Kulinarisches

Ich habe ja im vorletzten Eintrag so gejammert, dass heute alle Produkte aus China kämen. Doch letzte Woche habe ich es tatsächlich geschafft, etwas zu kaufen, was tatsächlich in Deutschland entstanden sein müßte: Futter für meine Terrarientiere. Draußen ist es kalt geworden, was jeder, der ein Wetter-Anzeige-Widget auf dem Desktop hat, leicht überprüfen kann. Und leider findet man nun kaum noch all die leckeren Dinge, mit denen man seine Haustiere füttern kann. Aber wozu gibt es das Internet? Downloaden kann man sich Futtertiere zwar noch nicht direkt – ich denke, das kommt dann erst im web 3.0 – aber bestellen kann man ja alles. Und was es da heutzutage für leckere Dinge gibt!

Deshalb lauerte ich am Mittwoch den ganzen Tag auf alle Postboten. Der Händler hatte geschrieben, das Paket sei dienstags verschickt, also sicher am Mittwoch – spätestens aber am Donnerstag da. Leider kam am Mittwoch nichts. Am Donnerstag wanderte ich ruhelos durch alle Räume und machte alle Anwesenden nervös, ob nicht hier ein für mich bestimmtes Paket …? Nee, nirgends stand etwas. Nun enthielt es immerhin lebende Tiere und ich weiß zwar, dass bestimmte Insektenlarven ziemlich resistent gegen Sauerstoffmangel sein können, aber kann man drei Tage in kleinen Plastikboxen überleben? Reinhold Messner vielleicht, aber der hat sicher auch das passende Equipment.

Als Freitags dann endlich der Postbote die Sendung mit der Aufschrift „Lebende Tiere“ hereintrug, dachte ich unwillkürlich an Agent Smith aus „Matrix“, der am Anfang zu den Polizisten lakonisch sagt: “Ihre Männer sind längst tot …“ So ging es mir. „Der Inhalt ist längst tot“. Ich machte mich auf ziemlichen Gestank nach dem Öffnen gefasst. Doch nichts dergleichen: Die Getreideschimmelkäferlarven wuselten appetitlich in ihrer Box, bei den Wachsmaden zappelte etwas, lediglich der kulinarische Höhepunkt, also die Schmeißfliegenlarven hatten sich inzwischen verpuppt und waren in der Form für mich unbrauchbar.

Nachmittags fragten mehrere Mitarbeiter, Praktikanten und sogar mein Chef, ob denn alles noch lebe? Da kann man mal sehen, was für eine Anteilnahme bei uns herrscht! Obwohl bekanntlich während Weltwirtschaftskrisen alle nur noch an sich selbst denken und soziale Kälte einzieht!

Als der absolute Renner entpuppten sich übrigens die Getreideschimmelkäferlarven, falls das jemanden interessiert. Bis vor kurzem wußte ich noch gar nicht, dass es so etwas gibt. Sie sehen so aus, wie etwas kleinere Mail- äh, Mehl-Würmer. Sie sind nur ca. 10 mm lang und somit ideal für meine jungen Salamander und Bergmolche.

Lafer, Lichter, lecker

Lafer, Lichter, lecker

Schreibe einen Kommentar

Name und E-Mail-Adresse erforderlich (E-Mail-Adr. wird nicht veröffentlicht).
Siehe auch Kommentar-Regeln, Spamschutz und Hinweise zu Textformatierung