Ich achtete in den letzten Jahren bei Einkäufen streng darauf,

dass nur Waren aus China bei uns zum Einsatz kommen. Wegen der Qualitätssicherung. Darum muss ich mir inzwischen aber kaum noch Sorgen machen, da längst alles mit „Made in China“ gekennzeichnet ist. Die Hersteller sind dazu gezwungen wegen der zu hohen Lohn-Nebenkosten in westlichen Ländern. Der Kabarettist Richard Rogler brachte es vor einigen Jahren so auf den Punkt: „Welcher Deutsche kann sich denn heute noch einen Deutschen leisten?“, und damit hat er Recht. Jedenfalls kommt alles aus China, weil‘s so billiger ist. Der Mann von der Straße denkt deshalb gern, dass die Produkte nun auch entsprechend billiger werden müßten. Aber so denkt er eben, der Laie. Im Profibereich sind die Preise stabil geblieben; Studio-Aktivboxen, Stativköpfe oder Profi-Reportagegeräte bilden weiterhin eine stabile Geldanlage. Ihr Preis hat sich höchstens nach oben bewegt. Ich war letztes Jahr einmal völlig perplex, als auf einem ausgepackten Gerät nicht „Made in China“ stand. Sondern „Made in Korea“. Dass sich heutzutage noch jemand einen Koreaner leisten kann!

Der Mann von der Straße (MvdS) stellt sich sowieso vieles falsch vor. (Genaugenommen ist es politisch nicht korrekt, nur den Mann von der Straße einzubeziehen – was ist mit Frauen und Kindern, was heißt überhaupt „von der Straße“? – aber diese Betrachtung ufert aus.)

Worauf ich hinaus will: Auch uns lässt die Finanzkrise nicht mehr zum gesunden Büroschlaf kommen. Jeden Tag neue erschütternde Nachrichten in der Presse, sehr düstere Prophezeiungen, die uns die Wirtschafts-Schamanen liefern, also diese fünf Leute da … die Wirtschaftsweisen, meine ich. Rürup and friends. Und die müssen es wissen, sonst hätten sie damals die Lehrstelle als Wirtschaftsweiser nicht bekommen. Jedenfalls tagte auch bei uns der Krisenrat: Was können wir tun, um der Rezession entgegen zu wirken? Neue Studio-Technik kaufen? Aber die kommt bekanntlich aus China, womit der deutschen Wirtschaft wohl kaum geholfen wird. Wir müssten deutsche Produkte kaufen! Deshalb kam doch noch einmal der Wunsch nach Dienstwagen auf den Tisch. Wir entschieden uns für den Opel Insignia. Ja …. klar. Opel ist nicht deutsch. Wird aber hier gebaut. Und ist Auto des Jahres 2009! Irgendwer von uns wollte sich wichtig machen mit der skeptischen Frage, wie er denn Auto des Jahres 2009 sein könne, wo dieses doch noch gar nicht begonnen habe? Und wer sowas eigentlich festlegt? Das Problem war aber letztlich, dass wir gar kein Geld für Dienstwagen besitzen. Doch zufällig rief danach Herr Pofalla bei uns an und entschuldigte sich zuerst einmal dafür, dass Frau Merkel nicht persönlich … und ob wir nicht auch gerade unter der Rezession zu leiden hätten? Es stünden geschnürte Hilfspakete im Wert mehrerer Milliarden zur Verfügung, die einfach niemand abrufen wolle. Ob wir nicht zufällig Bedarf hätten? Das passte zwar perfekt, aber wir haben es dann aber doch nicht genommen. Aus verschiedenen Gründen. Ich war dagegen wegen der Verschwendung von Verpackungsmaterial („geschnürtes“ Paket), andere sagten, dass sie sich dann schämen würden (wegen dieser geringen Summen) und andere, weil das Geld viel dringender von Banken gebraucht wird. So nicht! Man muss konsequent sein können. Es gibt also keine neuen Dienstwagen.

Ich muss aber mal sagen, dass ich das mit der Finanzkrise nicht wirklich verstanden habe. Ich bin nur ein Laie in der Beziehung, ein typischer MvdS halt. Es begann doch damit, dass die amerikanische Immobilienblase platzte. Amerikanische Bretterbuden, die beim nächsten Hurrican auseinander fliegen, waren (bzw. sind noch) hypothekenbelastet. Diese Hypotheken, also diese Verschuldungen wurden als Paket Anlegern verkauft. Weil das Riesen-Gewinne bringen würde, wenn die Bewohner ihre Hypothek einmal zurückzahlen würden. Der MvdS hätte hier bereits eingewandt, dass das nie funktionieren könne, weil die Amerikaner kein Geld zum Zurückzahlen der Hypothek haben, da sie ja gerade das Geld der Hypothek zunächst zum Leben oder zum Abzahlen des Kredites für ihr Auto brauchen. Der MvdS wieder … Ja, und dann entdeckte man, dass es doch genau so war und das Geld falsch angelegt, also inzwischen woanders war. Das bezog sich eigentlich nur auf diese Immobilien-Geschichte, aber trotzdem entstand so plötzlich eine umfassende Finanzkrise. Angeblich wollte nun über Nacht keine Bank mehr Geld verleihen. Wie gesagt: Ich bin ja nur Laie, aber kann eine beliebige Bank es sich dauerhaft leisten, das Geld der Anleger NICHT zu verleihen? Das ist doch immerhin die Grundlage des Bankwesens, Geld woanders anzulegen, also zu verleihen. Dass eine Bank einmal überdenkt, ob sie ihr Geld wirklich in jedes windige Projekt investiert, ist ja ok. Aber dauerhaft kann es sich keine Bank leisten, das Geld nur zu behalten. Das klingt einfach nicht sehr logisch. Die Bundesregierung hat bekanntlich zur Rettung der Banken Geld angeboten. Dieses Geld hat sie in Form eines Kredites von Banken erhalten. Das versteht der MvdS wahrscheinlich nun endgültig nicht mehr. Wahrscheinlich lässt man sich das bald als finanzielles Perpetuum Mobile patentieren.
Und nachdem die Immobilienkrise zu einer allgemeinen Bankenkrise wurde, entdeckten auch die Industrie und der Handel, dass es ihnen ja schon seit Monaten eigentlich sehr schlecht ging. Autohändler beklagten, dass kaum noch jemand Autos kauft. Wenn man bedenkt, dass es zu Beginn nur um falsche Anlagen in amerikanische Hypotheken ging, kann man sich schon fragen, was das eigentlich noch miteinander zu tun haben kann? Jaja … weil in der globalisierten Welt alles miteinander verflochten ist. Da haben wir aber Glück, dass wir dieses Argument erfunden haben, denn damit kann man alles begründen. Ich hatte das Gefühl, dass man – nachdem man uns Anfang des Jahres den gefühlten Aufschwung einredete, von dem aber kaum jemand etwas spürte – nun endlich etwas gefunden hatte, um das wieder zu kompensieren. Deshalb haben wir nun nach dem gefühlten Aufschwung die herbeigeredete Rezession.

Aber wie gesagt, ich als MvdS habe eigentlich keine Ahnung von solchen Sachen. Wir müssen zur Rettung der Wirtschaft einfach nur viele Produkte kaufen, lese ich. Die kommen zwar alle auch China, aber trotzdem kommt davon die deutsche Wirtschaft in Schwung, die immerhin Exportweltmeister ist. Äh … wie bitte? Es kommt alles aus China, aber wir sind Exportweltmeister?

Oh, Mann … ist das alles kompliziert! Wer hat mir überhaupt dieses heutige Thema vorgegeben? Ich hätte lieber etwas über die Relativitäts-Theorie geschrieben!

Schreibe einen Kommentar

Name und E-Mail-Adresse erforderlich (E-Mail-Adr. wird nicht veröffentlicht).
Siehe auch Kommentar-Regeln, Spamschutz und Hinweise zu Textformatierung