Twitter-Akademie

Zwei unserer Mitarbeiter sind der Meinung, das Überflüssigste, was es gegenwärtig im Netz gibt, sei definitiv Twitter. Einer der beiden ist Micha, der andere ist der Typ, der ihm gegenüber sitzt. „Das ist der endgültige Versuch, das Internet komplett mit Inhaltslosigkeit vollzukriegen“ – solche hämischen Bemerkungen fielen da bereits. Klar – solche Dinge könnte man auch mir mit diesem Blog unterstellen, aber das fände ich nun doch etwas unverschämt.

Dass Twittern jedenfalls keineswegs überflüssig ist, entdeckte ich gestern in einem anderen Dresdner Blog. Der Verfasser hatte entdeckt, dass es inzwischen sogar eine „Tweet-Akademie“ gibt, an der man also professionell twittern lernen könne. Er meinte, „die Kombination aus den Worten »Tweet« und »Akademie« sollte in das Lexikon des Absurden aufgenommen werden.“ Schon wieder diese Häme! Dabei kann man doch gerade bei der Tweet-Akademie sehen, wie wichtig das Ganze ist. Man kann dort in Seminaren lernen, wie man Twitter erfolgreich im Unternehmen einsetzt, zum Beispiel für besseres Marketing. Dass Twitter das ideale Medium ist, um bei den Kunden anzukommen, dürfte unbestritten sein. Also beispielsweise ich selbst followe allen möglichen Firmen, weil ich ständig informiert sein möchte. Über alles. Selbst wenn nur in der Buchhaltung der Kaffee umgekippt ist, denn gerade auch so etwas macht das Unternehmen für mich so menschlich. Zu twittern ist für viele Firmen sicher auch der Weg aus der Krise. Unter anderem wird in den Seminaren auch auf Punkte eingegangen wie:

  • Warum erobert Twitter ohne Geschäftsmodel die Welt?

Dass Twitter längst dabei ist, die Welt zu erobern, spürt man ja allerorts im täglichen Leben. Und manche von uns werden sich vielleicht auch in einem Jahr noch daran erinnern, dass das so war.

  • Verändert Twitter die Kommunikation von morgen?

Wieso erst die von morgen? Ist doch bereits heute spürbar. Sogar im „ZDF heute journal“ sprechen Claus Kleber und Gundula Gause immer öfter nur noch maximal 140 Zeichen. Unsere Dienstberatungen verlaufen nicht anders. Telefon-Flatrate-Anbieter gehen reihenweise bankrott, weil selbst Frauen sich immer öfter sehr kurz fassen.

  • Wie hat Twitter den Wahlkampf und die Politik verändert?

Na, aber gibt es da tatsächlich noch Fragen? Obama ist nur durch seine Twitter-Aktivitäten gewählt wurden und bei Torsten Schäfer-Gümbel war es nicht anders. Wer schaut sich heute noch Wahlplakate an?

  • Firmen Case Study Track

Finde ich gut, dass auch darauf endlich einmal eingegangen wird.  Soviel kurz zum Inhalt der Seminare, von denen die nächsten beiden übrigens bereits ausgebucht sind. Also: Ranhalten und schnell anmelden! Denn auch die Dozenten sind handverlesen. Ich habe mal geschaut, womit die sich sonst so beschäftigen und siehe da: Online-Reputation und Online-Relations, evidenzbasierte Social Media Beratung, Business-Development und so.

Okay – der Normalbürger wird hier wieder ahnungslos gucken. Aber für den ist es ja auch nicht gedacht, es richtet sich schließlich an Menschen aus dem Business-Bereich. Und die werden bei solchen Wortkombinationen denken: „Aha, das richtet sich an mich. Was bedeuten diese Sachen eigentlich? Gleich mal in meinem Langenscheidt ‚Business – Deutsch‘ nachsehen…“.

145 € kostet es. Warum bieten wir so etwas nicht auch an? Leichtverdienteres Geld gibt es kaum. Notfalls könnte ich das Seminar vielleicht auch selbst durchführen. Ich weiß nur  nicht, ob ich es durchhalte, die gesamte Zeit einen ernsthaften Gesichtsausdruck zu bewahren.

Ein Kommentar:

  1. Das sollte eigentlich keine Häme gegen Twitter sein, es war eher eine Sprachkritik. Ich habe nichts gegen Veranstaltungen, in denen über Twitter gesprochen wird, es gibt definitiv dümmere und langweiligere Themen. Allerdings würde ich freiwillig keinen Cent dazubezahlen 😉

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