Kino Metropolis schließt wegen Brücke (?)

„Die Bauarbeiten an der Waldschlösschenbrücke kosten Dresden nicht nur den Titel Weltkulturerbe sondern jetzt auch ein Stück Kinokultur.

Während in den vergangenen Jahren im „Metropolis“ durchschnittlich 150.000 Besucher zu Gast waren, werden es in diesem Jahr nur 90.000 sein. Unter diesen Umständen ist ein wirtschaftlicher Betrieb des Hauses nicht mehr möglich. Deshalb hat sich Kinobetreiber Frank Apel im Einvernehmen mit dem Vermieter entschlossen, den Kinobetrieb bis auf weiteres einzustellen. Die vorläufig letzten Bilder werden am 30.12.2009 über die Leinwand flimmern.“

So lautet die Pressemitteilung von Metropolis Film Dresden, also des Kino-Betreibers Frank Apel. Ich frage mich, was man davon halten soll? Inwiefern sollte der Bau unserer berühmten Brücke für den Rückgang der Zuschauerzahlen verantwortlich sein? Das Kino war von Anfang an ein Verlust-Objekt. Als Mitte oder Ende der 90er im Waldschlösschenareal noch ein weiteres Kino – zunächst unter dem Namen „Bofimax“ – gebaut wurde, meinten schon viele, das könne nichts werden. Denn alle, die sich mit der Kinolandschaft unserer Stadt auskannten, wussten, dass es bereits zu viele Kinos in Dresden gab. Das „Bofimax“ lag außerdem verkehrstechnisch ungünstig, was am wirtschaftlichen Erfolg von vornherein zweifeln ließ. Später wurde am Schillerplatz sogar noch ein weiteres Kino gebaut, das „CinemaxX“. Und tatsächlich war das „Bofimax“ bald pleite. Frank Apel, u.a. Betreiber der „Schauburg“ übernahm daraufhin dieses Kino und benannte es in „Metropolis“ um. Das wurde damals in der Szene als ziemliches Wagnis diskutiert und eher als Konkurrenzverhinderung betrachtet. Ich war nur selten im „Metropolis“. Wenn ich einmal dort war, waren die Vorstellungen nie besonders gut verkauft. Kann freilich Zufall gewesen sein. Inzwischen hatte Apel auch noch das – ebenfalls unwirtschaftliche – „CinemaxX“ übernommen. Dass das „CinemaxX“ am gut erreichbaren Verkehrsknotenpunkt Schillerplatz der nächste Todeskandidat der Dresdner Kinolandschaft sein würde – das war nicht so eindeutig absehbar gewesen. Aber so war es bald: Pleite. Und dieses Kino übernahm Frank Apel nun auch noch. Ich hörte danach häufig Bemerkungen wie: „Muss er letztlich selbst wissen, aber …“ Es wurde allgemein als verwegene Sache betrachtet.

Hat ja auch nicht lange funktioniert. Auch im „CinemaxX“ waren die unverkauften Plätze stets in der Übermacht. Wenige Jahre später gab Apel es wieder auf. Dass das „Metropolis“ auch so lange und sogar länger durchhielt, hat mich immer erstaunt. Aber niemand kann mir einreden, dass es jemals großen Gewinn abgeworfen hat.

Der allgemeine Prozess des Zuschauerschwundes in Kinos ist schon ausgiebig untersucht worden, darauf muss ich nicht noch einmal eingehen, bestenfalls in Stichpunkten: Alles kommt immer auch bald im Fernsehen, große Flachbildschirme und Dolby Surround hat man auch zu Hause, es gibt DVDs, BlueRay (und illegale Internetquellen) – warum sollte man also noch ins Kino gehen? Und dann gibt es noch den Effekt allgemeiner medialer Übersättigung. Ich gebe zu, dass ich selbst schon lange nicht mehr im Kino war. Ich interessiere mich u.a. auch für Filme, sehe aber keinen Anlass mehr, deshalb ins Kino zu gehen. Es gibt keinen Grund mehr. Man kann sich auch gern fragen, aus welchen technischen Beschränkungen beim Filme-zeigen-wollen Kinos überhaupt erst einmal entstanden sind? Diese Einschränkungen gibt es heute ganz einfach nicht mehr.

Die Waldschlösschenbrücke ist nun also an der Schließung des Kinos „Metropolis“ schuld? Der logisch nachvollziehbare Zusammenhang würde mich sehr interessieren. Denn ausgerechnet dieses Kino wäre einer der wenigen Nutznießer der fertiggestellten Brücke gewesen. Denn dann hätten die Einwohner aus der Johannstadt und Striesen viel problemloser „mal schnell ins Kino gehen“ können, was bisher für diese Leute deutlich umständlicher war.

Ich stelle hier mal die kühne These auf, dass das „Metropolis“ einfach nur wieder einmal ganz normal pleite war. Mit oder ohne Brücke. Und Herr Apel möchte nun lediglich noch einen gewissen Gewinn daraus schöpfen. Die Logik ist folgende:

– Apels Hauptgeschäft ist die „Schauburg“, welche vor allem von den Neustädtern besucht wird.

– Die Bewohner der Neustadt sind überwiegend Brückengegner

Das war’s eigentlich auch schon. Ich habe mich sowieso schon oft gefragt, wie Frank Apel sich bisher positioniert hat, wenn er von seinem Stammpublikum nach seiner Meinung zum Brückenbau befragt wurde. Darauf eine befriedigende Antwort zu geben – das stellte ich mir immer schwierig vor. Aber nun ist es ja wieder leicht: Das „Metropolis“ ist so oder so pleite und da kann man mit einem Seitenhieb auf die Brücke wenigstens noch beim Publikum Sympathie ergattern und Zulauf erhoffen.

Aus rein marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten ist das sogar absolut nachvollziehbar.

Ein Kommentar:

  1. Ich sag’s nur ungern, aber vielleicht hast Du recht. Ich war erst ganz traurig über die Nachricht, aber nach einigem Überlegen scheinen mir auch andere Faktoren plausibler als die Brücke.

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