72 dpi

Seit vielen Jahren hört und liest man immer wieder, man müsse Digitalbilder für die Verwendung im Internet mit 72 dpi versehen. Da sich diese Meinung festgesetzt hat, wird sie auch hartnäckig so weiter gegeben. Und alle sind sich ganz sicher damit, immerhin sagt das ja jeder. Denn ein Fakt wird bekanntlich wahrer, je mehr Leute ihn nachplappern.

Ich habe hier auch ein Bild mit den Eigenschaften „72 dpi“ versehen:

72 dpi

Aber warum eigentlich unbedingt 72 dpi? Warum nicht einige dpi mehr, am besten gleich 1000?

1000 dpi

Hm. Geht scheinbar auch. Ein Unterschied ist nicht zu sehen. Vielleicht reichen dann auch weniger? Zum Beispiel, na … sagen wir mal, 14,5 dpi?

14,5 dpi

Komisch … sehen alle gleich aus. Wieso denn das? Ist diese Angabe möglicherweise völlig egal?

Ja, genau so ist es. Die dpi- Angabe ist nicht nur egal, sie wird bei Bildschirmausgaben sogar komplett verworfen. Man kann da also hineinschreiben, was man will. Das einzig Entscheidende ist die Pixelanzahl des Bildes, denn nur diese ist dafür entscheidend, wie groß ein Foto auf Bildschirmen (also auch Fernsehern und Beamern) ausgegeben wird:

100 Pixel breit

300 Pixel breit

500 Pixel breit

Jedes Pixel des Bildes wird einem Pixel des Bildschirmes** zugeordnet. Dpi- Angaben ergeben da gar keinen Sinn, denn die dpi-Zahl sagt ja aus, wie viele Pixel sich über ein Zoll, also über eine Längeneinheit verteilen. Aber spätestens bei der Wiedergabe über einen Beamer kann der PC oder DVD-Player gar nicht „wissen“, wie groß das Bild sein wird, also über welche Abmessungen sich die Pixel verteilen. Sobald man am Zoom des Beamers etwas verstellt oder ihn vor oder zurück schiebt, ändert sich die Bildgröße auf der Leinwand. DPI-Zahlen ergeben nur einen Sinn, wenn das Bild auf einem Träger mit eindeutig bekannter Größe ausgegeben werden soll, also im Druck oder in der Druckvorbereitung.

(** nicht die physischen Pixel des Monitors, sondern die eingestellte Auflösung, mit der er betrieben wird)

Geräte mit 72 dpi gibt es praktisch auch kaum noch, denn mit der Dichte von 72 Pixeln pro 2,5 cm lagen die Leuchtpunkte auf einem durchschnittlichen Röhren-PC-Monitor beieinander. Deren Tage sind eindeutig gezählt.  Die heute üblichen TFT-Monitore sind viel schärfer (typisch 90 – 100 dpi). Mein kleiner Pocket-PC hat mehr als 200 dpi, ein iPhone 163 … man könnte nun noch weitere Beispiele suchen. Auf 72 wird man nirgends kommen.

Fazit: Wer weiterhin hartnäckig in den Eigenschaften von Bildern fürs Internet 72 dpi eingeben will, kann das machen. Das fällt unter „Traditionspflege“, und die ist auch wichtig. Und direkt falsch sind 72 dpi ja auch nicht, denn irgendein Wert wird so oder so vermerkt.

Um anschließend ignoriert zu werden.


Nachtrag: Hier gibt es noch eine etwas ausführlichere Erklärung, allerdings mit demselben Fazit

6 Kommentare:

  1. Stimmt! Dpi sind für den Druck sehr wichtig aber auch für WEB. Sie haben zwar keinerlei Auswirkungen auf die Anzeigequalität – auf die Größe einer Bilddatei schon. Je größer die Datei umso länger braucht sie um geladen zu werden, oder irre ich mich?

    LG

  2. Jein: Die Veränderung des DPI-Wertes kann eine Auswirkung auf die Bildgröße haben, muss aber nicht. Das wäre aber ohnehin die falsche „Stellschraube“.

    Für die Ladezeit entscheidend ist ausschließlich die Dateigröße, welche wiederum von zwei Faktoren abhängt: Von der Pixelmenge (also der Bildgröße in Pixel) und der Stärke der beim Speichern angewendeten jpeg-Kompression. Dass verschiedene dpi-Werte bei identischer Bildbreite, identischem Bildinhalt und gleicher Kompression keine unterschiedlichen Dateigrößen ergeben, siehst Du ja hier bei den hier eingefügten Bildern (Bild 2 – 4, die mit je 300 px Breite): Einfach mal downloaden und die Dateigröße vergleichen. Sie sind alle 21 kB groß, trotz unterschiedlichen dpi-Werten.

    In diesem Blog werden Bilder direkt im Text mit max. 500 Pixel Breite angezeigt (nach Anklicken mit max. 1000). Insofern wäre es also für mich unsinnig, Bilder mit mehr als 500 (bzw. 1000) px Breite einzufügen, weil sie:

    – überflüssige Informationen enthalten, welche
    – die Ladezeit der Seite sinnlos erhöhen und
    – vom Browser anschließend sowieso verkleinert dargestellt würden

    Das bedeutet für mich: Die 500 Pixel Breite sind das allein entscheidende Kriterium. Das muss ich im Bildbearbeitungsprogramm bei der Skalierung vorgeben. Ob das so entstandene Bild anschließend die Angabe enthält „240 dpi“ (was einer Druckausgabe von 5,3 cm Bildbreite entspräche) oder 72 dpi (=17,6 cm) oder sonstwas, ist völlig egal – diese Angaben werden bei Bildschirmausgaben ignoriert und gedruckt werden soll das Bild ja nicht.

    Wenn ich im Bildbearbeitungsprogramm dagegen an den dpi-Werten herumschraube, dann ist das die falsche Herangehensweise. Was dann passiert, hängt auch vom Programm ab: In Photoshop ändert sich dann die Pixelmenge (aber schwerer kontrollierbar), in Paint.NET bleibt sie gleich und nur die cm-Angaben ändern sich.

    Mein Fotoapparat liefert mir Bilder mit 3008 px Breite. Wenn ich die Bildgröße in Photoshop auf 500 px verringern wollte, indem ich die dpi-Angabe verändere (anstatt bequem bei „Breite“ „500“ einzutippen – natürlich mit Maßeinheit „Pixel“), würde das zu unsinnigen Probierereien führen. In meinem Fall würde ich entdecken, dass ich mit 39,9 dpi genau 500 px breite Bilder erhalte. Das trifft aber nur bei diesem Ausgangsmaterial zu – bei jedem anderen Fotoapparat müsste ich wieder neu herumprobieren oder rechnen. Diese Herangehensweise wäre völlig umständlich und überhaupt nicht nachvollziehbar.

    Fazit: Für Web-Ausgabe ist allein die Pixelmenge entscheidend. Diese auf den gewünschten Wert zu bringen, indem man die dpi-Werte ändert (sofern im Programm überhaupt möglich) ist der umständlichere (und unsinnige) Weg.

  3. Danke Frank!!!

    Jetzt weiß ich mehr 🙂

  4. Vielleicht noch eine Ergänzung, wie man es sich auch merken kann: Pixel sind per Definition immer dimensionslos. Erst bei der Ausgabe eines Bildes werden aus den Pixeln Bildpunkte einer bestimmten Größe. Die Angabe in der Bilddatei ist lediglich ein unverbindlicher Hinweis für die Hard- und Software, die das Bild anzeigen soll.

    Und die 72 dpi für den Bildschirm stimmen schon lange nicht mehr. Viele Monitore haben 96 bis 120 dpi. Das Retina-Display von Apple hat inzwischen schon 326 dpi.

  5. Lieber Frank,
    Wie kann dein Bild 72DPI haben, wenn DPI (meines Wissens nach) DOTS per Inch bedeutet -> Punkte pro Zoll -> also Druckpunkte.?

    In meinem Photoshop zb. Kann ich nur PPI (Pixel per Inch) umstellen.

  6. DPI und PPI ist im Prinzip dasselbe, denn DPI und PPI sagen ein und dasselbe aus: Wie viele Punkte des Bildes sollen auf der Längeneinheit 1 inch ausgegeben werden? Diese Punkte im Bild sind immer die Pixel, mit einer eventuell abweichenden Auflösung eines Druckers hat das erst einmal nichts zu tun. Der Drucker erhält sowohl aus der dpi- als auch aus der ppi-Angabe die Information, über welche Größe er das Bild auf dem Druckmedium ausgeben soll. Und bei Bildschirmausgaben sind beide Angaben (dpi und ppi) irrelevant und werden verworfen.

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