Liebes Tagebuch,

Es fällt langsam auf, dass viele Installationen, Performances und Environments* der CYNETart auf den Programmen „Big Eye“ (Mac) und „EyeCon“ (PC) basieren. Kurz gesagt erfasst eine Kamera dabei eine Fläche, die in kleinere Flächen unterteilt wird. Wenn in einer der Teilflächen eine Bewegung registriert wird, löst das Programm ein Ereignis aus, typischerweise einen Sound. Sowas könnten wir im SAEK dringend gebrauchen: Kamera an die Decke und wenn jemand den Gang lang kommt, ertönt eine Stimme: „Du könntest ruhig mal abwaschen!“ Und je nach erfasster Fläche:“Füße vom Tisch! … im Schnittraum wird nicht gegessen! … Hinsetzen beim Pinkeln!“

Nun kann man sich darüber streiten, wie genial es ist, über die Jahre hinweg immer wieder dasselbe technische Prinzip anzuwenden und die durch zufällig abgerufene Samples entstehende Klangcollage als Kunst einzustufen (teilweise gehört es eher in die Rubrik „Jugend forscht“), aber das sollen mal andere entscheiden. Heute wurde zumindest noch eine dieser Klanginstallationen eröffnet: „Simultan Presence: … behandelt den Glauben an Individualität, sagt es gibt keine, denn immer wird das gesamte System durch die Präsenz anderer beeinflusst“. An der Stelle steigen simple Gemüter wie ich meist aus, denn man muss nicht alles mit bedeutungsschwangeren Inhalten versehen. Den gleichen Satz könnte man schließlich einer automatisch öffnenden Kaufhaustür anhängen: „… es gibt keine Individualität, denn immer wird das gesamte System durch die Präsenz anderer beeinflusst“. Ausserdem kann man damit genausogut das Gegenteil behaupten: „… bleibt das System nie stabil, da es von jedem Individuum in einzigartiger Weise gestört wird“, oder so in der Art.

* Anke hat mir inzwischen erklärt, was ein Environment ist: Eine Umgebung. Ich schreibe dies in meinem Büro-Environment.

2002_11_10_langzeit

Die Heisenbergsche Unschärfetheorie besagt, dass man ein Elektron nur entweder im Raum oder in seiner Geschwindigkeit exakt lokalisieren kann.
Die Franksche Unschärfetheorie sagt aus, dass die Leute gefälligst still stehen sollen, wenn sie mit Langzeitbelichtung geknipst werden. Sonst werden sie nämlich unscharf.

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