Wein und Käse

Ja, nach diesem enthüllenden Text über die geheimen Verflechtungen von Wirtschaft und Politik habe ich nun Angst, dass ein Sturm der Entrüstung losbricht, der zum allgemeinen Wirtschaftsboykott aufruft. Doch das muss nicht sein! Es gibt auch positives zu berichten, beispielsweise von lokalen Kleinunternehmern.  Einer davon, der Winzer Müller, bietet regelmäßig thematische Abende an, in denen es um gepflegte Alkoholika geht. Hauptsächlich um Wein. Gestern Abend ging es (Leser, die die Überschrift aufmerksam durchgelesen haben, werden vielleicht bereits eine gewisse Vermutung hegen) … richtig: Es ging um Wein und Käse.  

Herrn Müller findet man im Kavaliershaus bei Schloss Albrechtsberg, was bekanntlich früher die Gärtnerei war, als das Schloss noch korrekt „Pionierpalast“ hieß. Also, wenn man vom Pionierpalast aus zum alten Freilandterrarium der AG „Junge Terrarianer“ geht, kommt man automatisch an dem Haus vorbei, in dem diese Verkostungen heutzutage stattfinden. Man kann es kaum verfehlen. Es sei denn, man sucht zuerst vergeblich nebenan im Gelände vom Schoss Eckberg und kommt dann drei Minuten zu spät, aber so blöd wird ja auch kaum einer sein. Wie komme ich überhaupt auf so etwas?

Jedenfalls war es ein interessanter Abend, den ich empfehlen kann. Es ist wirklich beeindruckend, wie verschiedene Käsesorten mit unterschiedlichen Weinen wirken. Manche ergeben einen interessanten Kontrast, andere bereichern den Weingeschmack um zusätzliche Noten oder frischen ihn auf, einige passen nur zu einigen Weinen und bringen bei anderen kaum etwas. Und manche passen derart perfekt zu nur einer bestimmten Weinsorte … das ist schon erstaunlich. Ich habe mir die Wein- und Käseorten nun allerdings nicht gemerkt. Das halte ich auch nicht für den Sinn  der Sache. Das Interessante an solchen Verkostungen ist ja eher, dass man unterschiedliche Nuancen und Wirkungen kennenlernt und dann selbst weitere Varianten ausprobiert.

Aus Sicht von Herrn Müller stelle ich mir solche Veranstaltungen aber teilweise auch etwas deprimierend vor: Er fragt zum Beispiel „wie finden Sie diesen Wein?“, und hofft vielleicht auf eine Antwort wie „ … das facettenreiche Bukett kontrastiert auf subtile Weise mit dem nuanciert fruchtig anhaltenden Abgang…“, doch dann hört er nur „der ist nicht schlecht“, oder „den kann man gut trinken“, oder das sehr konkrete „der ist lecker!“, was sich dann nur noch von „der haut ordentlich rein!“ toppen ließe. Aber das ist nun einmal so, wenn man Veranstaltungen durchführt, bei denen die Teilnehmer – sozusagen systembedingt – mit der Zeit immer angetrunkener werden: Die bekommen immer mehr Spaß an der Sache. Der Veranstalter hat als Ausgleich für die Lautstärke, gegen die er ankämpfen muss, aber auch selbst etwas Spaß, sofern er die von den Teilnehmern inzwischen erzählten Witze nicht schon in der letzten Veranstaltung gehört hatte.

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