Herpetologie: Exkursion Lausitz

Gestern fuhr ich mit zur Jahresexkursion der DGHT-Stadtgruppe Dresden. Das Ziel war die Lausitz. Das klingt vielleicht nicht besonders exotisch, aber Naturfreunde wissen, dass die Lausitz eine sehr artenreiche Gegend und immer einen Besuch wert ist. Auf dem Programm standen mehrere Teichgebiete.

Der erste Laubfrosch. (Eher nebensächlich ist, dass ich es war, der ihn fand).

Ganz nebenbei widmeten wir uns auch diesmal wieder einigen kulturellen Erscheinungen am Wegesrand, beispielsweise der Wallfahrtskirche in Rosenthal.

Quellhäuschen mit Marienbild an der Wallfahrtskirche

Hier gibt es eine Quelle, deren Wasser heilsame Wirkungen für die Augen nachgesagt wird. Da ich bekennender Ungläubiger bin, lehnte ich es ab, mir trotzdem „nur mal so aus Spaß“ die Augen zu benetzen – von wegen „man weiß ja nicht, ob nicht vielleicht doch was dran ist …“. Nein! Da muss man schon einmal konsequent bleiben.


Jesus mit Birne

Am Quellhaus gibt es eine Besonderheit: Ein Marienbild mit Jesuskind, auf dem das Jesuskind eine Birne hält. Das findet man sonst nirgends. Ein Apfel (so wie ihn Maria hält) wäre normal gewesen. Aber warum eine Birne? Steckt eine geheimnisvolle Nachricht der Illuminaten dahinter, geht es um ein Rezept für Obstsalat oder war es nur künstlerische Freiheit bzw. Dilettantismus des Künstlers? Wir werden es wohl nie erfahren. Rätselhaftes Sorbenland!

Mordkreuz in Ralbitz

Ebenfalls ungeklärt ist, warum das Mordkreuz im nahegelegenen Ralbitz am Parkplatz steht. Mordkreuze wurden früher dort aufgestellt, wo ein Mensch umgebracht wurde. Häufig wurde dann auch die Tatwaffe mit abgebildet. Im vorliegenden Fall ganz eindeutig: Eine Kalaschnikov! Aber wer dort zu Tode kam und warum? Ein weiteres Rätsel. Nicht so rätselhaft sind dagegen die weißen Kreuze auf dem nebenan gelegenen Kirchfriedhof. Alle Gräber tragen identisch gestaltete weiße Kreuze, um so die Gleichheit der Menschen vor Gott – auch nach dem Tod – zu verdeutlichen. Nach dem dortigen Besuch widmeten wir uns noch dem bereits 1943 verstorbenen Naturfotografen Rudolf Zimmermann, der sich im Ort Entenschenke oft im gleichnamigen Gasthaus aufgehalten hatte. Er ist heute hauptsächlich noch in Ornithologenkreisen bekannt durch seine – für die damalig verfügbaren Aufnahmetechniken – beeindruckenden Vogel-Aufnahmen.

Friedhof Ralbitz-Rosenthal

In den Teichgebieten fanden wir zunächst weniger Tiere als erwartet, aber es war trotzdem fast alles zu anwesend, was erwartet wurde. Was fanden wir nicht? Erwachsene Knoblauch- und Wechselkröten (aber die sieht man sowieso fast nur nachts), Kreuzottern und Seefrösche. Wir hatten auch viel mehr Laubfrösche erwartet. Und wir begegneten leider keinen fotogenen Ringelnattern. Einmal fand ich selbst eine recht große, allerdings flüchtete sie unter Brombeerranken, was ich erst beim Versuch des Fangens und dabei wiederum sehr deutlich an den Händen spürte.

Ersatzfoto aus den letzten Jahren: Ringelnatter, sich totstellend

Da die Teiche voller Kaulquappen waren, stellte sich das alte Problem der Bestimmung. Teilweise sind sie schwer unterscheidbar, so dass nicht ganz klar wird, welche Art man vor sich hat. Die ganz großen sind relativ eindeutige Kandidaten: Knoblauchkröten.

Larve der Knoblauchkröte

Bereits recht beachtliche Exemplare, aber sie können noch größer werden.

Ja – die Tiere schwammen bald wieder im Wasser!

Von der Länge her könnten es aber auch See- oder gerade noch Teichfrösche sein, allerdings beginnt bei denen der Rückensaum erst weiter hinten (am Schwanzansatz) und die Augen liegen nicht so seitlich. Um Teichfrösche dürfte es sich hierbei handeln:

Und so sehen sie später einmal aus:

Teichfrosch (bzw. „Wasserfrosch“)

Sind sie nicht süß? Doch so können nur Menschen denken, die abends wieder heim fahren. Ganz bestimmt aber nicht diejenigen, welche direkt in der Nähe wohnen. Und auch ich gebe zu, dass ich zwar Amphibienfreund bin, aber nicht unbedingt direkt neben einem Teich mit Wasserfröschen leben möchte. Wer sich einen Gartenteich anlegt, obwohl er weiß, dass in der Gegend solche Tiere leben – der ist selbst schuld. Schuld an den bald schlaflosen Nächten, denn es wird nicht lange dauern, bis die ersten Frösche den Teich gefunden haben und mit ihrem Konzert beginnen. Dagegen sind die hier fast noch harmlos:

Rotbauchunke

3 Unken im Kescher

Die sind zwar auch laut, klingen aber in der Masse angenehmer. Am lautesten (und am hübschesten) sind Laubfrösche. Wenn man diese meist 3-4 cm kleinen Tiere vor sich sieht, kann man sich kaum vorstellen, was für Lärm sie erzeugen können.

Laubfrosch auf einer Eiche

Noch ein paar andere Tiere …

Schwanenpaar beim Nestbau

Libelle (Art unbestimmt)

Vogelnest, Bodenbrüter (Art unbestimmt)

Zum Tagesabschluss besuchten wir noch ein Vogelreservat: Den sehr empfehlenswerten Tauerwiesenteich bei Förstgen. Dort gibt es einen Beobachtungsturm, von dem aus man u.a. Kraniche, Flussseeschwalben und sogar Seeadler beobachten kann. Voraussetzung ist allerdings ein gutes Fernglas. Auf der Fahrt dahin begann es in Strömen zu regnen. Das war’s wohl, dachten wir. Aber wir fuhren trotzdem weiter, da wir nun schon einmal unterwegs waren. Der See lag völlig verregnet vor uns. Ein paar nasse Kormorane waren zu sehen, zwei Graureiher standen am Ufer – weiter nichts.

Die Bildstörungen sind keine digitalen Fehler, sondern analoger Regen

Doch allmählich entdeckten wir tatsächlich immer mehr. Weit entfernt, am gegenüberliegenden Seeufer, war an einem Baum ein auffälliger Punkt: Der erste Seeadler! Nach einer Weile sah jemand den zweiten. Und später noch einen dritten. Der dunkle Fleck im etwas näheren Gebüsch einer vor uns liegenden Insel entpuppte sich als Fischadler. Kraniche sahen wir nicht. Angeblich ist die schönste Zeit für einen Besuch früh am Morgen, so gegen 6 Uhr. Da kann man die Seeadler beim Fischfang beobachten. Man muss nur sehr zeitig aufbrechen, denn direkt dort am See darf man nicht übernachten, was wohl auch kontrolliert wird.

Zum Abschluss noch ein Beispiel für dort mögliche Anblicke, wenn man zum günstigeren Zeitpunkt und mit besserer Fotoausrüstung anwesend ist: Seeadler am Tauerwiesenteich.

Ein Kommentar:

  1. Guten Tag,
    Ich arbeite für das Naturmuseum Sion (CH) und bin verantwortlich für das Bildmaterial unserer Dauerausstellung. Auf der Suche nach einer sicht totstellenden Schlange bin ich auf Ihre Internetseite gestossen. Nun möchte ich wissen, unter welchen Bedingungen ich Ihr Ringelnatternbild in unsere Infosäule integrieren darf.
    Vielen Dank und freundliche Grüsse
    S.Gerber

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