Google Street View

Nun also auch bald bei uns. Sollte man die von Google eingeräumte Möglichkeit wahrnehmen und fordern, seine Adresse unkenntlich machen lassen? Ich habe es gestern bereits erledigt*. Dass unsere Straße wegen Bedeutungslosigkeit möglicherweise nie fotografiert wird, ist erst einmal egal.

(* Nachtrag, 29.11.: Stimmt nicht. Ich hatte nur den ersten Antrag abgeschickt, dann nochmal in Ruhe darüber nachgedacht und es später gelassen. Heute bin ich froh drüber, denn es wäre mir inzwischen peinlich)

War das richtig? Konsequent und ehrlich ist diese Verhaltensweise meinerseits eigentlich nicht. Als uns kürzlich mein EX- Kollege Jørgen besuchte, machten wir regen Gebrauch von Street View. Wir ließen uns auf dem Großbildschirm vorführen, wo er in Hong-Kong wohnt. Es war sehr praktisch und informativ, dort so einen Rundum-Blick zu erhalten. Nun weiß ich sogar, auf welchen Stühlen „die Typen da immer vor der Kneipe sitzen“.

Insofern ist es nicht korrekt, eine Sache erst gern in Anspruch zu nehmen, um sie anschließend zu behindern. Das erinnert an Leute, die eine schnelle Verkehrsanbindung ins Stadtzentrum  fordern, gleichzeitig aber Tempo 30 vorm eigenen Haus wollen.

Und warum habe ich es trotzdem gemacht? Weil ich denke, dass die Digitalisierung der Welt auch ein paar Grenzen haben könnte. So ganz pauschal sollte man gelegentlich einfach mal Widersprüche gegen neue Erfassungstrends einlegen. Ja, ich weiß es selbst: Logisch ist das nicht. Aber da wir Menschen sowieso in den wenigsten Fällen wirklich logisch handeln, komme ich mit diesem Widerspruch zurecht. Ich denke schon, dass man Firmen ab und zu zeigen sollte, dass man nicht immer alle ihrer neuen Erfindungen rundum nur genial findet.

Es kommt dazu, dass ich unsere allgemeine Einstellung gegenüber solchen Dingen erstaunlich finde: Wenn der böse Staat einmal einige Daten erfassen will, sind wir sofort empört, unterzeichnen Anti-Petitionen und senden Protestmails, aber wenn es um eine trendige Sache aus dem Internet, besser gesagt aus dem hippen web2.0 geht, dann sind solche Erwägungen nebensächlich. Wir sind beispielweise sofort gegen die Volkszählung, weil der Staat dadurch ja zu viel über uns erfahren könnte, veröffentlichen darüber aber anschließend unsere komplette Meinung bei Facebook. Und das natürlich unter realname. Wenn der Staat alles über seine Bürger wissen wollte, bräuchte er nur dort nachzusehen.

So, und nun ab mit dieser Meldung auf die Facebook-Pinnwand!

 

Nachtrag: Wahrscheinlich werden noch viele Andere die Forderung nach Unkenntlichmachung bei Google nutzen. Naturschützer und Gewerkschafter werden anschließend resigniert feststellen, dass sie froh wären, wenn sich wenigstens einmal 10% so vieler Bürger für aus ihrer Sicht wirklich wichtige Aktionen engagieren würden.

Nachtrag 2: Solche Forderungen nach Unkenntlichmachung schaffen wahrscheinlich auch Arbeitsplätze bei Google. Sind also ganz wichtig, gerade jetzt (Krise und so …).

Nachtrag 3: Hier mal noch ein recht guter Beitrag Pro Street View

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