Grafiktabletts und natürlich Windows 7

Es ist erstaunlich, wie schnell man sich an neue Funktionen bei Computern gewöhnen kann. Bis gestern war ich noch der Meinung, Multitouch sei wieder nur irgend so eine Modeerscheinung, die bestenfalls in Filmen gut aussieht und ansonsten überflüssig ist. Aber bereits jetzt vermisse ich sie.

Da mein Grafiktablett defekt war, bestellte ich vor einigen Tagen ein neues. Ein richtig gutes Intuos wäre sicher perfekt gewesen, doch ich wollte nicht unverschämt gegenüber meinem Arbeitgeber sein. Deshalb wurde nur ein Bamboo ausgewählt. Da es in dieser Serie auch ein Modell „Pen and Touch“ gibt, welches man mit Stift und Fingern bedienen kann, letzteres sogar in diesem modernen Multitouch-Modus, dachte ich, „nimmste das“, denn preislich war es kein großer Unterschied. Heute traf das Paket ein. Fazit nach dem ersten Tag als Multitoucher: Mit Stift lässt sich alles natürlich viel exakter steuern, aber die Fingerbedienung hat schon was. Scrollen (leider nicht seitwärts), zoomen, drehen – das alles ging ohne jegliche Anpassung selbst in Programmen, wo ich es nicht erwartet hätte. Am besten war es in Google Earth. Leider arbeitet man nicht den ganzen Tag mit Google Earth, es sei denn man hat den entsprechenden Beruf. Dort jedenfalls, wo es nun wirklich öfter vorkommt, dass man Bilder dreht – also in Photoshop – ging es natürlich nicht. Aber dafür wäre die Fingerbedienung auch zu ungenau.

Seit ich Windows 7 auf dem PC habe, bin ich fast komplett auf die Bedienung per Tablett umgestiegen. Ich weiß nicht mehr, wann die RTM-Version von Win7 öffentlich downloadbar war (könnte im Juni gewesen sein). Seitdem arbeite ich damit. Bisher war es immer so, dass man um eine Maus nicht herum kam. Aber in Win7 ist Stift- und Fingereingabe mit integriert, was u.a. zur Folge hat, dass man den Rechtsklick durch etwas längeres getippt-Halten des Stiftes erhält. Also genau so, wie ich es vom Pocket-PC her kenne. Diese Kleinigkeit ist ziemlich entscheidend für bequemes Arbeiten. Ich muss vielleicht kurz dazu sagen, dass ich vor einiger Zeit öfters Schmerzen in der rechten Schulter hatte. Und mir fiel ein, dass ich einmal etwas über das „Mausarmsyndrom“ gelesen hatte, welches sich angeblich durch Grafiktabletts vermeiden ließe. Da ich das zuerst auf der Internetseite der Firma Wacom gelesen hatte, tat ich das damals als reine Werbung ab. „Mausarmsyndrom – wieder so eine erfundene Krankheit“, dachte ich. Aber: Es funktioniert! Und ich empfinde die Arbeit am PC mit Stift als viel natürlicher, was auch noch durch die in Win7 unterstützten Navigationsbewegungen verbessert wird. Man wischt zum Beispiel mit dem Stift nach unten oder oben und scrollt auf diese Weise. Oder man wischt nach links: Zurück. Oder je nachdem, was man eingestellt hat. Damit entfallen am Arbeitsplatz auch diese ohrenbetäubenden Mausklick-Geräusche. Bei meinen beiden Raumteilern Alex und Micha wird den ganzen Tag erbittert geklickt, bei mir wird nur leise gewutscht, oder wie man das nun nennt. Nachteil: Die Kollegen denken, „der macht gar nichts“.

Was ich aber immer noch für keine Alternative zu herkömmlichen Eingabemethoden halte: Multitouch auf dem Display selbst. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man so arbeiten kann. Ich habe es erst kürzlich an meinem Pocket-PC getestet, als ich mir die aktuelle Version der SPB Mobile Shell darauf installierte: Es sah zwar plötzlich wahnsinnig toll aus, aber da es für Fingerbedienung gedacht ist, müssen alle anklickbaren Symbole wegen dieser großen Fingerfläche auch entsprechend größer sein. Die Folge ist, dass man weniger Elemente auf dem Display unterbringen kann, die trotzdem vorhandenen Elemente  müssen auf mehr Fläche verteilt werden und man muss nun dauernd zwischen mehreren Screens wechseln. Wenn jemand dabei zuguckt, kann man zwar schön zeigen, was für coole Benutzeroberflächen man mit Fingerwischen hin und her dreht, aber möglicherweise sitzt ja gar nicht ständig jemand daneben. Vielleicht will man nur etwas wirklich Produktives tun? Tja, dann stellt sich plötzlich heraus, dass nun dank cooler Oberfläche alles etwas umständlicher abläuft. Und da man mit seinen dicken Wurstfingern dauernd das Display verdeckt, sieht man dort auch große Teile gar nicht mehr. Ohne diese tolle grafische Erweiterung kam ich dann wieder mit viel weniger Getippe an meine Ziele.

Nein, es muss nicht auf allen modernen Geräten mit den Fingern multigetoucht werden. Dahinter steckt sowieso nur eine Verschwörung der Glasreiniger-Industrie. Stift-Eingabe (oder Maus) ist besser und genauer, aber wenn das Finger-Eingabegerät unterhalb des Displays auf der Tischplatte liegt, ist das teilweise eine angenehme Alternative.

Gestern hatte ich zusätzlich das Glück, ein geliehenes Tablett Wacom Cintiq mit integriertem 12“-Display testen zu können. Leider hat es nicht komplett funktioniert, der Stift war wohl defekt. Aber das Display funktionierte. Hier hält sich meine Lobhudelei etwas in Grenzen, denn ich habe dabei bemerkt, dass Display und Tablett nicht in einem Gerät verbaut sein sollten. Erstens wegen der Körperhaltung. Denn man legt das Tablett entweder auf die Knie oder den Tisch oder stellt es dort leicht angewinkelt an. Auf jeden Fall ist es wegen der Stiftbedienung nahe am Körper, so dass man dauernd nach unten schaut. Ob das dauerhaft gut für den Nacken ist, wage ich zu bezweifeln. Der zweite Grund: Grafiktabletts sind ja letztlich dort am sinnvollsten angebracht, wo auch Grafikbearbeitung stattfindet. Aber: Grafikbearbeitung auf einem Display mit nur 1280×800 Bildpunkten? Na, schönen Dank auch.

Abschließend noch kurz was zu Windows 7, da ich es nun bereits erwähnt habe. Ich wollte eigentlich erst nichts dazu schreiben, da das momentan gefühlt jeder Dritte macht. Aber nun bin ich einmal dabei. Interessant war für mich, dass ich hier erstmalig bei einem Betriebssystem die grafischen Effekte nützlich fand. Sonst gehörte ich immer zu den Anwendern, die den „ganzen grafischen Schnulli“ als erstes deaktivierten. Interessant fand ich auch, dass es mich nicht störte, wenn ich von meinem Arbeitsplatz-PC (eben mit Win7) wieder an einem der XP-Rechner saß. Aber regelrecht wahnsinnig machte mich ab der Zeit, wenn ich zu Hause am Vista-Notebook saß. Vorher hatten mich bestimmte Dinge daran gar nicht so sehr gestört, aber nun erlebte ich, wie es auch funktionieren könnte.

Braucht man nun Windows 7? Natürlich nicht. XP geht auch und genaugenommen würde selbst Windows2000 immer noch ausreichen. Aber manche Programme setzten in den letzten Jahren irgendwann XP mit SP2 voraus. Das wird sich mit Win7 nicht anders abspielen. Außerdem sehe ich keinen Sinn darin, veraltetete Betriebssysteme zu verwenden, wenn sich die neuen im Test als nützlich erwiesen haben. Insofern kann man auch mit der Zeit gehen.

Nun habe ich die ersten Lizenzen für die Rechner auf Arbeit gekauft. Das Allerbeste aus meiner Sicht ist dabei, dass wir endlich auch berechtigt sind, einen Volumen-Lizenz-Key benutzen zu dürfen, also dieselbe Seriennummer für alle Installationen. Es war bisher eine ziemlich nervige Sache, immer den Überblick über die gerade wo verwendeten Keys zu behalten (trotz angelegter Datenbank). Das hat also endlich ein Ende. Installieren werde ich es zunächst auf den Schulungsrechnern, den Grafik- und den Videoschnittrechnern. Was ich vermeiden werde: Es auf den PCs der Mitarbeiter zu installieren. Wer es haben will, kann es haben, aber ich lege keinen Wert auf absehbare Fragen wie, „wo finde ich denn jetzt … wie kann ich denn jetzt … warum ist denn …“ – nein. Das muss nicht sein. Ich werde zunächst überprüfen, ob in den Gruppenrichtlinien etwas geändert werden sollte und dann kann es in der nächsten Zeit losgehen  mit der Updaterei.

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