Papierloses Büro

Ein Freund von mir schilderte gestern folgende Situation:

Ich sitze gerade ziemlich fassungslos am Arbeitsplatz und komme mir wieder einmal vor wie der Rentner, der wegen dem Röschenhof beim Radio angerufen hat: Es ist zum Verzweifeln!

Bei mir allerdings nicht wegen vermeintlich falsch ausgesprochener Namen, sondern weil manche Leute einfach nicht verstehen wollen, dass Arbeitsabläufe effektiver sein können, wenn man nicht permanent alles erst einmal ausdruckt. Heutiger Fall: Ich soll ein Dokument an jemanden senden. Dieses Dokument wird bei uns gelegentlich verwendet und liegt deshalb als Excel-Datei vor. Eigentlich muss man es nur am PC ausfüllen und kann es dann per Mail an den üblichen Empfänger senden. Dem Empfänger ist es übrigens auch sehr recht, solche Dinge bereits als Datei zu erhalten. Statt dessen hat mein Zuarbeiter das Dokument ausgedruckt und handschriftlich ausgefüllt. Wir haben also ein wenig Strom verbraucht, etwas Toner verbraucht und etwas Papier verbraucht. Gut – das sind Kleinigkeiten. Aber was mich an der Stelle wahnsinnig macht: Ich muss doch diesen ganzen Kram nun wieder abtippen! Das kostet die doppelte Zeit! Letztlich sogar mehr, da man bei Handschriften immer an Stellen gerät, wo man „was soll das bedeuten?“ rätselt und erst Wörter dechiffrieren muss. Außerdem scheint der handschriftlich verfasste Text aus einer E-Mail abgeschrieben worden zu sein … muss ich dazu noch etwas sagen?  Da gab es doch diese geheimen Windows-Befehle mit STRG+c und v und so …

Mein Zuarbeiter hatte mich erst vor wenigen Wochen genauso fassungslos dastehen lassen, als ich ihn darauf hin wies, dass er jemandem eine veraltete Angabe gegeben hätte. „Ja, aber das steht doch hier so auf meinem A4-Blatt“, erfuhr ich. Dieses A4-Blatt, erklärte ich, sei doch aber nur die ausgedruckte (und damit höchstwahrscheinlich immer veraltete) Version einer Excel-Tabelle, deren Inhalt sich gelegentlich ändert. Wenn man, erläuterte ich weiter, statt des Zettels die Datei einsieht, erhält man immer die aktuell verbindlichen Angaben. Die könne man sich ja auch als Verknüpfung auf dem Desktop ablegen und kann es so schneller öffnen, als wenn man immer erst den Aktenordner aus dem Schrank zieht und darin blättert. „Ach so – stimmt“, erhielt ich als Antwort.

Und gleich darauf (leider kein Scherz): „Ich druck’s mir gleich mal aus!“

 

Falls jemand die Geschichte tatsächlich immer noch nicht kennen sollte: „Es heißt Rös’chenhof!“

3 Kommentare:

  1. Ich fühle so mit Dir. Ich habe jahrelang als Hilfskraft an der Uni dieselben Erfahrungen machen müssen. Deutschlands geistige Elite ist noch nicht im digitalen Zeitalter angekommen.

  2. Der Kampf gegen die Ignoranz dieser Welt gleicht schon ein wenig der Arbeit eines gewissen altertümlichen Herrn der immer und immer wieder einen Stein einen Hügel hinaufrollen musste, oder?
    Aber nicht aufgeben, irgendwann sind diese Ignoranten ausgestorben.

  3. Schön (oder je nach Sichtweise „schade“), dass noch andere Mitleidende gibt. Ich werde diese Kommentare gleich erst einmal ausdrucken!

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