ANIMA, Tag 3-5

Es ist jedes Mal eine spannende Woche, aber irgendwie ist man dann auch jedes Mal froh, wenn alles vorbei ist. Ich möchte nicht wissen, wie viele Monate nun noch überall verschiedenstes Zeug in der Gegend herum stehen wird. Ich hatte diesmal nicht viele fertige Filme erwartet, denn als ich Donnerstags wieder einmal meinen Rundgang machte und bei den Vertonern vorbeikam, stellte ich fest, dass diese noch keinen einzigen Film mit Musik und Geräuschen versehen hatten. Und es war schon Nachmittag! Damian Borowiec, der das bis zum letzten Jahren stets gemacht hatte, konnte mittwochs meist immer schon die ersten fertigen Werke abspeichern. Ich erwartete insofern nichts Gutes für die Abschlussveranstaltung. Ich war von unseren drei Filmmusik-Komponisten sowieso etwas angepiekst, da sie komplett an der installierten Studiotechnik vorbei arbeiteten. Da richtet man erst extra alles so ein, dass es für Filmvertonung gut verwendbar ist, und dann wird es nicht benutzt. Und das, obwohl Sprüche kamen wie – ah, den Soundwandler habt Ihr … toll, den verwende ich auch … diese Software ist installiert – die ist gut, die beherrsche ich! Stattdessen sah ich das, wofür man bei uns sonst den Hinauswurf riskiert: Vollgekrümelte Kuchenteller und jede Menge halbvolle Kaffeetassen und offene Flaschen neben den Mischpulten, im Arbeitsverzeichnis des Studio-PCs fanden sich Torrent-Dateien … na, da ist er wenigstens für eine Sache eingesetzt worden!

Aber okay – es ist nun einmal ein Workshop. Da wird viel gebastelt, das ist einfach so. Da verändert man etwas, man bringt eigene Geräte mit, man hinterlässt nicht alles perfekt aufgeräumt.

Am letzten Tag ist es bei der ANIMA immer so, dass sich alles etwas verzögert. Die letzten Filme kommen immer erst mit leichter Verspätung. Diesmal zögerte es sich aber wirklich ewig hinaus. 19 Uhr sollte es losgehen (fertig waren wir 22 Uhr). Und statt in der Zeit das Büfett zu eröffnen (es hatte noch niemand Abendbrot gegessen und es waren auch Kinder dabei), ergriffen anwesende Musiker die Gelegenheit, um ihre Lieblingslieder inbrünstig zur Gitarre vorzutragen. Wenn man Filmmusik herstellt, bedeutet das leider nicht automatisch, dass man auch gut singen kann. Und da kann derjenige ansonsten noch so sympathisch sein – ich erfand einen Grund, um den Saal zeitweilig verlassen zu können.

Von allen Teilnehmern und Mentoren wird ein Panoramafoto gemacht. Technik: Analoge Panoramakamera Noblex

Endlich ging es dann los. Und das glich alles aus. Unsere drei Soundtrack-Produzenter hatten tatsächlich (fast) alles noch geschafft. Noch nie waren so viele Filme bei einer ANIMA fertig vertont, wie dieses Mal. Und sie waren richtig gut vertont. Nichts gegen Damian, der hat das auch immer toll gemacht, aber er hatte einen anderen Stil und hier kamen einfach einige neue Töne hinzu. Auch die Filme waren wieder richtig gut. Einige waren noch nicht fertig, aber das ist normal. Einer wurde noch einmal komplett neu gemacht, nachdem ein fremder Computerbenutzer alles gelöscht hatte. Ein paar Teilnehmer werden wir also noch ein paar Mal wieder sehen.

Der Film, der zweimal entstand

Und was sich andeutet: Die Zeit der Amiga-Computer scheint doch zu Ende zu gehen. Die Teilnehmer, die damit arbeiten mussten, ertrugen die ständigen Abstürze zwar stoisch, aber diese werden allmählich immer häufiger. Das kann man niemandem mehr anbieten.

Vom Aussterben bedroht: Arbeitsplatz mit Amiga ("Draco")

3 Kommentare:

  1. Kann man die fertigen Werke irgendwo begutachten?

  2. Momentan noch nicht, aber wenn ich alle Filme erhalten und umcodiert habe, dann werden sie hier zu sehen sein
    http://www.medienkulturzentrum.de/index.php?id=51&no_cache=1

    Das wird aber erfahrungsgemäß mindestens noch 1-2 Wochen dauern.

  3. Pingback:ANIMA 2010

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