Medienkulturkurier, Ausgabe Aug. 2006

Rätselhafte Kornkreise

Rätselhafte Kornkreise

So, endlich vorbei. Nun können die Deutschlandfahnen von den Fenstern im Hörfunkstudio wieder entfernt werden. Die Dienstberatungen jeden Montag werden nun auch wieder etwas kürzer, da nicht erst alle Spiele vom Wochenende ausdiskutiert werden müssen. Andererseits folgt nahtlos die Tour de France. Das mit dem Jan Ullrich fand ich ja doof. In der Presse stand, er sei gedopt. Diese Schreibfehler sind leider typisch für unsere ach-so-schnellebige Medienlandschaft. Richtig muss es heißen: Er hat getobt. Weil ihm nämlich jemand irgendwelche wichtigen Medikamente oder so weggenommen hat, ohne die er seine Rekorde nicht fahren kann. Genaueres weiß ich auch nicht. Man steckt ja nicht drin.

Aber andererseits ist nun die Stelle von Jan Ullrich frei. Und ich sag ja schon zur Frau: „Frau“, sag ich, „wenn man nicht alles selber macht…“. Da hätten wir als Medienkulturzentrum doch einspringen können. Wir sind schließlich offen für alles. So schwer kann das bisschen Radfahren auch nicht sein. Kirsten kommt z.B. immer mit dem Rad auf Arbeit und ist entsprechend durchtrainiert. Doch nein – bei ihr ist ja das Frontlicht defekt. Sie scheidet damit leider aus. Unser Außendienstmitarbeiter Harald wäre der nächste Kandidat. Doch mit seinen Low-Tec-Holz-Schutzblechen kann da auch nicht mitfahren. Alex ist in Amerika, Jørgen sucht in Schottland nach Nessie… da bleibt’s wieder an mir hängen. Entsprechend trainiert bin ich eigentlich. Erst gestern versuchten zwei total bunt angezogene Mountainbiker mit stahlharten Beinmuskeln, mich an der Zwinglistraße zu überholen. Was bilden diese Leute sich eigentlich ein? Natürlich blieb ich immer vorn. Mit allen fiesen Tricks versuchten sie ständig, an mir vorbeizukommen. Bei Rot über die Ampeln, wo ich wartete. Das nutzte ihnen aber nie lange. Über den Schillerplatz bis nach Wachwitz ließ ich sie hinter mir. Klar, ich habe geschwitzt wie ein Schwein. Hab ich mir aber nicht anmerken lassen. Ein wenig behindert wurde ich leider auch von der Deutschlandfahne an meinem Fahrrad.

Wie gesagt, ich hätte das machen können. Ich bin auch absolut dopingfrei. Selbst die Makronenringe vom Bäcker Grohmann haben wir seit Monaten abgesetzt, da lässt sich nichts mehr nachweisen. Als ich mich allerdings letztens beim Rasieren geschnitten hatte, dachte ich einen Moment über diesen Trick mit dem Eigenblut nach, so wie das ja auch der Jan Ullrich gemacht hat. Nur, wo sollte ich meine Eigenblut-Reserven lagern? Bei der Hitze wird das doch schlecht und dann wird mir schlecht davon. Ein Kühlschrank musste her! Und klar: Im Hörfunk bei meinem Arbeitsplatz steht ein solcher. Das Dumme war dann aber, dass der Winfried, also… der kam dann zum Feierabend, also wo ich dann immer heimfahre… da kam er zu mir und sagte, er hätte mal ein Problem. Und ich dachte noch, irgendwas Technisches. Aber nein. Er wollte seine Wasserflasche kühl lagern und fragte mich, ob das geht… dass er die mal in den Kühlschrank legt. Oder stellt. Oder vielleicht auch leicht schräg legt, wenns nicht anders reinpasst. Naja, und da ist man ja auch kein Unmensch. Ich hab das dann ganz unbürokratisch entschieden und gesagt: „Ja. Klar. Das geht“. Das war nun aber kein Platz mehr für meine Blutkonserve. Na dann eben nicht. Ich denke, die Jungs vom Juniorkanal hätten sowieso nur irgendwelchen Schabernack damit getrieben.

Ich bin mir auch gar nicht mehr sicher, ob die Tour de France wirklich am SAEK vorbei führt. Außerdem, Wettfahrten mit dem Fahrrad ergeben sich auch gelegentlich auf dem Weg zur Arbeit zwischen Harald und mir. Manchmal gewinnt Harald, aber ich habe so das Gefühl, der steht extra eher auf. Heute früh war er schon vor mir da und diskutierte mit eigenartig gekleideten Menschen. War schon komisch, überall standen bewaffnete Sicherheitsleute, einige schweißten Gullydeckel zu, beim ALDI hatten sie sämtliche Wasserspritzpistolen beschlagnahmt und der Einsatzleiter meinte gerade zu Harald, wenn er was dagegen hätte, könnte er sein Recht auf freie Meinungsäußerung in den dafür zugelassenen Außenbezirken wahrnehmen. Der nächstliegende genehmigte Ort sei Hrensko. Wir beide erklärten ihm daraufhin, dass wir das alles natürlich voll verstünden, allerdings läge wohl doch ein Irrtum vor, denn das hier sei wirklich nicht Stralsund. Ja, aber sie seien doch exakt nach den Angaben des GPS-Gerätes gefahren… kann doch nicht sein… ob am Ende wieder die Batterien runter wären? So war’s auch. Ich spendierte neue Batterien, freilich nur gegen Leihvertrag – da bin ich schon konsequent. Die Männer bedankten sich und düsten gen Norden, die Gullydeckel ließen sie gleich zugeschweißt (macht man ja sowieso kaum mal auf) und auf diese Weise haben wir sicher auch irgendwie wieder einmal den Weltfrieden gerettet. Ich hatte zwar ganz vergessen zu fragen, welcher Prominente eigentlich kommen sollte, denke aber, es kann nur Robbie Williams gewesen sein.

Rätselhafte Touristenkreise

Rätselhafte Touristenkreise

Letztlich ist es sowieso besser, hier zu bleiben. Man erfährt viel mehr, wenn man so im SAEK herumsitzt. Ich höre z.B. gern Jenny und Petula zu. Das kann man stundenlang tun und ist immer wieder überrascht, wieviel Interessantes das Leben bereithält. Da werden Fragen diskutiert wie: Sollte man bei einem Ebay-Angebot zuschlagen („VW-Golf, noch gut in Schuss, Hupe wie neu“), obwohl es schon bei 284€ steht? Ist der Anbieter „Schnuddelbutz7“ wirklich seriös? Lohnt sich das, obwohl man noch gar keine Fahrerlaubnis hat?

Mir fällt gerade ein: Unser aktueller Kollege Tom soll für MB21 irgendwelche Dinge mit dem GPS-Gerät erforschen. Seit Tagen habe ich ihn nicht mehr gesehen. Hatte ich ihm eigentlich frische Batterien mitgegeben?

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