Medienkulturkurier, Ausgabe Juli 2006

Trendsetting

Seit Tagen kann man im Hörfunkstudio beobachten, wie Jenny gemeinsam mit Petula immer wieder an Winfried herummäkelt. „Kurze Hosen und Strümpfe…“ wird da bei jeder  Gelegenheit gelästert. Vor allen Leuten! Gerade Jenny kann sich nicht beherrschen, immer wieder den Finger in die vermeintliche Wunde zu legen. Aber man kann auch sehen, dass Winfried sich nicht drum schert – Männer mit starkem Selbstbewustsein lassen sich ihre Individualität nicht von Hinz und Kunz zerreden.

Und ich möchte mich an dieser Stelle dem Mut zur eigenen Kleiderordnung anschließen. Auch ich trage, was mein Charakter mir befiehlt, zum Beispiel eben Socken zu kurzen Hosen und Sandalen. Obwohl Mutti mich immer fragt: „Soll ich dir nicht mal so ein paar Füßlinge mitbringen… das trägt man jetzt so…“ Darauf lasse ich mich gar nicht erst ein. Nur weil ein paar selbsternannte Modeexperten in Hochglanz-Livestylemagazinen ihre Meinung verkünden, muss man nicht gleich alles mitmachen. Okay – ein Tattoo wollte ich mir nun doch anfertigen lassen, allerdings las ich in der aktuellen Men’s Health, dies sei nun wieder out. Brandings kommen dagegen wieder. Aber ich schweife ab – diese Modegurus werden in 2 Jahren wahrscheinlich schreiben: Ach, diese albernen Füßlinge trägt doch kein Mensch mehr… wer das erfunden hat… Socken, die so aussehen, als hätte man keine an, obwohl sie ja doch jeder sehen kann… Dann werden Winfried und ich unserer Zeit voraus gewesen sein und zur Avantgarde gehören. Kurzzeitig.

Ich bin `89 nicht auf die Straße gegangen, um mir nun wieder neue Dinge verbieten zu lassen. Die Forderung nach Freiheit stand damals ganz oben auf meinem Sticker! Gut, manche Leute gingen damals schon mit kurzen Hosen, Sandalen und ohne Socken zur Demo, aber es gab ja auch einfach nichts bei uns im Osten! Und jetzt, wo es endlich so viele schöne Sachen gibt, will ich diese auch anziehen. Und da lasse ich mir von einer „Generation Hüftfrei“ keine neuen Verbote aufdrängen. Wenn’s sein muss, gehe ich deswegen bis nach Karlsruhe. Und zwar mit Socken!

So, das wollte ich nur mal loswerden.

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