Liebes Tagebuch,

Durch die Kanalisation wird Wasser zu uns hineingedrückt. Wir wischen es einfach auf und schütten es draußen in die Schleuse.

Durch die Kanalisation wird Wasser zu uns hineingedrückt. Wir wischen es einfach auf und schütten es draußen in die Schleuse.

in den Medien wird man zur Zeit von Hochwasser-Meldungen überschüttet. Und als wir heute im Büro saßen und neue medienpädagogische Konzepte austüftelten, hörten wir plötzlich vom Eingang her ein liebliches Plätschern. „Scheiße!“, rief Harald und rannte hinaus. Ich hinterher. Unter unserer Eingangstür kam Wasser durch. Ziemlich viel sogar. Im Nu hatten alle Praktikanten* Töpfe, Schüsseln und Eimer in den Händen und schöpften Wasser aus dem Schnittraum. Vor unserem Eingang ist im Betonboden ein Stahlblech eingelassen. Darunter kam das meiste hervor. Anscheinend wurde das Wasser aus der Kanalisation dort hoch gedrückt, denn genau so roch es ab und zu. Hinten im Studio kam es durch die Wand herein.

Der Schöpfer kennt keine Pause

Der Schöpfer kennt keine Pause

Ich erkannte sofort den Ernst der Situation und nahm mich der wichtigsten Sache an: Ich griff mir die Kamera, Weitwinkel drauf, Band rein und dann filmte ich alles. Die Wasserträger hangelten sich mit ihren Eimern vorsichtig um mich herum, damit keine Spritzer auf die Optik kamen. Waren ja alles Medienprofis, die wissen, worauf’s ankommt. Nur als ich bestimmte Einstellungen wiederholen wollte („Klappe, die fünfte!“), ließ die Begeisterung nach. Na gut, da habe ich dann eben ein wenig mit geschöpft. Andere gehen ins Fitnessstudio und bezahlen eine Schweine- Kohle, um dort schwitzen zu dürfen – wir mussten keinen Pfennig, äh Cent zahlen und haben uns trotzdem ausgearbeitet. Und waren nichtmal verschwitzt, denn der strömende Regen spülte ja sofort alles von uns ab.

Das Wasser ist umzingelt. Jetzt kann es nicht mehr raus.

Das Wasser ist umzingelt. Jetzt kann es nicht mehr raus.

Harald’s Frau versorgte uns mit trockenen Sachen und Handtüchern, allerdings erst nachdem sie ihren eigenen Keller trockengeschöpft hatte. Uwe fuhr einkaufen und kam mit Kuchen und diversen Alkoholika zurück. Barbara Knifka brachte uns eine (leider zu schwache) Pumpe und als wir erkannten, dass das Wasser im Studio aus dem Heizungskeller nebenan kam, unterstützten uns die Kollegen vom Hörfunk bei einer Eimerkette. Solche Aktionen verbinden. Man hat noch lange was zu erzählen.

Ein Glück, dachte ich mir, dass du damals dieses Jobangebot im Vorstand der Deutschen Bank nicht angenommen hast. Arbeiten in der 24. Etage! Da kommt doch nie Hochwasser hin! Muss das öde sein…

An diesem Tag fanden wir auch die Antwort auf die alte Menschheitsfrage: Was tut eigentlich der Schöpfer, wenn er gerade nicht schöpft? Er trägt dann nämlich die teuersten Geräte hoch in die nächsthöhere Etage. Falls Nachts doch wieder Wasser eindringt. Er macht dann eine schöpferische Pause.

Abends erklärte ein netter Mann in der MDR- Sendung „Fakt“**, dass diese Hochwasser aber nichts mit einer angeblichen Klimaveränderung zu tun haben müssen. Das sind Einzelfälle. Ach, schön. Beruhigt mich ja. Seit meiner Jugend schneit’s im Winter zwar kaum noch, die Herbst- und Winterzeiten werden von Stürmen beherrscht, die es früher so nie gab und in den Sommern sieht man ständig Überschwemmungen auf RTL. Spätere Generationen werden nicht mehr „Sommer“ und „Winter“ sagen, sondern „Regenzeit“ und „Sturmzeit“. Aber das sind dann auch Einzelfälle, die nichts zu sagen haben. Und irgendwie seine Lebensweise ändern muss man schon gar nicht.

(*Ein Glück, dass wir ausreichend Praktikanten haben! Ich habe das ja schon immer befürwortet…)
(** die man sich inzwischen auch ersparen kann)

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