Liebes Tagebuch,

In den nächsten Tagen wird es im Pentacon wohl recht leer werden. Irgendwann muss man schließlich auch einmal ausschlafen. Denn wir hatten jetzt am Wochenende eine recht anstrengende Zeit mit dem

Bundesfestival für Video, Film und Multimedia.

Unser Doku-Team Video

Unser Doku-Team Video

Ich hoffe, dass ich mit dem Namen nicht wieder was verwechselt habe, denn bereits am Namen wurde ja ausgiebig lange getüftelt. Weil ja in das bisher video- und filmorientierte Festival nun mit MB21 auch noch der Multimedia-Aspekt einfließen sollte. Letztlich ist zwar bis heute nicht ganz klar, was Multimedia wirklich sein soll, aber lassen wir mal solche Spitzfindigkeiten. Auf jeden Fall werden wir nächstes Jahr das „Film“ streichen, denn Filme auf 8, 16 oder noch mehr mm waren nicht dabei. Ist ja auch klar – wer macht das heute noch? Spätestens, wenn man es per firewire nicht in den PC reinkriegt, resigniert man bei solch veralteten Aufnahmemedien. Zum Festival an sich habe ich bereits hier etwas gesagt, deshalb spare ich mir das jetzt. Es ist eine schöne Sache für einen Autor, wenn er bei seinen Lesern von vorhandenem Basiswissen ausgehen kann.

Präsentation der Multimedia-Produktionen im  Arteum.

Präsentation der Multimedia-Produktionen im Arteum.

Die Vorbereitungen für das BuFe, wie wir es intern nannten (soviel Zeit hat man als moderner Mensch einfach nicht mehr), liefen schon seit Monaten. Na, eigentlich sogar schon seit letztem Jahr, als es in Rostock lief. Damals wurde die roadmap (sagt man heute so) dafür gelegt, dass es 2003/04 und vielleicht noch 2005 in Dresden stattfindet. Und so häuften sich im letzten halben Jahr und ganz besonders in den letzten Tagen die BuFeTuBe’s, also die Bundesfestival-Turnusberatungen. Wenn man sich überlegt, dass die wenigsten der beteiligten Menschen bei der Projektleitung, bzw. überhaupt irgendwo fest angestellt waren, sondern nur als Praktikant oder aus Spaß an der Freude dabei waren, dann muss man spätestens hier noch mal allen für ihr Engagement und vor allem für ihre Zuverlässigkeit danken. Ich hatte mir z.B. unseren BA-Studenten Mario als persönlichen Assistenten ausgesucht, der dann spontan die gesamte Filmvorführung übernahm. Wieviele Leute sonst noch beteiligt waren und woher die alle kamen, weiß ich ehrlich gesagt nicht.

Alex knüpfte in der Chillout-Zone neue Kontakte

Alex knüpfte in der Chillout-Zone neue Kontakte

Nun zum Hauptthema: Was alles schief ging. Na, doch einiges. Der fehlende Internetzugang, was zunächst an der Telekom lag (ein Glück, dass es die gibt, wenn man Schuldige braucht!), was dann aber nicht mehr an der Telekom lag, weil ja ein Telekommer da war und alles freischaltete, wovon wir allerdings nichts erfuhren… Oder unsere schlechte WLAN-Verbindung aus dem Kino in’s Arteum. Das nehme ich jetzt einfach mal auf meine Kappe. Obwohl ich gar keine Kappe besitze. Gedacht war nämlich, das im Kino aktuell laufende Programm live mit in die Kellergewölbe des Arteums zu übertragen. Aus verschiedenen Gründen kam ich auf die Lösung: Funk.

Lars erklärt einem Interessierten

Lars erklärt einem Interessierten

Aber nicht analog, sondern digital per WLAN. Im Kino-Vorführraum würde ein schneller PC stehen (wir nahmen unseren neuen Pseudo-G5 mit dem Athlon64-Prozessor), der das Video in einen Videostream mit voller Auflösung umrechnet. An ihm würde ein Access-Point mit Richtantenne stecken, der es zum Arteum funkt, dort sollte ein zweiter Access-Point als Empfänger sein und ein PC würde das Bild dann per Beamer auf die Leinwand beamen. Hat in der Trockenübung im SAEK gut funktioniert, leider nicht vor Ort. Denn es gab – und das wussten wir – keine Sichtverbindung. Unsere Lösung konnten wir spontan aus verschiedenen Gründen nicht anwenden (das zu erklären, würde hier aber ausufern).

Jo's Ersatz: Albi & Martin

Jo's Ersatz: Albi & Martin

Am ersten Tag (Freitag) bekamen wir deshalb nur ein sehr stockendes Bild zun sehen. Also, prinzipiell hat’s funktioniert, praktisch konnte man es nur niemandem anbieten. Die Funkverbindung war einfach zu schlecht. Zum Verbessern kamen wir Sonnabends nicht mehr, weil der streamende PC da komplett ausfiel. Später stellte sich heraus, dass sich durch den Transport nur der Stecker der Festplatte gelöst hatte. Naja… Die Übertragung ins Arteum war ja auch nur für die Besucher gedacht, die sich mal außerhalb des Kinosaals aufhalten wollten und trotzdem sehen sollten, was gerade lief. Glücklicherweise waren die meisten Besucher aber ohnehin meist im Kino.  Dort war’s immer schön voll, was der Stimmung nicht schadete. Was ging noch schief? Der Ablauf der Preisverleihung, die sich ganz spontan änderte, weil eine halbe Stunde vor Beginn Stefan vom KJF fragte, ob denn das Programm auch nach Schema X abläuft?

Axel (Regie) und Dirk (Kommandeur)

Axel (Regie) und Dirk (Kommandeur)

Nee, sagten Mario und ich an der Technik, Schema Y! So ist es geplant, es gibt einen Ablauf, den sich ein Dramaturg so ausgedacht hat, den die Moderatoren so kennen. Oh, das ginge ja gar nicht. Das muss ganz anders sein… Und leider haben wir alle uns dann darauf eingelassen. Entsprechend chaotisch wurde es auch. Gut – ob es das Publikum überhaupt so wahrgenommen hat, oder ob nur wir Eingeweihten es bemerkten, sei mal dahingestellt. Zumindest ist es in die Liste unserer Verbesserungsvorschläge für das nächste BuFe eingeflossen: Es hat nur einer was zu sagen, und an dessen Vorgaben wird sich gehalten. Wer sich zu spät mit Bedenken meldet, hat Pech gehabt. Es kann nur einen geben!

Das Doku-Team-Print (teilweise)

Das Doku-Team-Print (teilweise)

The bolschoj Stress kam in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag. Wir mussten im Kino den Saal 3 nach der letzten Vorstellung räumen. Und das schnell, weil die nächste normale Kino-vorstellung geplant war. Der Kinobetreiber Frank Apel war einigermassen nervös, weil wir die recht teure Glasscheibe zwischen Vorführkabine und Saal herausgeschraubt hatten und ihm hoch und heilig versprochen hatten, diese mit allen erdenklichen Vorsichtsmassnahmen zu behandeln. Und genauso wieder einzuschrauben. Haben wir auch ordentlich gemacht, aber zu oft sollte man das gute Stück wohl wirklich nicht ausbauen.

Übrigens: Am Anfang dachte ich noch, mir so nebenbei  – da wir schon mal im Kino zu tun hatten – mal den „Herrn der Ringe“ anzusehen. Wenn ich mal nichts zu tun hätte. Naja… lustiger Gedanke. Wenn ich mal nichts zu tun habe… Nicht schlecht.

Jo checkt nochmal das delay-pitch-shifting.

Jo checkt nochmal das delay-pitch-shifting.

Jedenfalls mussten wir Sonntag früh, etwa ab MItternacht im Saal 7 alles wieder aufbauen. Und nicht nur einfach alles, so wie es vorher war, sondern anders. Mit höherem technischen Aufwand. Glücklicherweise hatte Jo seine Ambitionen, hier mit Profis zu arbeiten durchgesetzt. Ganz am Anfang war noch gedacht, das alles mit zusammen geborgter Technik auszuführen, aber so war’s schon besser. Klar hat es hier etwas gekostet, aber seriöse Arbeit kann man nicht immer umsonst haben. So hat lichttechnisch wenigstens alles geklappt. Jo hatte die Tontechnik ausgesucht, also klappte das auch und Merten (Ex-Praktikant von uns, Filmfest-Mitarbeiter, jemand mit Fachkenntnissen) hatte mich noch beim Beamer beraten. Also kostete das auch was, funktionierte aber auch richtig. Ich lötete passend lange Video-und Tonkabel, vom SAEK St.Benno hatten wir die Intercom, also klappte das auch alles. Da die wirklich anfallenden Arbeiten doch von relativ wenigen Leuten ausgeführt wurden, kommandierte Dirk die anderen zum Schlafen. Mit dem interessanten Ergebnis, dass diejenigen später unausgeschlafener wirkten als wir, die durchgemacht hatten.

Die Kollegen vom BuFe-TV (PROfeel) hatten sich ursprünglich vorgenommen, eine Live-Sendung zu produzieren, die Sonntag abend sofort noch ausgestrahlt werden sollte. Nun ja, so ganz fertig war es dann doch nicht. Es war ja auch etwas viel Arbeit. Das Ergebnis kam eine Woche späther im Äther und man kann es auch hier sehen.

Das Erstaunlichste von allem war, dass wir später tatsächlich wieder alle Geräte zuordnen konnten, alle Computer, Beamer, Kabel und sogar alle Adapter. Mit hoher Wahrscheinlichkeit gehörte sowieso zunächst mal alles dem SAEK Fernsehen, denn wir hatten unser Studio fast leer geräumt, bis hin zum Bildschirm des Bürorechners. Was fehlte, waren 2 Laptops vom Kultusministerium. Irgend ein Pfiffiger muss die sich in dem einzigen günstigen kurzen Moment geschnappt haben, den wir nachher rekonstruieren konnten.

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