Liebes Tagebuch,

Improvisierter Schnittplatz für Julius, der "Mephisto 3" überarbeitet

Improvisierter Schnittplatz für Julius, der "Mephisto 3" überarbeitet

bei uns laufen momentan die Vorbereitungen für die nächste Großaktion. Am Sonntag führen wir alle möglichen Kurzfilme vor, die so im Laufe der Zeit bei uns entstanden sind. Gleichzeitig gibt’s Frühstück mit nahtlosem Übergang zum Mittagessen. Also das, was moderne Menschen als „Brunch“ bezeichnen. Eine schöne alte Tradition, die auf verschiedene frühe Kulturen zurückgeht und durch einen Übersetzungsfehler Martin Luthers nun so heißt. Im Lateinischen hieß es noch „Sich den ganzen Tag vollfressen“ – aber das nur nebenbei.

Planungen solcher Veranstaltungen hielten Harald aber nicht davon ab, mit Mario gemeinsam zu einem Drehtermin für Janet Grau zu fahren. Sie filmen, wie Leute Bilder beschreiben. In der Ausstellung, die am Ende stehen soll, werden die Besucher nur die Videos sehen, in denen die Bilder beschrieben werden, aber die Bilder selbst werden sie nicht sehen. Die Bilder sind übrigens so alte DDR- Schinken („Sozialistischer Realismus“, obwohl dessen Inhalt ja alles andere als real war) mit glücklichen Werktätigen und Genossenschaftsbauern und engagierten SED-Parteimitgliedern. Für Janet als Amerikanerin war es eine interessante Erfahrung, solche Bilder das erste mal zu sehen. Hat sie zumindest gesagt. Moment mal – Amerikanerin? Sollten wir nicht alles amerikanische boykottieren, wegen der aktuellen Weltpolitik? Machen wir natürlich nicht, denn was kann Janet für ihren Präsidenten und seine Kontrollorgane?

Heute kam übrigens auch eine Klasse der „Dresdner Internationale Schule“, um sich in unsere Kameras einweisen zu lassen. Da es eine international gemischte Klasse ist, natürlich in englisch. Die meisten aus der Klasse sprachen zwar deutsch, aber naja… Prima Gelegenheit, seine alten Kenntnisse aufzubessern. Julius meint nachher, ich hätte ja auch sagen können, dass ich es aus politischen Gründen ablehne, englisch zu reden. Statt dessen würde ich meinen Vortrag in Arabisch halten.

Aber das würde ja nur bestätigen, dass nicht nur Bomben und Orden, sondern auch Boykotts immer die Falschen treffen.

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