ANIMA 2010, Vorbemerkungen

Ich musste soeben einen offiziellen Text für meine dienstliche website schreiben. Mann, ist so etwas langweilig! Man darf dabei ja nie in einen leicht flapsigen, geschweige denn ironischen Tonfall geraten. Mir ist also insofern zwar viel eingefallen, aber das waren alles Sachen, die dort nicht hingehören. Auf dieser Basis entstehen wahrscheinlich die meisten Texte auf ähnlichen Seiten und dementsprechend trocken lesen sie sich dann. Deshalb mache ich heute etwas neues: Dual-Blogging. Ein Thema 2x schreiben, allerdings unterschiedlich.

Es geht um die ANIMA. Wenn man das bei Google eingibt, findet man die eigenartigsten Dinge, allerdings nicht den hier gemeinten Trickfilmworkshop. Dabei gibt es ihn schon ziemlich lange und er hat sogar eine Internetseite (1). Rolf Birn, geistiger Vater und Leiter, betreute schon früher in der DDR das Trickfilmstudio Fantasia im Schloss Albrechtsberg. In diese Zeit geht auch sein jährlicher Workshop zurück, wie man sich leicht selbst ausrechnen kann (jetzt läuft der 28.). Ich bin Rolf damals schon über den Weg gelaufen, allerdings nicht als Filmer, sondern als Mitglied der AG Junge Terrarianer, die eine Etage über ihm im Schloss residierte. Wir waren die, welche immer die Treppen mit Schlamm oder Kies einsauten, was uns manchmal freundlich hinterhergerufene Worte Herrn Birns einbrachte. Was uns natürlich nicht weiter interessierte. Jedenfalls wurden die Arbeitsgemeinschaften in den 90ern dort – na, heute würde man sagen: „Ausgegliedert“. Die Leute mit dem Viehzeug landeten im Großen Garten, im heutigen „Jugendökohaus“. Und Fantasia gelangte nach einigen Wirren zu uns. Eine ganze Etage gibt es hier freilich nicht mehr, schon gar nicht weit oben im Nordflügel eines Schlosses, sondern nur noch in der hintersten Ecke im Keller, wo auch noch das Internet am langsamsten ist. Doch einmal im Jahr öffnen wir die Türen und Rolf darf sich mit seinen Gästen hemmungslos ausbreiten und jede verfügbare Nische mit improvisierten Arbeitsplätzen belegen.

Die sind manchmal wirklich sehr improvisiert, allerdings entstehen ja auch die unterschiedlichsten Filme. Was es hier nicht gibt, ist Computeranimation. Dafür alles andere: Legefiguren, selbstgebaute Puppen aller Art, Knetefiguren, Sand- (wie nennt man das, wenn damit auf Flächen Figuren und Strukturen animiert werden?) … eben alles, was es gibt. Computer kommen natürlich trotzdem zum Einsatz, denn die Einzelbilder müssen ja irgendwie aufgenommen werden. Was mich daran immer wieder beeindruckt ist, dass Rolf heute noch seine uralten DraCos verwendet. Dahinter verbirgt sich Amiga-Hardware. Die erfüllen einfach nach wie vor ihren Zweck. Wenn ich nicht selbst das Gegenteil wüsste, würde ich vermuten, dass kein Mensch mehr einen Amiga verwendet. Wahrscheinlich könnte man mit den Dingern heute sogar gefahrlos ins Internet. Einfach weil sie für Virenschreiber eine zu uninteressante Randerscheinung geworden sind.

Noch ist hier und in allen anderen Räumen viel Platz …

Links

(1) Fantasia Dresden

Ein Kommentar:

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