Aktion „Gläsernes Schulkind“

Ein seltsamer Fall von nicht vorhandenem Datenschutz liegt der heutigen „Sächsischen Zeitung“ bei: In der Beilage wurden anlässlich des Schulanfanges von allen Dresdner Grundschulen die Fotos (als Gruppenbild) mit allen neuen Schulkindern veröffentlicht. Und das auch noch mit deren kompletten Namen. Nun weiß ich, dass der Nachbarsjunge einen anderen Nachnamen hat, als bisher gedacht.

Ich neige nicht zu Paranoja, aber: Dürfen die das? Immerhin wird bei jeder Kleinigkeit nach Datenschutz gerufen, aber hier sieht man sogar, wer alles in die „Schule zur Lernförderung“ gekommen ist.

Immerhin wird beim Anschauen des Bildes der „Schule für Hörgeschädigte“ nun manchen Lesern klar werden, warum deren Nachbarskind auf Rufe wie „Finger weg von meinem Auto!“ bisher immer so schlecht reagiert hat. Und interessant finde ich, dass die Kinder in der Waldorfschule – gegenüber den anderen – auffällig viele Doppel- oder gar Dreifach-Vornamen tragen, die meiner Meinung nach auch viel über die Eltern aussagen. Was ja noch geht (das sind alles nur Vornamen!): Arved Mio, Sheela Marie, Fin Leon Paul, Noel Jerome, Heinrich Justus, Bruno Nathanel, Nathanel Georg. Aber bei Hedwig Alberta, Leonore Mechthild und Lena Henna Erdmute kann man sich ein „die armen Kinder!“ nicht ganz verkneifen.

(Nachtrag: Meine Hysterie war unbegründet – siehe Kommentar von Torsten)

6 Kommentare:

  1. Führt die Hysterie um Google Street View weiter ad absurdum.

  2. Nicht alle Kinder sind abgebildet bzw. namentlich aufgeführt. Nur die Kinder, deren Eltern explizit zugestimmt haben.

    Grüße,
    Torsten

  3. Ernsthaft? Das war immerhin der Grund für meinen Text – wenn wir auf Arbeit ein Projekt mit Kindern durchführen und dabei entstandene Fotos in Broschüren oder im Internet verwenden wollen, brauchen wir stets die Zustimmung der Eltern. Und ich konnte mir nicht vorstellen, dass das hier getan wurde (bei der Menge an zu befragenden Eltern).

    Aber wenn das so geschah, dann ist ja alles ok.

  4. Google Child View wäre noch ein brauchbarer Dienst …

  5. In meiner Kinderzeit war es was Selbstverständliches, dass Kinder in-und aus der Schule kamen. Heute ist dies Alles etwas Besonderes. Angefangen hat es, zumindest in der SZ, mit der Abbildung der Abiturienten. Als wäre es was Besonderes! Da beschwerten sich, zurecht, die Realschüler. Nun scheinen die Grundschüler nachzuziehen. Da wären dann noch nächstes Jahr die Absolventen der Berufsschulen, die Hauptschüler, die Schüler der Förderschulen….. Egal, ob mit oder ohne Einverständnis der Eltern ( unsere Tochter als Abiturientin ist 2006 nicht gefragt worden) ich finde es etwas übertrieben. Es sollte schon normal sein, dass man in die Schule kommt und auch einen Abschluss macht, egal welchen.

  6. Hmm, ich frage mich ja gerade, ob’s so etwas auch in anderen Städten gibt.
    Ob die Schüler überhaupt eine Wahl hatten, nicht mit auf’s Foto zu müssen, wenn sie nicht wollten?
    Hmm, vielleicht zieht aber einfach auch „ich war mal in der Zeitung“

    Ich gebe ja gern zu, dass ich gelegentlich in Gesprächen Sätze sage wie „Das gibt’s nur in Dresden …“ und ja, es sind nicht immer Dinge, wo ich sagen will „Da hat Dresden wirklich mal was Neues.“ im Sinne von da fühle ich mich als Wahldresdner irgendwie „stolz“. Wobei „stolz“ nicht das treffende Wort ist …

    Doch ansonsten stimmt es wohl wirklich, was ich ab und an von anderen hörte „Dresden und seine Schildbürger“ … ursprünglich waren die Schildbürger wohl mal richtig klug – http://de.wikipedia.org/wiki/Schildb%C3%BCrger

    Hmm, andererseits versuche ich mir seit Jahren, Mühe zu geben, gewisse Dinge in Dresden nicht überzubewerten oder am besten gar nicht zu bewerten.

    Insofern ist es vielleicht einfach eine nette Aktion der SZ, die das Zugehörigkeitsgefühl der Schüler zur Stadt Dresden demonstrieren sollte/könnte/möchte.

    Für Weihnachten kann man ja dann die Verkäufer-Teams diverser Läden mal in einer Sonderbeilage bringen 😉 …
    Oder „2010 – aus der Haft entlassen“ oder „2010 – aus der Reha entlassen“ oder „2010 – in die ARGE rein/aus der ARGE raus“ 🙂 … man das wäre doch n Markt, das sollte man der SZ vielleicht mal erzählen.
    Auch aus der Normalität der Banalitäten kann man genügend Stoff machen 😉

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