilder in den Nachrichten ansah, konnte man tatsächlich gelegentlich auch lächelnde Gesichter erkennen, aber es überwiegten – wie üblich – die angry young men.

Meine Güte, möchte man denjenigen gern zurufen – es ist doch gar nichts passiert! Der Pastor in Florida hatte seine Aktion abgesagt. Gut, einige Trittbrettfahrer müssen anderswo vereinzelte Seiten oder komplette Bücher des Korans verbrannt haben, aber solange das nirgends im Fernsehen erscheint, hat es ebenfalls praktisch nicht stattgefunden! Haben die „Wag the dog“ nicht gesehen? Warum müssen manche Muslime sich trotzdem immer gleich so schrecklich ereifern? „Falls jemand unser heiliges Buch schändet, werden 1,5 Mrd. Muslime auf der Welt reagieren, auch die weniger religiösen!“, tönte ein pakistanischer Aufputscher. Ich denke, zumindest einige werden da nicht mitmachen. Die türkischen Kebab-Verkäufer von gegenüber wirken auf mich etwas zu entspannt, um sich am Dschihad zu beteiligen.

Jedenfalls stößt Toleranz bei solchen Bildern irgendwie an die Grenzen ihrer Möglichkeiten. Ist es zu vermessen, auch von archaischen Muslimen ein Minimum an Nachdenken zu verlangen? Denn selbst wenn da jemand einen Koran verbrennen würde – was soll‘s? Das ist lediglich ein Buch, ein Stapel bedrucktes Papier, ein Industrieprodukt. Es ist insofern nicht heiliger als das Telefonbuch. In der „Koran“-Buchbindemaschine ist keine zusätzliche Baugruppe integriert, die eine Komponente „Heiligtum“ mit einfügt. Vielleicht hätte der Amerikaner auch nur eine englische Übersetzung des Korans verbrannt? Da Muslime nur die arabische Version wirklich als verbindlich betrachten, wäre das doch gar nicht so schlimm gewesen? Und was sollte das Verbrennen eines Buches eigentlich bewirken? Schlimmer wäre gewesen, wenn eine Gruppe radikaler christlicher Hacker die Server der muslimischen Verlage geentert hätte. Den Koran weltweit in seiner digitalisierten Version zu löschen – das wäre ein echtes Problem für den Islam geworden! Zumindest für seine Buchindustrie.

Freilich – eine auch nur angedrohte Bücherverbrennung ist weder nett, noch zeugt sie von übermäßiger Intelligenz. Wenn jemand meinen Blog komplett ausdrucken und den Papierstapel dann verbrennen würde, wäre ich auch sauer. Insofern kann ich die Muslime ja verstehen. Aber müssen sie es gleich wieder übertreiben? Und wieso muss man als Ungläubiger, oder besser gesagt als Freidenker, religiöse Menschen häufig so mit Samthandschuhen anfassen? Was ist denn ein Gläubiger? Er ist lediglich Anhänger einer Theorie, mehr nicht. Es gibt aber noch viele andere Theorien in der Welt, z.B. dass es einen Urknall gab, dass die Blaue Mauritius viel Geld wert ist … über all das kann man halbwegs sachlich reden. Es gibt auch moderne Glaubensrichtungen, bei denen es manchmal in Diskussionen durchaus etwas härter zugeht, aber auch da habe ich noch nie erlebt, dass man vorgewarnt wird: „Der Karl ist übrigens LINUX-Anhänger. Vermeide also besser bestimmte Reizwörter, sonst rastet der aus und zersticht Dir die Reifen!“ Nein, man kommt durchaus auch bei solch unüberbrückbaren Positionen irgendwie miteinander klar.

Warum klappt das dann nicht auch mit Muslimen bestimmter Länder? Ich denke, es liegt an zwei Dingen: Erstens am Alkoholverbot. Ein entspannendes Feierabend-Bierchen könnte bei den aufgeregten jungen Männern sicher viel Positives bewirken, und nach einem schottischen Whisky sieht man vieles noch gelassener. Aber das lernen die ja alles nie kennen. Den ganzen Tag nur Tee trinken – das kann auf die Dauer nicht gesund sein. Dazu kommt als zweiter Grund noch: Wenn man in der falschen Gegend geboren wurde, sieht man auch nie einmal das Gesicht einer hübschen Frau. Man stelle sich vor: Den ganzen Tag nur von hibbeligen, unausgeglichen wirkenden bärtigen Männergesichtern umgeben zu sein – kein Wunder, dass man da gelegentlich überreagiert.

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