10 Jahre PROfeel

2009-10-12_pf1Unsere Jugendredaktion (1, 2) gibt es nun tatsächlich bereits so lange. Angefangen hatte alles, als der Herausgeber der Schülerzeitung „Spiesser“ (Frank Haring) bald nach seinem Einzug ins Pentacon mit der Idee auftauchte, „Spiesser-TV“ machen zu wollen. Das fand ich nicht schlecht, da ich vorher schon überlegt hatte, wie man eine feste Jugend-Arbeitsgruppe bei uns etablieren könnte. Da Frank auch interessierte Jugendliche aus seiner Redaktion mitbrachte, war dieses Problem der Jugendlichen-Beschaffung mit einem Schlag gelöst. Wir begannen mit Technikübungen und ersten Produktionen. Wie in jedem erfolgreichen Projekt gab es auch hier bald die ersten Zerwürfnisse, denn die erste – aus meiner Sicht perfekte – Moderatorin wurde mittels Zickenkrieg hinaus geekelt und durch eine ersetzt, die das zwar auch gut machte, aber nie so locker und natürlich vor der Kamera wirkte, wie ihre beinahe-Vorgängerin. Jedenfalls stand nach den wenigen Monaten dann tatsächlich die erste Sendung. Inzwischen konnte sogar der Studioleiter nicht mehr ganz ignorieren, dass hier etwas Sinnvolles am Entstehen war. Sicher – es hatte absolut nichts mit Künstlern zu tun, die man filmen konnte (und das war selbstverständlich auch weiterhin das Wichtigste auf der Welt), aber allmählich rückte auch eine gewisse Jugendredaktion ins Blickfeld.

Die erste Sendung lief also vor 10 Jahren in unserem Sendefenster bei Sachsen-Fernsehen. Die Abmachung mit den Betreibern von Sachsen Fernsehen lautete damals eigentlich, dass unser Sendefenster uns gehört und – solange wir uns an journalistische Regeln halten – man uns inhaltlich nicht hineinredet. Trotzdem kam von Herrn Böttger (damals Chef von Dresden Fernsehen) sofort die Beschwerde, das ginge ja gar nicht – die Sendung müsse umbenannt werden. „Spiesser-TV“ – das sei Werbung für diese Zeitung. Und Werbung dürfen wir nicht machen. Das fand ich ziemlich an den Haaren herbeigezogen, denn der Spiesser war damals wirklich noch eine relativ normale, unkommerzielle Schülerzeitung, von Schülern für Schüler gemacht. Hätte Herr Böttger nicht wenigstens ehrlich sein können: „Ich habe Angst, dass die Zuschauer sich beleidigt fühlen, wenn da plötzlich etwas von ‚Spiesser-TV‘ steht…“

Aber andererseits zeigte die weitere Entwicklung, dass der Ärger später wieder gekommen wäre, denn der Spiesser war durchaus schon bald eine rein kommerzielle Zeitschrift, die zwar noch für, aber immer weniger von Schülern gemacht wurde. Insofern war eine frühe Umbenennung die beste Lösung. Harald entwarf dann den Namen „PROfeel“, der mir zwar gar nicht gefiel („pro“ „feel“ – so könnte sich auch ein Erotik-Sender nennen), aber die Jungendlichen hatten anscheinend auch keine bessere Idee. Ich war bei der entscheidenden Redaktionssitzung nicht dabei, jedenfalls blieb es dann dabei.

Das ist aber ein allgemeines Problem – wenn man sich erst einmal einen Namen gegeben hat, entstehen mit der Zeit immer mehr Gründe, diesen beizubehalten, auch wenn man ihn gar nicht mehr so toll findet. Nur wenigen ist z.B. bekannt, dass auch die Rolling Stones nach den ersten Jahren unzufrieden mit diesem albernen Namen wurden und sich viel lieber „Fritzens Dampferband“ genannt hätten. Das hätte aber zu viele vertragliche Änderungen bedeutet und später war der Name schon weg, … doch ich schweife ab.

2009-10-12_pf2Und deshalb war jedenfalls am Samstag Party in einer angesagten Underground-Szene-Location in einer alten Waggon-Werkstatt. Es kamen auch einige von den alten Hasen, die noch die Anfänge kannten oder aus der Mittelzeit stammten. Sie sammelten sich an einem eigenen Tisch, dem Seniorentisch, da sie mit diesen jungen Hüpfern aus der aktuellen Generation natürlich nicht viel anfangen konnten. DJ Pauli sorgte im Wechsel mit der Band Radiophon für die Musik. Während der Präsentation der Jubiläumssendung flimmerte das Bild aus unerklärlichen Gründen (später funktionierte es plötzlich aus ebenfalls unerklärlichen Gründen), der Ton brummte ein wenig, bzw. sogar ganz gewaltig. Pauli & ich verbesserten das nach den ersten Minuten, indem ich den Pegel des Notebooks hochzog und er den Pegel am Mischer senkte. Und das wiederum brachte mir sogar noch eine neue Erkenntnis an diesem Abend: Angenommen, man muss als Techniker eine Veranstaltung betreuen und hat dort einen Fehler (z.B. Brummen im Ton), dessen Ursache man einfach nicht findet bzw. mit den verfügbaren Mitteln nicht beseitigen kann, dann kann man immer noch folgendes tun: Dis Anlage zunächst so einstellen, dass der Fehler allen richtig auf die Nerven geht. Und nach einigen Minuten den Fehler soweit absenken, wie es von Anfang an möglich gewesen wäre. Dann werden die Leute begeistert sein: „Mensch, der Techniker hat wirklich noch eine Möglichkeit gefunden, es halbwegs erträglich zu machen. Der Typ hat echt Ahnung, den engagieren wir wieder …“

2009-10-12_pf3

Schreibe einen Kommentar

Name und E-Mail-Adresse erforderlich (E-Mail-Adr. wird nicht veröffentlicht).
Siehe auch Kommentar-Regeln, Spamschutz und Hinweise zu Textformatierung