Belastbarkeitstests

Der Vorfall in dem französischen Kernkraftwerk hat mir sehr zu denken gegeben. Technik scheint einfach nie wirklich bis ins Letzte durchdacht zu sein. Wahrscheinlich war man dort der Meinung, jedes Details beachtet zu haben. Doch dann lehnte sich ein Praktikant ausgerechnet an diesen Wandschalter, der völlig korrekt mit „Reaktorwasser in den Bach ablassen“ beschriftet war. Naja, Pech gehabt. Kann mal passieren. Gerade bei so viel Technik.

Doch auch bei uns ist viel Technik im Einsatz. Welche Eventualitäten habe ich möglicherweise übersehen? Und wie finde ich diese, bevor es bei uns zum Super-GAU kommt? Jaaa … einen Super-GAU gibt’s gar nicht, weil GAU bereits der größte anzunehmende Unfall ist, da gibt es nichts Superes mehr darüber … können wir mal mit dieser dauernden Haarspalterei hier aufhören? Das nervt. Jedenfalls, äh – was wollte ich sagen? Ach ja. Gau bei uns vermeiden wollen und so. Leider weiß ich aber überhaupt nicht, in welcher Richtung ich den vermuten könnte?

Bei einem Bekannten in der Firma (beide Namen darf ich hier nicht nennen, sind der Blog-Redaktion aber bekannt) hat man ein ganz geniales System eingesetzt um alle Schwachstellen im System zu finden. Um die Belastbarkeit der technischen Ausrüstung und der Softwarekonfiguration auf ihre Resistenz gegenüber DAUs zu ermitteln und weiterhin gleich noch die nervliche Grenzbelastbarkeit der Mitarbeiter zu checken, oder kurz gesagt: Um zu ermitteln, wann alles zusammenbricht, hat man dort einfach wildfremde Leute hereingeholt. Die haben alle keine Ahnung von der vorhandenen Technik, vom Einsatz der Software und wer für was zuständig ist. Sie wurden alle in so gut wie nichts eingewiesen. Das machen sie auf 1€-Job-Basis. Umgekehrt haben die Angestellten dort auch keine Ahnung, wie die Typen heißen, was die eigentlich machen sollen und wozu das überhaupt gut sein könnte. Jedenfalls sitzen dort nun an allen Arbeitsplätzen 1€-Jobber herum. Da gar nicht genug Arbeitsplätze vorhanden sind, sitzen die restlichen zeitunglesend sonstwo herum – auf jeden Fall immer so, dass die Mitarbeiter sich hindurchzwängen müssen, wenn sie irgendwohin wollen. Da passieren natürlich jede Menge Bedienungsfehler, an den Geräten werden einfach solange alle Tasten gedrückt, bis doch was passiert oder auch nicht. Bei Problemen fragt man sich gegenseitig. Wenn das Internet mal nicht geht, wird solange trotzdem „Diese Internetseite kann nicht angezeigt werden“ gelesen, bis der Tag herum ist. Wenn man an einem PC nichts schreiben kann, wird er erbarmungslos so lange wieder neu gebootet, bis nach Feierabend der Techniker entdeckt, dass das Tastaturkabel nicht steckte – offensichtlich mit den Füßen herausgezerrt.

Aber insgesamt scheint es noch so halbwegs zu funktionieren. Die Ursache für den endgültigen Zusammenbruch steht noch aus. Ich bin schon sehr gespannt.

Und ich finde diesen Ansatz gar nicht so dumm. Das könnten wir bei uns eigentlich auch so machen. So entstehen ja auch dringend benötigte Arbeitsplätze.

Was? So einen Unfug gäbe es gar nicht? Alles nur ausgedacht? Sowas könnte sich keine Einrichtung leisten? Doch, wirklich! Das wird dort tatsächlich so gemacht. Ich schwöre es. Aber ich darf nicht verraten wo, mein Bekannter arbeitet. Hab ich versprochen.

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