Kritik Land der Reptilien

Zurzeit gibt es in Dresden zwei Ausstellungen im Bereich Aquaristik/Terraristik: Erstens die Aquaristik-Ausstellung im Felsenkeller und zweitens „Land der Reptilien“. Zu letzterer komme ich gleich. Die im Felsenkeller besuchte ich heute. Ich war bereits bei der vorherigen (2007) und es war eigentlich wieder ganz interessant. Ich hatte zwar das Gefühl, dass 2007 einige Aquarieneinrichtungen etwas interessanter waren, aber das kann täuschen. Außerdem müssen solche Ausstellungsbecken auch immer gepflegt werden und da können zu komplizierte Einrichtungen schnell zum Störfaktor werden. Insofern muss man da schon Kompromisse finden zwischen „gestalterisches Meisterwerk“ und „noch halbwegs saubermachbar“. Jedenfalls fand sich im Felsenkeller eine recht gute Mischung aus bekannten und etwas spezielleren Aquarienfischarten. Nicht so toll fand ich die Einrichtung der ebenfalls vorhandenen Terrarien – die waren teilweise etwas zu funktional gehalten. Auf gar keinen Fall trifft das aber auf die Schildkrötenbecken zu, vor allem auf die der Wasserschildkröten. Das sind richtig toll gestaltete Aquaterrarien. Sowohl optisch, als auch artgerechte Haltung betreffend. Die Ausstellung läuft noch bis zum nächsten Wochenende.

Da ich nun einmal unterwegs war beschloss ich, noch die Ausstellung „Land der Reptilien“ zu besuchen. Krasser hätten die Unterschiede kaum ausfallen können. Ich habe noch nie eine so schlechte Tierausstellung gesehen. Fangen wir mal an mit den gezeigten Arten: Man sieht höchst außergewöhnliche Tiere wie Bartagame (so etwas haben bisher nur ganz wenige Terrarianer lebend gesehen), Rotwangenschmuckschildkröte, Boa Constrictor (Abgottschlange), Tigerpython, Anakonda, Aga (Riesenkröte), Blauzungenskink, Tokkeh … und natürlich den unvermeidlichen Grünen Leguan. Also (Ironie Ende) Tiere, die man aus jedem Zoo und ansonsten sogar aus Zoohandlungen kennt. Es sind wirklich kaum Tiere vorhanden, die etwas unbekannt sind. Das schlimmste ist aber die Einrichtung der Terrarien, wenn man den Begriff dafür überhaupt gelten lassen kann. Es gibt nirgends Versteckmöglichkeiten für die Insassen – die Besucher haben schließlich 12 € bezahlt und sollen sie nun auch sehen dürfen. Es ist zwar meist ein hervorstehender Teil an der Rückwand vorhanden, der etwas Schatten wirft, aber immer nur so, dass der kleine Bereich darunter weiterhin voll einsehbar bleibt. Was das auch nur ansatzweise mit artgerechter Haltung zu tun haben könnte, bleibt ungeklärt. Pflanzen sind grundsätzlich aus Plastik – alles andere würde ja nur zu viel Arbeit machen. Die wunderschönen Kakteen in den Skorpion-Becken waren aber möglicherweise nicht aus Plastik. Sondern aus Keramik. Kurz gesagt: Alles muss so billig wie möglich sein, die Rückwand – passend zu den Pflanzen – auch aus Kunststoff, damit man alles schnell mit dem Schlauch ausspritzen kann, falls Saubermachen angesagt ist. Bei den Schildkröten gab es gerade Leckerli – offensichtlich hatte jemand auf der nächsten Wiese kurz die Sense geschwungen und einen Armvoll Gras mitgebracht. Und da hatten die Schildkröten wirklich Glück, denn es waren tatsächlich einige Löwenzahn- und Kleeblätter mit im Gras. Gegenüber lagen apathische Krokodile hinter einem dünnen Zaun aus dem nächsten Baumarkt. Von einer Schutzabsperrung zwischen Besucher- und Krokodilzone war nichts zu erahnen. Aber die Krokodile tun bestimmt schon lange niemandem mehr etwas. Eine Tafel im Hintergrund wies auf die nächste Präsentations-Show um 16 Uhr hin. Da ist dann wieder das nächste „fröhliche Krokodil-Herumschwenken“ angesagt und bei dieser Behandlung kapituliert wahrscheinlich auch die blutrünstigste Bestie nach einigen Jahren. Mit im Krokodil“gehege“ saß ein Aufpasser. Der wirkte genauso apathisch wie die Panzerechsen. Wahrscheinlich soll er verhindern, dass spielende Kinder die Krokos verschieben oder kaputt machen. Hoffentlich reagiert er dann auch schnell genug.

Fazit: Ich will hier nicht gleich einen Boykott-Aufruf starten, denn es gibt schlimmere Dinge in der Welt. Aber empfehlen kann ich es absolut nicht. Und man muss so etwas ja nicht noch unterstützen – dass ich es selbst getan habe, reicht schon. Zum Ausgleich hoffe ich, dass Google das hier schnell findet. Deshalb auch die eindeutige Überschrift. Wenn man Reptilien ansehen will, sollte man lieber in den Zoo gehen. Dort sieht man interessantere Arten, besser eingerichtete Terrarien und es ist sogar billiger. Genaugenommen ist sogar das beliebte Wort „preiswerter“ hier einmal die zutreffende Bezeichnung. Im Zoo wird man leider eventuell den einen oder anderen Frosch im Terrarium suchen müssen, aber dadurch rennt man auch nicht so schnell an den Becken vorbei.

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