Michael Jackson darf auch in diesem blog nicht fehlen

Gestern wurde ich auf mein Versäumnis hin gewiesen, dass ich hier überhaupt noch nichts zu Michael Jacksons Tod geschrieben habe. Das ist unprofessionell von mir – immerhin schreiben alle darüber. Okay, eigentlich wären zunächst noch einige Anmerkungen zum Weltkulturerbetitelverlust Dresdens angebracht, aber dank Michael Jackson war das schnell wieder aus den Medien verschwunden. Ich denke, dass folgende Theorie einiges erklärt: Jackson wurde in Wahrheit von gedungenen Killern im Auftrag der Dresdner Stadtverwaltung hinterrücks ermeuchelt, um die Medien abzulenken. Ich halte das für völlig plausibel, zumal die Idee von mir selbst stammt.

Es deutet auch folgendes auf die Richtigkeit meiner Theorie: Im Forum von Spiegel Online lagen die Themen „Was bedeutete Michael Jackson für Sie?“ und Michael Jackson – Genie oder „Monster“?“ sofort vor „Dresden nicht mehr Weltkulturerbe – richtige Entscheidung?“. Dresden hält sich zwar noch recht gut im Ranking, wird aber dank Michael noch schneller aus der Öffentlichkeitswahrnehmung verschwunden sein als ohne ihn.

Aber zurück zum Thema: Michael Jackson. Der wird ja von Sony vertrieben. Das mit dem „Vertreiben“ ist jetzt nicht so gemeint, wie mit „Böse Geister vertreiben“ oder „Monster vertreiben“, sondern im Sinne von „Musik verkaufen“. Eine Bemerkung mit „Monster“ im Zusammenhang mit Michael Jackson ergibt für mich ohnehin keinen Sinn.

Aber zurück zum Thema: Sony. Um die Rechte von Sony kümmern sich anscheinend auch die Anwälte der Kanzlei Waldorf aus München. Von dieser Kanzlei erhielt ich letzte Woche einen sehr dicken Brief. (Jetzt bin ich endlich beim Thema). Ich sollte ihnen 856 € überweisen. Möglichst schnell. Eine zügige Überweisung würde mir vor Gericht positiv angerechnet werden. Weil ich mir ja – entgegen der gesetzlichen Grundlagen – ein Album der Gruppe Glasvegas illegal über Bittorrent herabgedownloadet hätte. Glasvegas … Glasvegas? Habe ich von denen jemals schon etwas gehört? Ich schaute sofort bei cd-starts.de nach. Eine Britpop-Band. Video bei YouTube geguckt: Ich konnte mich nicht erinnern, das schon einmal gehört zu haben. Aber die Waldorf-Anwälte waren sich sicher, sie konnten es mir sogar beweisen mit IP-Adresse, Anschlusskennung und sogar so technisch überzeugenden Worten wie „hash-Wert“. Na, dann muss es schon so sein. Die schreiben so etwas sicher nicht aus Langeweile.

Hatte ich mir das wirklich einmal aus den dunklen Quellen des Internets „gesaugt“? Was Bittorrent ist, weiß ich natürlich. Schließlich muss ich – rein aus Weiterbildungsgründen – wissen, wovor ich in unseren medienpädagogischen Kursen die Leute warne. Und ich muss auch wissen, welche portable Software ich bei uns blockieren muss. Aber wieso haben die Waldorf-Anwälte (beziehungsweise die von ihnen gedungenen Informatikstudenten*) so etwas meiner IP-Adresse zuordnen können? Hätten sie dann nicht wenigstens eine Band nehmen können, die ich kenne? Hat das jemand anderes über unseren Internet-Anschluß geladen? Mein WLAN ist dicht, da kommt kein Fremder hinein. Und kein Familienmitglied interessiert sich für Britpop. Haben die Anwälte das einfach frei erfunden und gehen auf Dummenfang? Das kann ich mir auch wieder nicht vorstellen, denn der Betrag von 856 € klingt viel zu exakt berechnet, als dass er frei erfunden sein könnte. Der Betrag teilt sich übrigens auf in 350 € für Sony und 506 € Anwaltskosten. Insofern sehe ich eher bei Sony eine gewisse Pauschalisierung, denn eine exakte Schadensberechnung müsste folgendermaßen aussehen: Es müsste die Zeit der Torrentbenutzung, sowie die Zahl von seedern und leechern und natürlich der aktuelle Preis des Albums (z.B. bei Amazon) berücksichtigt werden. Die Strafe müsste umso höher ausfallen, je länger der Torrent offen gehalten wurde und wenn ihn mehr Leute geladen hätten. Wenn er dagegen von vielen anderen seedern mit angeboten wurde, sinkt der eigene Anteil am angerichteten Schaden. Also müsste die Formel so aussehen: Strafbetrag=(Zeit x leecher x CD-Preis)/seeder+ Bearbeitungsgebühr.

(* Die werden später auch einmal entschuldigend sagen: Ich war jung und brauchte das Geld)

Jedenfalls entwarf ich in Gedanken einen sehr überzeugenden Antwortbrief. Mir als einem der letzten Käufer von CDs – quasi dem Retter der Musikindustrie – so zu kommen … Ich habe allein in diesem Halbjahr bereits 17 CDs gekauft, womit ich weit über dem Durchschnitt liege! Aber als ich mir das Schreiben genauer durchlas wurde mir klar, dass ich mir das sparen konnte. Denn die Anwälte erklärten – übrigens nicht in Juristendeutsch, sondern sehr verständlich (sie wollten ja das Geld haben) – dass jedes Antwortschreiben logischerweise eine zusätzliche Bearbeitung ihrerseits erfordern würde, was die Gesamtkosten für mich nur unnötig in die Höhe treiben würde. Und sie hätten schon den niedrigsten Berechnungssatz genommen, der im Anwaltsbereich irgendwie verfügbar sei. Ich hatte sozusagen die Happy-hour abgefasst. Ich meine – es ist ja auch klar, dass die Kanzlei mit dem Verfassen dieses Serienbriefes einen Haufen Arbeit hatte. Und die Mieten in der Münchener Innenstadt wollen auch bezahlt werden. Das verstehe ich gut. Allerdings solle man, so stand es in dem Schreiben, nun ganz schnell die beigefügte Unterlassungserklärung unterschreiben, das sei die einzige Rettung vor dem Gefängnis. Und schnell überweisen. Es war Freitag. Bis Montag musste es da sein.

Sind solche Fristen nicht jenseits des guten Geschmacks? Wer einen Anwalt hat, wird sicher erklärt bekommen, dass das gegen alle möglichen Regelungen verstößt. Aber von den Anderen werden wohl ausreichend viele lieber schnell bezahlen. Das Ganze ist nichts anderes als moderne Wegelagerei.

Was macht man da? Man fragt seinen Freund und Helfer, das Internet. Im Forum von netzwelt.de fanden wir Gleichgesinnte und Hilfe. Man sollte also auf keinen Fall die beigefügte Unterlassungserklärung unterschreiben, stand da. Denn diese ist so formuliert, dass sie einem Schuldeingeständnis entspricht. Man soll aber auf jeden Fall eine modifizierte Unterlassungserklärung (in Fachkreisen: „modUE“) abschicken, da man so die Klage der Plattenfirma (in unserem Fall Sony) abwendet. In der modUE steht dann sinngemäß, dass man hiermit erklärt, niemals das Album Glasvegas der Band Glasvegas im Internet down zu loaden bzw. zu veröffentlichen, allerdings würde man hiermit auch nicht einräumen, so etwas überhaupt schon jemals getan zu haben. Genaugenommen klingt diese Formulierung etwas albern, denn wenn man es tatsächlich schon gedownloadet hat, wird man es nun sowieso nicht mehr zu tun. In dem Forum stand aber weiterhin, man solle nun auch nicht gleich übers Ziel hinausschießen und schreiben, dass man überhaupt keine Musik von der betreffenden Firma downloaden würde. Denn falls dann doch mal eine Klage zu einem anderen Album käme, hätte man sich ja bereits festgelegt und sei nun wirklich kriminell geworden. Das heißt – rein theoretisch – also umgekehrt, dass man andere Alben eigentlich auch weiterhin …

Na, mal sehen, was passiert. Das Vorgehens-Schema sieht für den Klagewellen-Betroffenen so aus: modUE schreiben und zunächst nicht bezahlen. Wenn die Anwälte von anderen Leuten schon genug Geld eingesammelt haben, wird ihnen das vielleicht langweilig und sie vergessen die Sache. Ansonsten muss man sich überlegen, ob man sich selbst einen Anwalt nimmt. Oder eben doch bezahlen, weil der eigene Anwalt ja auch Geld kostet. Anscheinend ist man nicht schlecht beraten, wenn man gerade Hartz4-Empfänger ist, denn da kann man Rechtshilfe beanspruchen. Das bedeutet nun wiederum im Umkehrschluß, dass man als „Hartzie“ bedenkenlos … aber ich will hier keine falschen Anregungen vermitteln.

Jedenfalls – und das wollte ich eigentlich nur schreiben – ist ja auch Michael Jackson bei Sony unter Vertrag, wenn man das post mortem noch so sagen darf. Und da in diesen Tagen unter Garantie überdurchschnittlich viele Leute Jacksons Musik herabladen, sollten die Anwälte der Kanzlei mal lieber Michael-Jackson-Torrents mitloggen. Das verspricht ein viel einträglicheres Geschäft, so dass sie die paar Glasvegas-Fälle durchaus abhaken können.

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