Die Kandidaten der Nationalen Front stellen sich vor

So wollte ich die Überschrift erst nennen, weil ich das irgendwie witzig fand. Die Nationale Front – Ältere werden sich erinnern – war ja diese Einheitssoße aller Parteien in der DDR. Und heute Abend stellten sich alle aktuelle Kandidaten zur Landtagswahl im Elbhangtreff vor. Okay – „Nationale Front“ zu sagen, wäre in der aktuellen Situation nicht mehr korrekt angesichts unserer neuen Nationalen Front, also der NPD. Die war auch als einzige Partei nicht mit eingeladen. Ebenfalls nicht anwesend war der Vertreter der FDP, allerdings war er eingeladen und verhindert.

Fazit der Aktion: Völlige Ratlosigkeit bei mir. Denn es scheint mittlerweile absolut egal zu sein, wen man wählt. Alle sind nahezu gleich. Alle Kandidaten äußerten sich zu den gestellten Fragen grundlegend ähnlich oder waren sogar komplett einer Meinung. Vielleicht lag es an unseren falschen Fragen, vielleicht hatte Herr Kaboth, der Moderator, falsche Themen herausgesucht – ich weiß es nicht. Beim Heimradeln kam mir der Gedanke, dass ich ohne moralische Bedenken durchaus das erste Mal im Leben CDU wählen könnte, wenn es doch schon so egal ist. Denn anscheinend wird die sowieso gewinnen. Dabei war ich drauf und dran, einfach einmal Fünfe gerade sein zu lassen, und den Grünen alles durchgehen zu lassen, was sie in den letzten Jahren so verbockt hatten: Den befürworteten Afghanistan-Krieg, die etwas undemokratische Verhaltensweise in Dresden nach einem gewissen Bürgerentscheid, die Existenz von Frau Jähnigen, Antje Hermenaus letzten Artikel in der TAZ, worin sie nachwies, dass der Mord an der Muslimin al Sherbini von dem Russlanddeutschen Alex W. irgendwie auf die DDR zurück zu führen sei … Schwamm drüber! Einfach nicht mehr vor jeder Wahl ewig nachdenken, sondern wieder wie damals, nach `89, stur die Grünen wählen. Erstens, weil das Bündnis 90 darin aufgegangen ist (auch wenn es inzwischen eigentlich nicht mehr existiert) und weil sie zweitens angeblich etwas mit Naturschutz am Hut haben, den ich ja auch nicht so völlig abwegig finde.

Also – man kann die durchaus wählen. Genauso gut aber auch die Linken. Oder die SPD. Völlig schnuppe. Und insofern ist die Überschrift bei diesen Kandidaten der Einheitsbreifront auch wieder gar nicht so falsch. Letzten Dienstag kamen wir auf das Thema Wahl: „Gehst Du eigentlich wählen?“, und als Antwort kam von jemandem: „Naja … Eigentlich ist es ja Unsinn. Aber ich werde schon gehen, damit die braune Scheiße sich nicht zu sehr ausbreitet …“ Das ist schon richtig. Aber auch falsch. Denn es wird (bis auf einer) von allen Parteien als wichtiger Grund angeführt, doch bitte wählen zu gehen: Um die NPD zu behindern. Warum man die anderen Parteien aber sonst noch wählen sollte, können die allmählich selbst nicht mehr erklären. So war die Funktionsweise von Demokratie ursprünglich nicht gedacht.

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